Das Problem:

Seit Jahren habe ich Kurzschlussgedanken; ich habe auch schon vier Kurzschlüsse hinter mir. Bin ich depressiv oder ein Borderliner? Obwohl ich mit einer Therapie begonnen habe, stelle ich mir immer wieder diese eine Frage.

Veronika H.

Koni Rohner, Psychologe FSP:

Ich nehme an, dass Sie mit Kurzschlüssen Selbsttötungsversuche meinen, und bin froh, dass Sie diese viermal überlebt haben. Ich habe in meiner Ausbildung natürlich gelernt, Diagnosen zu stellen, bräuchte dazu aber mehr Informationen, als Sie liefern. Ausserdem habe ich in meiner Tätigkeit als Psychotherapeut die Erfahrung gemacht, dass Diagnosen weder mir noch meinen Klienten sehr viel helfen. Es besteht eher die Gefahr, dass eine Etikettierung entmutigend wirkt und die Kreativität des Therapieprozesses einengt.

Wozu brauchen Sie eine Fachbezeichnung Ihres Leidens? Ist Ihnen selber rätselhaft, wieso Sie Ihrem Leben schon mehrere Male ein Ende setzen wollten? Wahrscheinlich liegen hier die Kernfragen: Woran leiden Sie? Was hat Sie in Ihrem Leben verletzt? Wer sind Sie? Wenn Sie mit therapeutischer Hilfe auf diesem Weg sich selbst näher kommen und damit gesund werden können, spielt es keine Rolle, ob Sie Borderliner (Bezeichnung für einen Grenzzustand zwischen Neurose und Psychose) oder depressiv waren.

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