«Jugendliche werden plötzlich zu Experten ihrer Religion gemacht»
Der Nahostkonflikt setzt jüdische und muslimische Jugendliche auch in der Schweiz unter Druck. Religionsforscher Andreas Tunger-Zanetti erklärt, was Zuschreibungen auslösen und wie der Dialog gelingen kann.

Veröffentlicht am 7. Oktober 2026 - 05:00 Uhr

«Dass manche muslimische und jüdische Jugendliche durch den Nahostkonflikt stärker zur Religion finden, überrascht mich teilweise», sagt Andreas Tunger-Zanetti.
Andreas Tunger-Zanetti, wie erleben Sie aktuell die Stimmung unter religiösen Jugendlichen in der Schweiz?
In Beiträgen auf sozialen Medien zeigt sich: Vor allem unter muslimischen Jugendlichen ist die Stimmung stark geprägt von Entrüstung und Empörung über den Krieg in Gaza und die zivilen Opfer. Die ursprüngliche Aktion der Hamas – der Überfall auf das Festival nahe dem Gazastreifen – ist fast schon in den Hintergrund gerückt. Heute dominiert die Frage: Warum tut die Welt nichts, um Israel zu stoppen? Warum werden Hilfslieferungen blockiert? Das führt bei vielen Jugendlichen zu einer Stimmung des Unverständnisses wie: «Die Welt lässt uns im Stich.»