Zur Autorin

Caroline Fux ist Psychologin, Journalistin und vielen als «Blick»-Kolumnistin bekannt. Für die Beobachter Edition war sie Co-Autorin von zwei Ratgeberbüchern zu den Themen Paarbeziehung und Sexualität.

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Zu hohe Erwartungen sind einer der gefährlichsten Beziehungskiller. Der Druck, stets glücklich zu sein, ist heute hoch, und die Beziehung wird als wichtige Quelle für die persönliche Erfüllung betrachtet. Oft kann die echte Beziehung dann nicht mehr Schritt halten mit dem Ideal im Kopf. Gut ist oft nicht mehr gut genug, und die Bereitschaft, zusammen auch mal eine Durststrecke auszuhalten, ist gesunken. Lieber sucht man sein Glück beim nächsten Partner.

Das soll kein Plädoyer dafür sein, sich mit Missständen einfach abzufinden. Trotzdem ist es wichtig, dass man einige Illusionen begräbt, wenn man eine dauerhafte Beziehung mit einem Menschen führen möchte.

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  1. «In einer richtig guten Beziehung gibt es keine Krisen»

    Sie träumen von einer Beziehung in permanentem Hochgefühl? Träumen Sie weiter. Ein Dauerhoch funktioniert nicht. Nicht im Leben und nicht in einer Partnerschaft. Zum Beziehungsalltag 
    gehören Taucher einfach dazu: Selbst die bestens geplanten Ferien können misslingen, und manchmal ziehen Wochen oder gar Monate in dröger Eintönigkeit vorbei. Das heisst aber nicht, dass man gleich alles in Frage stellen muss. Denn oft bestimmt erst die Tiefe des Tiefs die Höhe des Hochs.

    Das hilft: Stellen Sie sich von Anfang an auf Durststrecken und Kämpfe ein, wenn Sie eine langfristige Beziehung führen möchten. Krisen sind kein Signal für ein Versagen oder der berühmte Anfang vom Ende. Dann werden Sie im Ernstfall nicht überrumpelt und gewinnen Gelassenheit, die beim Aushalten oder Bewältigen Gold wert ist. Ergreifen Sie in schwierigen Momenten nicht reflexartig die Flucht. Zu erleben, was Sie als Paar alles meistern können, macht Sie stärker. Zu spüren, wie es wieder aufwärts geht, kann sich zudem sehr beflügelnd anfühlen.


  2. «Absolute Treue ist die unabdingbare Basis einer Langzeitbeziehung»

    Die meisten Paare starten ihre Beziehung in trauter Zweisamkeit und können sich schlicht nicht vorstellen, dass jemand anderer auch nur annähernd an die Grossartigkeit und Strahlkraft des neuen Partners herankommen könnte. In der Phase der ersten Verliebtheit ist diese Exklusivität nicht nur ein süsser, sondern im Normalfall auch gelebter Traum. Je länger die Beziehung dauert, desto eher spüren die meisten aber, dass die Sache mit der sexuellen Exklusivität auf Dauer doch zur Knacknuss werden könnte. Vielleicht ist man sich nicht einig darüber, wie viel Raum Sexualität in der Partnerschaft bekommen soll, über die Art der Sexualität, oder vielleicht vermisst man es schlicht und einfach, einen anderen Körper zu entdecken. Für viele Paare ist es undenkbar, diese Erlebnisse und Bedürfnisse überhaupt zu diskutieren.

    Das hilft: Machen Sie sich das Geschenk, Themen wie Treue und sexuelle Exklusivität zu besprechen. Haben Sie zusammen klipp und klar festgelegt, wo Ihre Grenzen liegen? Haben Sie zusammen geklärt, welche Freiheiten Sie sich gönnen können? Sind Sie bereit, diese Themen immer wieder neu anzupacken, wenn Sie merken, dass sich Ihre Bedürfnisse verändern? Haben Sie den Mut, mit dem Partner über Ihre Lust zu reden, auch wenn nicht permanent er oder sie in deren Zentrum steht? Sie müssen nicht auf eine offene Beziehung hinarbeiten, wenn Sie es nicht erstrebenswert finden. Stehen Sie dazu, wenn Monogamie für Sie das einzige Modell ist. Aber klemmen Sie deshalb nicht die Diskussion ab, dass auch andere Leute spannend und erotisch sein können. Und sei es nur in Gedanken.


  3. «Wahre Nähe heisst, dass man alles teilt»

    Liebevoll gelebte Nähe ist eine wunderbare Sache. Sie schafft Intimität und stärkt die Partnerschaft. Gemeinsam verbrachte Zeit ist das Baumaterial, aus dem das Haus der Beziehung erstellt wird, und emotionale Nähe der Kitt, der zusammenhält. Trotzdem darf man sich als Paar nicht unter Druck setzen oder setzen lassen, für den andern jeweils das Ein und Alles zu sein. 
    Das Haus der Beziehung besteht immer aus drei Elementen: zwei Säulen aus jeweils einem «Ich», die ein «Wir» tragen. Das ganze Bauwerk kann dabei immer nur so stark sein wie das schwächste Element. Wenn sich eine Person nicht mehr für ihr eigenes Glück einsetzt, schwächt das über kurz oder lang auch die Beziehung. Denn genau wie das Leben Hochs und Tiefs braucht, braucht eine Beziehung auch einen spannenden Wechsel zwischen Nähe und Distanz, Vertrautheit und Überraschung. Eine eigene Erlebnis- und Gedankenwelt erhält die notwendige Spannung aufrecht.

    Das hilft: Verteilen Sie Ihre Zeit und Ihre Energie bewusst auf Ihr «Ich» und das «Wir». Fühlen Sie sich nicht verpflichtet, dem Partner jeden hintersten Winkel Ihrer Gedankenwelt zu offenbaren, aber teilen Sie grosszügig Leidenschaften und Träume, Sorgen und Ängste. Haben Sie ein wachsames Auge darauf, ob Sie beginnen, sich vor Ich-Zeit oder Wir-Zeit zu drücken. Wie viel Gemeinsames für Sie als Paar erstrebenswert ist, müssen Sie selber definieren. Seien Sie sich dabei bewusst, dass sich Bedürfnisse ändern. Sorgen Sie dafür, dass Sie sich als «Ich» entwickeln können, aber bleiben Sie in Ihrem Wachstum mit dem Partner in Kontakt, damit Ihr «Wir» nicht zerbröselt.


  4. «Wer sich wirklich liebt, kann sich nicht in jemand anderen verlieben»

    Die Idee hält sich hartnäckig: Wer glücklich vergeben ist, kann sich nicht verlieben. Aber auch wenn ein Paar eine schöne Beziehung lebt, gehen beide nicht unter einer Glasglocke durchs Leben. Andere Menschen blenden wir höchstens im allerersten Rausch der Verliebtheit aus. Danach kehrt die Normalität zurück. Und normal ist nun mal, dass wir immer wieder einmal auf Menschen treffen, die wir spannend finden. Viele Betroffene missdeuten Schmetterlinge im Bauch als Wink des Schicksals, dass etwas mit ihrer Kernbeziehung nicht in Ordnung sein kann. Man hat ihnen die reichlich naive Vorstellung eingetrichtert, dass Liebe blind macht, und zwar auch für andere potenzielle Partner.

    Das hilft: Machen Sie sich bewusst, dass Sie Ihre Gefühle nicht kontrollieren können – wohl aber Ihre Handlungen! Übernehmen Sie Verantwortung für das, was passiert, statt sich für Ihre Emotionen fertigzumachen. Fragen Sie sich knallhart, ob Sie die Verliebtheit befeuern und mit Taten unterstützen. Jedes noch so freundschaftliche SMS und jedes noch so sittsame Treffen ist ein Schritt auf eine Affäre zu. Isoliert bewertet mögen sie harmlos sein, aber nach 20 harmlosen Schritten stehen Sie vielleicht mitten im Seitensprung. Sie müssen sich sozial nicht isolieren. Sie müssen aber auch nicht ausgerechnet Kontakt mit jenem Menschen haben, 
    in den Sie sich verguckt haben.
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Autorin: Caroline Fux
Bilder: Cortis & Sonderegger, Nick Hunger/Blick
Illustration: Thilo Rothacker

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Quelle: Beobachter Edition
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