Der Beobachter hat vor neun Monaten über die Sexaffäre an der Psychiatrischen Universitätsklinik Basel berichtet (siehe Artikel zum «Psychiatrie: ‹Er drohte mir mit der Hölle›»): Der ehemalige ärztliche Vizedirektor der Klinik, Professor Asmus Finzen, hatte im Kreuzgang des Basler Münsters Sex mit einer Patientin. Die Staatsanwaltschaft Basel-Stadt ermittelt in dem Fall, denn Finzen steht im Verdacht, das Abhängigkeitsverhältnis und die Notlage der Frau ausgenutzt zu haben.

Jetzt ist der Professor in die Offensive gegangen. In den Räumlichkeiten seines Basler Anwalts trat Finzen erstmals vor die Medien und stellt sich selbst als Opfer dar: Seine ehemalige Patientin sei nach wie vor in ihn verliebt und habe ihn mehrfach gegen seinen Willen zu Hause aufgesucht, sei kürzlich sogar an seinen Wohnort gezogen. «Sie versucht mit allen Mitteln, mich zu Sex und zu einer Partnerschaft zu drängen», sagt Finzen.

Gutachten in Auftrag
Der Sex damals sei von beiden Seiten gewünscht gewesen. Im laufenden Strafverfahren gehe es «lediglich um zwei sexuelle Handlungen, die Monate nach Abschluss der Behandlung stattgefunden haben», sagt Finzen. Er habe mit der Patientin in der Klinik zudem gar keine Psychotherapie durchgeführt, sondern nur die Medikamentenabgabe kontrolliert. Daraus folgert er: «Es ist keine Abhängigkeit entstanden.» Deshalb liege keine strafbare Handlung vor.

Der Anwalt der Patientin widerspricht: Gerade der Machtmissbrauch durch Finzen habe dazu geführt, dass die psychisch angeschlagene Frau bis heute abhängig von ihm ist. Solche umstrittenen Punkte soll jetzt der Zürcher Gerichtspsychiater Martin Kiesewetter prüfen: Das Strafgericht hat ihn mit einem Gutachten beauftragt. Das Urteil wird für den Herbst erwartet.

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