Die Kurzmitteilung der Firma aus dem zürcherischen Volketswil klingt vielversprechend: «Sportler, Lungenkranke und Schnarcher können im wahrsten Sinn des Wortes aufatmen: Dank Spitzenforschung erhalten sie alle neue Perspektiven.» Verantwortlich für diese «neuen Perspektiven» ist ein Gerät namens «SpiroTiger», mit dem sich die Atmungs- respektive Zwerchfellmuskulatur gezielt trainieren lässt.

Entwickelt wurde das kleine Gerät von Urs Boutellier, Professor für Sportphysiologie an der ETH und der Uni Zürich. Die eigentliche Innovation liegt in seiner hartnäckigen Überzeugung, dass die Atmungsmuskulatur von gesunden Menschen überhaupt trainierbar ist: «Damit haben wir ein Dogma geknackt.» Nach gängiger Lehrmeinung verfügt eine gesunde Lunge im Gegensatz zu Herz, Kreislaufsystem und Skelettmuskulatur über genügend Reserven, um die Leistungsfähigkeit bei gesunden Menschen nicht einzuschränken. Ein Training der Atmungsmuskeln ist demnach nicht nötig.

Neuer Schnauf für Lungenkranke

Doch Boutelliers Studien mit unsportlichen Personen zeigten anderes: «Nach einem vierwöchigen gezielten Training der Atmungsmuskulatur hatten die Versuchspersonen die Testdauer auf dem Fahrrad-Ergometer von 26 auf 40 Minuten verlängert.» Die Probanden mussten ihre Atmungsmuskeln jeden Werktag eine halbe Stunde lang intensiv belasten.

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Als Sportphysiologe hatte Boutellier vor allem die Atmungsmuskeln von gesunden Menschen im Auge: ambitionierte Hobbysportler zum Beispiel, die beim herkömmlichen Konditionstraining nicht ans Limit gehen möchten oder können. Doch auch Nichtsportlern wie Sängern oder Blasmusikern, die auf einen starken Atem angewiesen sind, bringt das Training etwas. Und vor allem Menschen, deren Atmung krankheitsbedingt eingeschränkt ist: Bei Lungenpatienten beispielsweise ist das Training der Atmungsmuskulatur seit geraumer Zeit etabliert nur brauchte es bislang komplizierte Apparaturen. Auch Herzinfarktpatienten in der Rehabilitation sind mögliche Anwender dieser Technik. ¬

Mit dem Gerät, das Boutellier mit zwei Kollegen aus den USA patentieren liess, können die Atmungsmuskeln zu Hause trainiert werden. Der «SpiroTiger» sei so konstruiert, dass dabei kein Schwindelgefühl entstehe. «Aber», sagt Boutellier, «für den Erfolg ist ein intensives Training nötig. Wer aufhört, hat die gewonnene Atmungskondition gleich wie beim Ausdauertraining rasch wieder verloren.»

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Thomas Scherer, Lungenspezialist an der Zürcher Klinik Hirslanden, testete das Gerät bei Patienten mit chronischer Bronchitis: «Die Atemnot nahm ab und die Leistungsfähigkeit zu, was zu einer Steigerung der Lebensqualität führte.» Lungenkranke hätten in aller Regel eine schwache Kondition, die sich durch körperliches Training nur langsam verbessern lasse.

Positive Erfahrungen sammeln konnte auch Werner Bauer, Chefarzt der Pneumologischen Abteilung des Berner Lindenhofspitals: Er testete das Gerät bei Schnarchern wozu jeder zweite Mann über 50 gehört. Bei ihnen wird die Muskulatur im Rachen mit zunehmender Schlaftiefe und steigendem Alter schlaffer; das gezielte Training der Atmungsmuskulatur (wozu auch die Rachenmuskeln gehören) könnte vielen helfen. Von einem Durchbruch in der Schnarchtherapie will Bauer aber noch nicht sprechen: «Es gibt bislang nur diese eine Studie. Das ist zu wenig, um das Gerät breit empfehlen zu können.»

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Auch Boutellier weiss, dass noch unabhängige Langzeitstudien nötig sind, bis sein Gerät die wissenschaftliche Anerkennung schafft: «Im Moment klingt das Wirkprinzip für Laien einleuchtender als für Spezialisten.» Um diese zu überzeugen, reicht es nicht, zu beweisen, dass die Atmungsmuskulatur entgegen der Lehrmeinung ermüden kann und trainierbar ist; es braucht zusätzlich Antworten zum «Warum».

Und dann sind da noch finanzielle Hindernisse: Der «SpiroTiger», den die Firma Idiag in diesen Tagen auf den Markt bringt, kostet stolze 1484 Franken.