Das Haus steht abgelegen, Besuch ist bei der Familie Senti selten. Doch Leben gibts hier oben im Chimpfer, Gemeinde Flumserberg SG, weiss Gott genug. Neun Kinder sind es, Gorvin ist ein paar Wochen alt, Amanda (22) schon ausser Haus. Norina (3), Laurin (5), Melvin (8), Ivania (11), Darinka (14), Tatjana (17) und Sarina (19) sind die andern. Ob es noch mehr Nachwuchs gibt? «So Gott will, ich hab nichts dagegen», sagt Vater Albert Senti, und seine Frau Christine nickt. «Denn wir funktionieren als Familie bestens», strahlt der Landwirt.

Das haben sie erst letzthin wieder bewiesen, als Gorvin nach der Geburt eine Woche auf der Intensivstation lag und die Eltern oft nach Chur ins Spital fahren mussten. In dieser Zeit haben einfach die Älteren die kleineren Geschwister versorgt – ohne Murren. «Es ist dieses Wir-Gefühl, das uns manchmal vergessen lässt, wie viele wir sind», lacht Christine Senti und wiegt Gorvin in ihren Armen. Deshalb gehts auch sonst ohne Ämtliplan. Getischt, geräumt oder geputzt wird, wenn es die Mutter verlangt. Laurin und Melvin helfen dem Vater im Stall, wenn sie Lust haben; 40 Schafe müssen versorgt werden. Daneben arbeitet Albert Senti unten im Dorf in einer Metallbaufirma. Am Samstag ist Einkaufstag bei Sentis. Anderthalb bis zwei Stunden sind nötig, drei Einkaufswagen werden gefüllt. «Natürlich müssen wir rechnen», sagt Christine Senti und fügt schmunzelnd an: «Doch hier oben halten sich die Begehrlichkeiten automatisch in Grenzen.» Kein Problem, wenn es statt Markenjeans gebrauchte von Verwandten sind? «Man muss nicht alles mitmachen», sagt Sarina, und Ivania ergänzt: «Ein paar in der Klasse haben ein Handy, ich brauche keins.» Auch vor dem einzigen Fernseher gebe es keinen Streit – sie würden nicht so oft schauen. Albert Senti sieht seine Kinder voller Stolz an. Diese Momente bestärken ihn in der Überzeugung, den richtigen Weg zu gehen. Erklären mag er ihn nicht: «Es hat sich einfach so ergeben.»

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