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BlasenentzündungDie Mär von den sieben Unterhosen

Jede dritte Frau erkrankt irgendwann im Leben an einer Blasenentzündung. «Zieh dich doch warm an», meint der Volksmund dazu. Doch das bringt überhaupt nichts.

von aktualisiert am 29. November 2018

An jene Nacht erinnert sich Melanie B. noch ganz genau: Kurz nach dem Abendessen spürte sie Schmerzen beim Wasserlassen. Sie reagierte sofort, trank literweise Wasser – wenig später waren die Beschwerden abgeklungen. «Doch als ich mich gegen Mitternacht ins Bett legen wollte, war an Schlaf nicht zu denken. Alle paar Minuten musste ich auf die Toilette. Mein ganzer Unterleib schien zu brennen, und ich hatte starke Krämpfe.»

Sie rief den Notarzt. «Er diagnostizierte eine Blasenentzündung. Das komme eben davon, wenn junge Frauen so knappe Kleider trügen, sagte er.» Melanie B. hatte gehört, dass oft auch Sex der Grund für Blasenentzündungen sei. «Der Arzt sagte, das sei Schwachsinn.»

Dass dies eine fachliche, wie auch menschliche unglückliche Antwort war, wird schnell klar. Denn Geschlechtsverkehr ist eine der häufigsten Ursachen für Blasenentzündungen. Deshalb sprach man früher auch oft von der Flitterwochenkrankheit. Dagegen ist die Volksmeinung, dass zu kurze oder zu dünne Kleidung eine Blasenentzündung verursache, ein Ammenmärchen - auch sieben Unterhosen helfen gar nichts.

Oft hilft es, viel Wasser zu trinken

Frauen bekommen achtmal häufiger eine Blasenentzündung als Männer. Schätzungen zufolge erkrankt jede dritte Frau mindestens einmal in ihrem Leben an einer Infektion der Harnwege. Das liegt hauptsächlich an der bei Frauen kurzen Harnröhre und daran, dass diese so nah beim After liegt. In den meisten Fällen wird eine Blasenentzündung durch Escherichia-coli-Bakterien verursacht, die im Enddarm heimisch sind. Durch falsche Intimpflege, Geschlechtsverkehr oder das Einführen von Tampons können diese Bakterien in die Harnröhre gelangen und dort eine Infektion verursachen.

Eine Blasenentzündung kündigt sich meist durch Brennen beim Wasserlassen an, und auch häufiger Harndrang kann ein Zeichen sein. Aber nicht jedes Jucken und Brennen macht den Gang zum Arzt erforderlich: Sind die Symptome nur schwach, hilft es oft, die Füsse warm zu halten und viel Wasser oder ungesüssten Tee zu trinken. Bleiben die Beschwerden jedoch länger als 24 Stunden bestehen, sollte der Arzt aufgesucht werden.

Kommt noch Fieber hinzu, sind wahrscheinlich auch die Nieren betroffen. Auch am Urin lässt sich erkennen, ob Handlungsbedarf besteht: Ist er trüb und übel riechend oder weist er sogar Blutspuren auf, sollte man sich nicht auf seine Selbstheilungskräfte verlassen.

Stellt der Arzt eine Blasenentzündung fest, sind Antibiotika nicht zu vermeiden. Allerdings sind Kuren von einer Woche und mehr, wie sie früher üblich waren, heute meistens nicht mehr nötig. Eine erstmals auftretende Blasenentzündung lässt sich mit einer Einmaldosis oder einer Therapie über drei Tage behandeln. Längere Kuren werden nur bei Patientinnen angewendet, bei denen wiederholt Infektionen auftreten. In solchen Fällen ist eine gründliche urologische Abklärung unbedingt nötig.

Tritt eine Blasenentzündung immer wieder auf, liegt der Grund oft beim Partner, denn viele Männer leiden an bakteriellen Prostata-Samenblasenentzündungen. Diese Entzündung ist nicht schmerzhaft und bleibt daher oft unbemerkt; bei der Partnerin hingegen können sich die Bakterien durch Geschlechtsverkehr einnisten und wiederkehrende Infektionen der Harnwege hervorrufen. Eine gleichzeitige Behandlung beider Partner ist in einem solchen Fall unerlässlich.

Nach dem Sex sofort auf die Toilette

Melanie B. hatte Glück. Zwar erwies sich ihre Infektion als aussergewöhnlich hartnäckig und musste zwei Wochen lang mit Antibiotika behandelt werden, aber seither hat sie keine Blasenentzündung mehr gehabt. Sie halte sich inzwischen an einige Grundregeln und entleere nach dem Sex sofort ihre Blase.

So beugen Sie einer Blasenentzündung vor

  • Trinken, trinken, trinken: Mindestens anderthalb bis zwei Liter Wasser pro Tag sind ein Muss.

  • Auf der Toilette immer von vorn nach hinten – also von der Harnröhre weg – wischen, um eine Ausbreitung von Bakterien zu verhindern.
  • Übertriebene Intimpflege ist fehl am Platz. Vaginalduschen, Intimsprays und Lotionen zerstören die körpereigenen Schutzbakterien und begünstigen eine Infektion.
  • Nach dem Geschlechtsverkehr sollte die Blase vollständig entleert werden. So können Bakterien ausgeschwemmt werden, die in die Harnwege eingedrungen sind.

Hilfe aus der Natur

  • Preiselbeersaft enthält Tannine, die das Ankleben der Bakterien an den Wänden von Blase und Harnwegen verhindern. Zur Vorbeugung sollten täglich drei Deziliter getrunken werden. Auch wenn die Infektion bereits ausgebrochen ist, kann Preiselbeersaft die Heilung unterstützen.
  • In Apotheken und Drogerien gibts spezielle Blasentees: Schachtelhalmkraut, Birkenblätter und Goldrutenkraut haben eine harntreibende Wirkung, Bärentraubenblätter säuern den Harn an und wirken antibakteriell. Dazu viel Wasser trinken.

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