Qigong, Tai-Chi, Polarity, Hakomi oder Chakra? Wer seinem Unwohlsein ein Ende bereiten will, hat es alles andere als einfach. In der Schweiz bieten neben Tausenden von Schulmedizinern rund 20000 Heiler gut 300 verschiedene Heilmethoden an Tendenz steigend. Wer Genesung sucht, läuft Gefahr, sich im kaum durchschaubaren Sammelsurium von Heilmethoden und Therapierenden zu verirren. Seriöses ist nur schwer von Unseriösem zu unterscheiden.

Hier setzen die Dienstleistungen von Therapieberatungspersonen an. Sie legen nicht selber Hand an, sondern helfen den Ratsuchenden, den geeigneten Weg zu finden. «Die professionelle Hilfestellung soll dem Patienten Kosten, Zeit und schlechte Erfahrungen ersparen», betont Lotte Arnold-Graf. Sie ist Rektorin der Zürcher Privatschule Juventus, die seit fünf Jahren eine Ausbildung zur Therapieberaterin respektive zum Therapieberater für ganzheitliche Gesundheitsförderung anbietet. Inzwischen haben insgesamt 97 Frauen und ein Mann das Diplom erworben.

Die Marktnische entdeckt hat Loretta Gloor (Bild). Sie selbst wäre froh gewesen, jemand hätte sie beraten, als sie 1988 einen Bandscheibenvorfall erlitt und auf der Suche nach einem Heilpraktiker von Pontius zu Pilatus rannte. Ein Chiropraktiker und ein Akupunkteur haben die gelernte Kosmetikerin schliesslich von ihren Schmerzen befreit. Darauf kam ihr die Idee mit dem Lehrgang. Heute hat sie eine eigene Beratungspraxis in Zürich. Pro Woche macht sie eine bis zwei Beratungen «leben kann man von diesem Beruf noch nicht».

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Der 47-jährige Bankangestellte, der sie vor kurzem aufsuchte, litt an Migräne und Rückenschmerzen. «Im Zentrum der Beratung steht ein ausführliches Gespräch über körperliche und psychische Beschwerden, über Arbeitsplatz und soziales Umfeld», erklärt Loretta Gloor. Dieses dauert in der Regel eine bis zwei Stunden. Körperlich untersucht wird der Ratsuchende nicht. Dem Bankangestellten riet Loretta Gloor zu einer Massage sowie einer Farb- oder Polaritytherapie; zudem gab sie ihm die Adressen von drei Therapeuten. Kosten für die Beratung: 150 Franken pro Stunde.

Die empfohlenen Therapeutinnen und Therapeuten kennt Loretta Gloor alle persönlich. Sie führt eine Liste mit rund 30 Namen, vom Schulmediziner bis zur Rückführungstherapeutin. «Für die Seriosität der Therapeuten kann ich bürgen.»

Gerade diese persönliche Empfehlung ist laut Hans Mion, Arzt und Präsident des Fachverbands Therapieberatung, der grosse Vorteil. «Die Berater empfehlen keine Therapeuten, die sie nicht selber kennen.» Qualitätskriterien müssen die Therapeuten allerdings nicht erfüllen. Die Berater verlassen sich bei der Zusammenstellung der Therapeutenliste ganz auf ihr eigenes Gefühl. «Für mich ist es wichtig, dass ich die Therapie nachvollziehen kann und dass die Chemie zwischen Patient und Therapeut stimmt», sagt Loretta Gloor.

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Vorwiegend Vermittlerfunktion

Auch Urs Gruber, Heilpraktiker und Autor des neuen Beobachter-Ratgebers «Naturheilkunde», ist überzeugt, dass den Patientinnen und Patienten bei der Suche nach der geeigneten Therapie und einem Therapeuten geholfen werden muss. Er zweifelt allerdings daran, dass die Berater tatsächlich in einer oder zwei Stunden herausfinden können, was den Ratsuchenden fehlt. Den Titel «Therapieberater» erachtet Gruber als heikel, im Vordergrund stehe vielmehr die Vermittlung von Therapierenden.

Juventus-Rektorin Lotte Arnold-Graf ist sich dessen bewusst, verweist aber darauf, «dass die zweijährige Ausbildung neben Beratungs- und Sozialkompetenz auch viel Fachwissen zu Therapien vermittelt». Zudem hätten sich in einer Umfrage, die die Schule kürzlich in Auftrag gegeben habe, gut die Hälfte der angesprochenen Ärzte und Apotheker für die Zusammenarbeit mit einem Therapieberater interessiert.

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Vor dem Beginn einer Therapie lohnt es sich in jedem Fall, mit der Krankenkasse genau abzuklären, welche Kosten sie übernimmt. Die obligatorische Grundversicherung zahlt nämlich nur für anthroposophische und traditionelle chinesische Medizin, Akupunktur, Homöopathie, Neuraltherapie und Phytotherapie, sofern diese von einem eidgenössisch diplomierten Arzt mit Fähigkeitsausweis der FMH durchgeführt werden. Die fortlaufend aktualisierte Liste der berechtigten Ärztinnen und Ärzte finden Sie unter domino-fmh.hin.ch.

Zahlt die Grundversicherung nicht, bieten die meisten Krankenkassen freiwillige Zusatzversicherungen an, die Beiträge an komplementärmedizinische Behandlungen leisten. Eine wichtige Bedingung dabei ist allerdings: Die Versicherung muss rechtzeitig vor Behandlungsbeginn abgeschlossen worden sein.

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Was und wie viel bezahlt wird, ist von Kasse zu Kasse verschieden. Man sollte sich deshalb genau nach dem Leistungsumfang und den anerkannten Therapeutinnen und Therapeuten erkundigen. Am besten legt man den vorgesehenen Behandlungsplan vor und verlangt dafür eine schriftliche Kostengutsprache. Auch die Frage, ob die Krankenkasse die Kosten einer Therapieberatung übernimmt, sollte man stellen.

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