Karriere, sagt Giuseppe Sampietro, bedeute für ihn nicht nur Beruf, sondern seine ganze persönliche Entwicklung. «Auch Kinder zu haben ist für mich Karriere», findet der 43-Jährige. Dass er sich nun seit zehn Jahren um Kinder und Haushalt kümmert, hält er für selbstverständlich. Geschlechtsspezifische Rollen oder Tätigkeiten gibt es für ihn sowieso nicht. Was nicht heissen soll, dass er als 100-Prozent-Hausmann glücklich wäre. «Bloss nicht!» Aber die Kinder grosszuziehen und mit ihnen den Alltag zu leben ist ein wichtiger Teil in seinem Leben. «Sonst müsste ich doch gar keine Kinder haben.»

Sampietro definiert sich nicht über den Beruf. Wichtig ist er ihm trotzdem. Leben versteht er nicht als eingespurten Weg mit vorgefasstem Ziel. Er ist offen für Neues, hat trotzdem die Prioritäten im Auge. Aufgewachsen in einer Zürcher Arbeiterfamilie, lernte er Elektroniker. Musste zu Hause stets mithelfen. Arbeitete seit der Lehre wenn immer möglich Teilzeit, um mehr Zeit für persönliche Interessen zu haben. Entschied sich mit 27 gegen eine Weltreise mit dem Motorrad und für die Erwachsenen-Maturitätsschule. Und lernte dort seine Partnerin Thea kennen. Beide begannen später ein Studium – sie in Soziologie, er in Geografie. 1991 wurde Alessandra geboren; sechs Jahre später, in der Endphase des Studiums, kamen die Zwillinge Frank und Anna zur Welt. Inzwischen arbeiten die Eltern je 60 Prozent. Die Familie lebt in einem Genossenschaftsreihenhaus in Zürich.

«Entscheidend ist, dass wir beide für Partnerschaft und Familie dasselbe wollen und jedem wohl ist dabei», sagt Sampietro. Jeder kann seine beruflichen Ziele verfolgen, jeder für die Familie sorgen. Viel Freiraum bleibt im Moment zwar nicht. Aber was solls. Drei Tage gehen die Kleinen in die Krippe, Alessandra besucht den Hort.

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Im Beruf schätzt Sampietro ein tolerantes Umfeld. Bei den Verhandlungen für die neue Stelle ging es zunächst um ein 80-Prozent-Pensum. Das werde zu eng für die Familie, fand er: «Sonst wäre ich immer auf dem Sprung, und das ist kräftezehrend.» Alles unter einen Hut zu bringen bedeutet sowieso immer Organisation, Absprache und Verständnis von allen Seiten. Manchmal, das verhehlt Giuseppe Sampietro nicht, kann das auch stressig sein. «Insgesamt aber führen wir ein ausgeglichenes Leben», sagt er, «und davon profitieren alle.»