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GlühlampenverbotAbbau in Raten

Seit dem 1. September gilt das erweiterte Glühlampenverbot der EU auch bei uns. Was ist noch erlaubt, was schon verboten, und welche Alternativen bleiben?

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Die Erfindung der Glühlampe vor mehr als 100 Jahren war ein Meilenstein in der Geschichte der Menschheit. Inzwischen ist die Technik weiter, und als «Energieeffizienz» zum Schlagwort wurde, war die Ablösung der klassischen Glühbirne absehbar. Mit der Übernahme des Glühlampenverbots der EU durch die Schweiz ist die Lampenrevolution nun beschlossene Sache – der Wandel in den Haushalten aber noch lange nicht vollzogen.

In jeder Wohnung in der Schweiz brennen im Schnitt 24 Lampen. Die meisten davon sind schon unzulässig oder werden vom schrittweise zu verschärfenden Verbot betroffen sein. Die noch vorhandenen Lampen müssen nicht sofort ersetzt werden, doch wer im Ladengestell nach den vertrauten Modellen sucht, findet etliche davon nicht mehr. Matte Glühlampen etwa sind zurückgezogen – dasselbe Schicksal ereilt bald auch klare Glühlampen sowie herkömmliche Halogenlampen.

Auf den ersten Blick könnte man meinen, die Haushalte würden mit dem Verbot bestraft – das Gegenteil ist der Fall: Die Alternativen wie Stromsparlampen, LED-Lampen und Eco-Halogenlampen helfen, Strom und damit Geld zu sparen. Die Energieetikette soll das erleichtern und helfen, sich im Dschungel der Produkte zurechtzufinden. Hersteller müssen die Etikette auf den Verpackungen angeben (siehe Artikel zum Thema). Sie zeigt auf, wie viel Strom eine Lampe verbraucht. Der Verbrauch wird in sieben Klassen eingeteilt, wobei A die beste und G die schlechteste bezeichnet.

Quelle: Thinkstock Kollektion

Das Abc der Energieetikette

  • Klassen A und B: Sparlampen und Leuchtstofflampen
  • Klassen B und C: Eco-Halogenlampen (neue Generation)
  • Klasse D: herkömmliche Halogenlampen
  • Klasse E: normale Glühbirnen
  • Klassen F und G: kleine Glühbirnen und Spezialglühlampen


Das Glühlampenverbot richtet sich nach der Energieetikette. Sämtliche Produkte werden hier in ­sieben Klassen eingeteilt, wobei A die beste und G die schlechteste Klasse ist. Bereits seit dem 1. Januar 2009 sind die Energieklassen F und G mit wenigen Ausnahmen verboten, nun verschwinden bis 2016 in Etappen auch die Klassen E bis C vom Markt.

Quelle: BKW FMB Energie AG; Grafik: Fea

Bereits im Januar 2009 hat die Schweiz einen ersten Schritt gemacht und den Verkauf von Lampen der Effizienzklassen F und G verboten. Davon betroffen waren allerdings lediglich drei Prozent aller Glühlampen. Mit der Übernahme des EU-Verbots durch die Schweiz per 1. September geht es den Energieeffizienzklassen E bis C an den Kragen, schrittweise bis ins Jahr 2016, wobei die meisten Verbote schon 2012 gelten werden. Schon betroffen sind in der Schweiz weitverbreitete Glühlampenmodelle. Dazu gehören alle matten Lampen (ausser Effizienzklasse A), klare Lampen ab 75 Watt und klare Halogenlampen ab 60 Watt Leistung. Ab 2012 werden alle Glühbirnen ab 40 Watt verboten sein. Die zweite Stufe des Verbots hat damit viel weiter reichende Konsequenzen als die erste. Nun müssen sich die Konsumenten neue Lösungen einfallen lassen.

Energieeffiziente Alternativen zu gegenwärtig und künftig verbotenen Glühlampen gibt es deren drei: Stromsparlampen, Eco-Halogenlampen und LED-Lampen (Leuchtdioden). Am weitesten verbreitet sind die Stromsparlampen. Sie erzeugen mit der gleichen Strommenge bis zu fünfmal mehr Licht als Glühlampen. So gibt eine 15-Watt-Sparlampe gleich viel Licht ab wie eine 60-Watt-Glühlampe und spart damit 75 Prozent Strom. Moderne Energiesparlampen sind flimmerfrei und können dank dem gleichen Schraubgewinde (meist E14 oder E27) bestehende Glühbirnen ohne weiteres ersetzen. Die Stromsparlampen gibt es in Stabform als Ersatz für Glühlampen von 40 bis 100 Watt und in Birnen- oder Kerzenform als Ersatz für Glühlampen bereits ab 15 Watt.

Sparlampen haben allerdings auch einige Nachteile. Zwar sind auf dem Markt unterdessen auch dimmbare Modelle erhältlich, doch deren Leistung liegt unter den Erwartungen: Sie erzeugen ein unangenehmes, bläuliches Licht. Wer gedimmtes Licht benötigt, sollte deshalb auf andere Alternativen setzen, etwa Eco-Halogenlampen. Stromsparlampen brauchen zudem häufig etwas länger als herkömmliche Lampen, um aufzustarten, nämlich 30 Sekunden bis zwei Minuten. Zudem sind sie kaum für eine Akzentbeleuchtung geeignet und müssen am Ende ihrer Lebenszeit als Sondermüll bei den Verkaufsstellen abgegeben werden. Beim Kauf von Energiesparlampen sollte zudem unbedingt auf den dreistelligen Code geachtet werden. Dieser ist auf den Verpackungen deklariert (siehe Artikel zum Thema).

Auch Eco-Halogenlampen können eine ideale Alternative zu Glühlampen oder herkömmlichen Halogenlampen sein. Bei gleichem Licht verbrauchen sie rund 30 Prozent weniger Strom als konventionelle Glühlampen. Von den herkömmlichen Modellen unterscheiden sie sich durch eine zusätzliche Beschichtung des Glaskörpers, wodurch die Effizienz erhöht wird. Erhältlich sind sie in Birnen- oder Kerzenform und kommen vor allem bei dimmbaren oder Dekorationsleuchten zum Einsatz. Ansonsten sind Eco-Halogenlampen eher nicht zu empfehlen, da entsprechend geformte Stromsparlampen deutlich wirtschaftlicher sind. Ebenfalls angeboten werden Eco-Hochvolthalogenlampen für indirekt strahlende Stehleuchten (200 Watt ersetzen eine herkömmliche 300-Watt-Hochvolthalogenlampe) und Eco-Niedervolthalogenlampen für Deckenbögen und Spiralen (35 Watt als Ersatz für 50-Watt-Modelle).

Im Vergleich zu Stromsparlampen trumpfen Eco-Halogenlampen mit einer sehr guten Lichtqualität und relativ günstigen Anschaffungspreisen auf, schneiden aber schlechter ab bei den Betriebskosten, bei der Hitzeabgabe, der Lebensdauer sowie vor allem beim Stromverbrauch.

Die zukunftsträchtigste Alternative sind wohl die LED-Lampen, die es erst seit ungefähr zehn Jahren in weisser Ausführung gibt. Sie sind heute aber nur mit relativ geringer Leistung erhältlich, und der Anschaffungspreis ist eher hoch. Das dürfte sich mit zunehmender Verbreitung indes ändern. LED-Lampen sind als Spotlampen erhältlich, die herkömmliche Halogenlampen von 15 bis 25 Watt Leistung ersetzen und dabei 80 Prozent Strom einsparen.

So spendet eine Sechs-Watt-LED-Spotlampe gleich viel Licht wie eine 30-Watt-Halogenlampe herkömmlicher Bauart. Auch als Lese- oder Arbeitsleuchten kommen LED-Lampen immer häufiger zum Einsatz. Eine Investition in eine LED-Lampe lohnt sich trotz dem hohen Preis, denn im Vergleich zur herkömmlichen Glühlampe verfügt sie über eine rund 30-mal längere Lebensdauer. Und da die Technologie der LED-Lampen noch sehr jung ist, kann der höhere Preis als lohnende Investition in die Zukunft betrachtet werden.

Die Alternativen zeigen, dass der Markt auf das Glühlampenverbot vorbereitet ist. Dennoch wird es wohl keine stille Revolution werden – wie immer, wenn sich Gewohnheiten ändern müssen. Aber spätestens wenn die letzten Glühlampenreserven in den Putzschränken der Schweizer Haushalte aufgebraucht sind, wird man sich umgewöhnt haben und sich darüber freuen, dass die Stromrechnung tiefer ausfällt. 

Die Alternative zu den verbotenen Produkten

Bisher Alternative Stromeinsparung
25-W-Glühlampe 7-W-Sparlampe rund 70%
40-W-Glühlampe 11-W-Sparlampe 80%
60-W-Glühlampe 15-W-Sparlampe
42-W-Eco-Halogen
Sparlampe: 75%
Eco-Halogen: 30%
75-W-Glühlampe 15-W-LED-Lampe 80%
100-W-Glühlampe 20-W-Sparlampe 80%
20-W-Niedervolthalogen 4-W-LED-Lampe 80%
50-W-Niedervolthalogen 35-W-Eco-Halogen 30%
50-W-Hochvolthalogen 40-W-Eco-Halogen 20%
300-W-Hochvolthalogen 200-W-Eco-Halogen 33%
Veröffentlicht am 08. September 2010

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16 Kommentare

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Fritz aus Düsseldorf
Wieder einmal hat die EU-Kommission einen Schildbürgerstreich gelandet. Dies kann deshalb geschehen, weil Poilitiker meist keine Ahnung ahben. Dioe meisten können auch nicht das gefährliche Kohlenmonoxid von dem in jeder Mineralwasserflasche enthaltenen CO² unterscheiden. Sie wissen auch nicht, daß CO² nur zu 0.039% in der Luft enthalten ist, Argon dagegen mit 0,93% und von den Pflanzen dringend zum Wachstum benötigt wird. Man würde sich bei der EU statt um ein Glühlampenverbot lieber um die Normierung von Akkus für Kameras und Handies kümmern. So muß man bei einem Neukauf innerhalb der selben Marke weil das neue Akku 1mm kürzer dafür aber 1mm breiter ist, ein neues Akku und ein neues Ladegerät kaufen. Das ist Umweltsünde und das gehört verboten.

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Domenico
Das mit dem "80%-Ersparnis" ist eine Mär. Ich habe kürzlich eine 100W Birne mit einer 23 Watt Quick Start ESL der neusten Generation ersetzt (die sollte sogar noch heller sein als die 100W). Fazit: (i) Das Licht ist eine Katastrobhe (extremer Gelbstich); (ii) 23 Watt entspricht (subjektiv) höchstens einer herkömmlichen 75 Watt Birne; (iii) Quick Start heisst, dass die Birne beim Einschalten sofort hell aufblitzt (ca 1/10 Sekunde), dann reduziert sich die Leistung auf ca. 20%. Schliesslich muss man 1-2 Minuten warten, bis es wirklich hell ist (mit den Einschränkungen gemäss i und ii hievor genannt). Resultat: ESL auf den Müll, und mit Halogenlampen ersetzt.

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Frigor
Bin mit den meisten Kommentatoren einverstanden. Das Verbot der gewöhnlichen Glühlampen ist ganz einfach dumm. Es wird niemals den von grünen, roten und andersfarbigen Energiepolitikern (die nachgewiesenermassen oft nicht einmal KW von KWh unterscheiden (können) Energiespareffekt geben. Das ist das eine. Das andere ist, dass Sparlampen (Fluoreszenzlampen, die es übrigens schon seit Jahrzehnten als Röhren gibt) nicht dasselbe schöne und gesunde Licht abstrahlen können wie Glühlampen, insbesondere Halogenlampen. Warum das so ist, kann man im Physikbuch unter Boltzmann und Quantentheorie nachlesen. Dasselbe gilt im übrigen auch für LED's, obwohl sie ein ein wenig besser sind. Allen el.Leuchtmitteln gemeinsam ist, dass sie mit der Zeit an Leuchtstärke einbüssen.

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ruth-erika
Welche Angaben auf der Verpackung geben Aufschluss über den Schnellstart einer Sparlampe ? z.B. ist es im Bad/Keller oder Hausgang mühsam, das volle Licht erst nach einigen Sek. zu haben.Meist weiss auch das Verkaufspersonal nicht weiter. Danke für eine Erklärung. r.e.

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