Den Stein ins Rollen gebracht hat der Beobachter, der im September aufdeckte, wie der Zahnarzt Daniel Marschall mit Rechnungen Patienten täuscht und Patienten von Laien behandeln lässt. Der 49-Jährige führt die Aarauer Dental­hygiene- und Zahnärztegemeinschaft und die Basler Zahnklinik am Aeschenplatz. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft Basel-Stadt gegen ihn – wegen Verdachts auf Betrug, und zwar aufgrund einer Anzeige, die der Baselbieter Kantonszahnarzt Samuel Schild eingereicht hat. Sein Beweismate­rial: rund 100 Patientendossiers.

Schilds Intervention aus dem Nachbarkanton war nötig: Die verantwortlichen Basler Behörden waren lange Zeit untätig. Immer wieder erhielten Patienten unkorrekte Rechnungen, so auch Jochen Stroka. Ihm schnitt einer der Klinik-Zahnärzte beim Polieren der Zähne versehentlich so tief in die Zunge, dass sie genäht werden musste. Die Klinik stellte die Behandlung der Verletzung prompt auch noch in Rechnung. «Eine absolute Frechheit», ärgert sich Stroka, der nicht bezahlte.

Aufgeschreckt durch Medienberichte und die Strafanzeige, hat jetzt der Basler Gesundheitsdienst ein aufsichtsrechtliches Verfahren eingeleitet. Reichlich spät, denn bei den Behörden lagern schon seit Monaten Beschwerdefälle der Basler Zahnärztegesellschaft. Bis jetzt habe das Beweismaterial nicht ausgereicht, erklärte Andreas Fal­ler, Leiter der Gesundheitsdienste der Stadt Basel, in der «Basler Zeitung». Und nach wie vor erachtet seine Behörde die ­Patientensicherheit als ausreichend.

Verwarnung ausgesprochen

Doch die Recherche des Beobachters zeig­te, dass in der Zahnklinik ungeschultes Personal im Auftrag von Marschall Füllun­gen legt und sogar Zähne zurechtschleift – ein Verstoss gegen die Zahnärzteverordnung. Ohne die Anzeige eines Patienten könne man nicht einschreiten, sagt Faller dazu. Zahnarzt Daniel Marschall weist die Vorwürfe zurück, will jedoch konkret nicht Stellung nehmen. Seine Aarauer Praxis wurde kürzlich von der Industrie- und Gewerbeaufsicht überprüft. Resultat: Die individuellen Arbeitszeiten der Angestellten sind mangelhaft dokumentiert. Rudolf Frieden, Leiter des Arbeitsinspektorats ­Aargau: «Das ist ein klarer Ver­stoss gegen das Arbeitsgesetz. Marschall wird deshalb verwarnt.»