Alle Jahre wieder: Ende September wird der Anstieg der Krankenkassenprämien bekanntgegeben, und sogleich geht ein Aufschrei durch Medien, Bevölkerung und Politik. Was ich bestens verstehen kann, denn die Prämien belasten das Haushaltsbudget zunehmend. Leider hat der Kostenanstieg im Gesundheitswesen aber auch Folgen, die vielen verborgen bleiben. Er befeuert Gegenmassnahmen, die nicht nur kontraproduktiv sind, sondern auch zu einer schleichenden Zweckentfremdung der Medizin führen: weg von einer ganzheitlichen, menschlichen, verantwortungsvollen Behandlung hin zu einer technokratischen, standardisierten und gewinnorientierten Medizin.

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Wieso die Kosten ständig steigen

Viele Gründe für den Anstieg der Gesundheitskosten liegen ausserhalb des eigentlichen Gesundheitswesens. Die jährlichen Pro-Kopf-Gesundheitskosten von über 80-Jährigen sind siebenmal höher als jene von 20- bis 65-Jährigen – logisch also, dass die Überalterung der Bevölkerung die Gesundheitskosten steigen lässt. Medizinische Innovation führt zu immer mehr Behandlungsmöglichkeiten und damit zu einer Mengenausweitung. Da sich die menschliche Arbeit in der Medizin (fürsorgliche Pflege, ärztliches Gespräch) zumindest bisher (zum Glück!) nicht automatisieren lässt, kann durch technische Innovation im Gesundheitswesen kaum Arbeit eingespart werden. Dies steht im Gegensatz zu anderen Wirtschaftsbereichen, wo Innovation zu Effizienzgewinn führt und den Angestellten höhere Löhne und kürzere Arbeitszeiten beschert.