Insgesamt 13 Mal hat ein Brandstifter seit Anfang April in der Solothurner Region Wasseramt zugeschlagen. Jetzt wurde ein Tatverdächtiger verhaftet. Laut Recherchen des «Blick» handelt es sich dabei ausgerechnet um einen Feuerwehrmann. Es gilt die Unschuldsvermutung.

«Typisch», wird so manche Leserin denken. «Sind Brandstifter nicht meistens Feuerwehrmänner?»

Ein weit verbreiteter Irrglaube. Der mittlerweile verstorbene deutsche Brandexperte und Kriminologe Frank Dieter Stolt hat in jahrelanger wissenschaftlicher Forschungsarbeit unzählige Meldungen zu Brandstiftungen aufgenommen und untersucht. Nach seinen Erhebungen von 2010 wurden in Deutschland jährlich rund 40 «Profi»-Brandstifter ermittelt und verurteilt – bei 1,3 Millionen freiwilligen Feuerwehrleuten. Zum Vergleich: Im gleichen Jahr wurden 21’723 Brandstiftungen polizeilich erfasst.

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Seine Forschungsergebnisse veröffentlichte er in seinem Fachbuch «Brandstiftung durch Feuerwehrangehörige». Für die Schweiz fehlen entsprechende Auswertungen.

Rein zahlenmässig sah Stolt also keinen Anhaltspunkt dafür, dass Feuerwehrmänner überdurchschnittlich viele Brände legen. Dass der Eindruck dennoch entsteht, führte er unter anderem darauf zurück, dass solche Fälle medial besser verwertbar sind als jene, in denen ein Durchschnittsbürger der Feuerteufel war. 

Medien zeichnen falsches Bild

Dieser Auffassung ist auch Thomas Widmer, Direktor des schweizerischen Feuerwehrverbands Swissfire: «Auffällig ist, dass die breite Berichterstattung vor allem dann stattfindet, wenn ein Brandstifter der Feuerwehr angehört. Diese Fälle bleiben dann in der Erinnerung der Öffentlichkeit hängen und tragen zum Eindruck bei, dass vor allem Feuerwehrleute Brandstifter seien.» 

Zudem ist laut Frank Dieter Stolt die Aufklärungsquote von durch Feuerwehrmänner gelegten Bränden höher als von jenen, die durch andere Tätertypen verursacht wurden.

Das dürfte auch daran liegen, dass Stolt bei seinen Untersuchungen ein Täterprofil der zündelnden Feuerwehrleute herauskristallisieren konnte: zwischen Anfang und Ende 20, durchschnittliche bis mässige Schulleistungen, gesellschaftlich unauffällig, hoch motiviert bei der Arbeit in der Feuerwehr und überdurchschnittlich schnell und einsatzbereit im Ernstfall. Und fast ausschliesslich männlich. 

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