Rund 100'000 Verurteilungen werden jedes Jahr ins Strafregister aufgenommen. Diese grosse Zahl verrät schon: Da sind bei weitem nicht nur Schwerverbrecher zu finden, sondern auch jede Menge grundsätzlich gesetzestreuer Bürgerinnen und Bürger – sehr oft im Zusammenhang mit dem Strassenverkehr. Im Jahr 2018 zum Beispiel erfolgten von den gesamthaft 107'085 Strafregistereinträgen von Erwachsenen mehr als 57'000 wegen Verstössen gegen das Strassenverkehrsgesetz.

Im Beobachter-Beratungszentrum sind Erkundigungen rund ums Strafregister an der Tagesordnung. Die zehn wichtigsten Fragen und Antworten dazu:

1. Was ist überhaupt der Zweck des Strafregisters?

Es unterstützt Behörden bei der Erfüllung ihrer Aufgaben. Es wird etwa bei Strafverfahren Strafprozessordnung Was für Beschuldigte und Opfer gilt , bei Erteilung und Entzug von Lernfahr- und Führerausweisen oder bei Einbürgerungen beigezogen.

Ein Beispiel: Wie hoch die Strafe für ein Delikt ist, hängt auch von allfälligen Vorstrafen ab – entsprechende Informationen entnimmt der Richter dem Strafregister.

2. Wer wird im Strafregister eingetragen?

Personen, die in der Schweiz verurteilt worden sind. Aber auch im Ausland ver­urteilte Schweizer Bürger. Im Register sind auch Personen aufgeführt, gegen die in der Schweiz ein Strafverfahren wegen Verbrechen (Delikte mit einer Strafdrohung von mehr als drei Jahren) oder Vergehen (Strafdrohung bis zu drei Jahren oder Geldstrafe) hängig sind.

3. Welche Delikte werden im Strafregister vermerkt?

Insbesondere Verbrechen und Ver­gehen – sofern eine Strafe oder Massnahme ausgesprochen worden ist.

Auch Übertretungen (mit Busse sanktionierte Delikte) werden eingetragen, aber in der Regel nur, wenn die Busse Straftat begangen So straft der Staat mehr als 5000 Franken beträgt, gemeinnützige Arbeit von mehr als 180 Tagen verordnet wurde oder wenn ein Tätigkeitsverbot oder ein Kontakt- und Rayonverbot (zum Beispiel bei häuslicher Gewalt) verhängt wurde.

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4. Wer hat Einsicht ins Strafregister?

In erster Linie Strafjustiz-, Einbürgerungs- und Migrationsbehörden sowie Strassenverkehrsämter. Alle anderen, also auch Privatpersonen wie Vermieter Mietwohnungen Rechte und Pflichten der Mieter oder Arbeit­geber, haben kein Einsichtsrecht. Vielmehr müssen sie Betroffene auffordern, ihnen einen «Strafregisterauszug für Privatpersonen» zu besorgen. Dieser ist weniger detailliert als jener für Behörden; Übertretungen etwa werden nur eingetragen, falls zudem ein Tätigkeitsverbot oder ein Kontakt- und Rayonverbot verhängt wurde. Daten über hängige Strafverfahren erscheinen nicht im Privatauszug.

5. Wofür wird ein Strafregisterauszug überhaupt benötigt?

Zum Beispiel bei Bewerbungen um gewisse Stellen, zum Erlangen eines Waffenscheines oder bei Einbürgerungsgesuchen.

6. Wie komme ich zu meinem eigenen Strafregisterauszug?

Man kann den Auszug grundsätzlich nur für sich selber verlangen – gegen 20 Franken, Ausweiskopie und Unterschrift. Bestellungen sind am Postschalter oder auf der Website des Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartements möglich.

7. Wie lange bleibt ein Eintrag im Strafregister?

Das hängt von der Strafdauer ab. 20 Jahre bleibt der Eintrag bei einer Freiheitsstrafe von mehr als fünf Jahren, 15 Jahre bei einer solchen zwischen einem und fünf Jahren. Bei Freiheitsstrafen unter einem Jahr bleibt er zehn Jahre bestehen; ebenso bei Urteilen, die eine bedingte Freiheitsstrafe, eine Geldstrafe, Busse oder gemeinnützige Arbeit als Hauptstrafe enthalten.

Beim Strafregisterauszug für Private werden die Einträge schon früher gelöscht – nach Ablauf von zwei Dritteln der massgebenden Strafdauer. Ebenso ein Urteil, das eine bedingte oder teilbedingte Strafe enthält – wenn der Verurteilte Vater im Gefängnis Wenn Papa hinter Gittern sitzt sich bis zum Ablauf der Probezeit bewährt hat.

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8. Können auch Minderjährige einen Eintrag im Strafregister bekommen?

Ja. Eingetragen werden Verurteilungen zu Freiheitsentzug, Unterbringung in eine geschlossene Einrichtung, ambulante Behandlung oder falls ein Tätigkeitsverbot oder ein Kontakt- und Rayonverbot verhängt wurde. Bemerkenswerterweise spielt hier das Strafmass keine Rolle. Eingetragen wird schon eine Verurteilung zu einem Tag bedingtem Freiheitsentzug mit Vollzug. In den Auszügen für Private wird das aber nur sichtbar, wenn Verurteilte als Erwachsene zusätzliche Einträge erhalten. Bei einem Auszug etwa für die Staatsanwaltschaft aber ist das Delikt nach wie vor ersichtlich.

9. Gibts für zu schnelles Fahren oder Fahren in angetrunkenem Zustand einen Eintrag im Strafregister?

Im Strafregister sind nur schwere Strassenverkehrsdelikte ersichtlich. Zum Beispiel Geschwindigkeitsüberschreitungen ab 25 Kilometer pro Stunde innerorts, 30 ausserorts und 35 auf der Autobahn. Auch Fahren in angetrunkenem Zustand mit 0,8 Promille und darüber zählt dazu.

10. Dürfen Arbeitgeber einen Strafregisterauszug verlangen?

Das kommt auf die Art der Stelle an. Bei einer Bewerbung als Gärtner oder Journalist ginge das zu weit Vorstellungsgespräch Heikle Fragen . Anders sieht es wohl aus, wenn es um eine Kaderfunktion oder um einen Job im Sicherheits­bereich geht.

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Tina Berg, Redaktorin

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