Man kennt ihn vor allem als alten Mann. Weisser, wallender Bart, bekümmerte Augen. Das ist die Ikone Charles Robert Darwin, der dieses Jahr doppelt gefeiert wird. Am 12. Februar jährt sich zum 200. Mal der Tag, an dem Charles Robert in Shrewsbury das Licht einer Welt erblickte, die er grundlegend neu deuten sollte. 50 Jahre später – das feiern wir im kommenden November – hatte Darwin sein Werk «On the Origin of Species» veröffentlicht, in der etwa am Beispiel der Brieftauben geduldig dargelegt wird, wie sich der artenreiche Baum des Lebens in kleinen Schritten, aber über unvorstellbar grosse Zeiträume, in seiner Vielfalt entwickeln konnte. Der Mensch war nicht mehr die Krone dieses Baums, sondern nur ein Ast unter vielen. Eine schwere Kränkung.

Flucht ins Abenteuer: Per Schiff weit weg von der Kanzel
Doch davon soll hier nicht weiter die Rede sein. Sondern von der glücklichen Fügung, dass es Darwin und kein anderer, Langweiligerer war. Gut, der Sohn eines reichen Arztes und einer Tochter aus der Wedgwood-Dynastie musste nie für seinen Unterhalt arbeiten. Gerade das aber kam einer Biographie zugute, die kaum reicher sein könnte. Als geborenen Naturforscher sah er sich selbst, auch wenn er nach einem abgebrochenen Medizinstudium in Edinburgh («Ich kann kein Blut sehen») sich auf Wunsch des Vaters in Cambridge noch zum anglikanischen Kleriker ausgebildet hatte. Doch die Kanzel blieb ihm erspart. Denn da war unverhofft die legendäre Einladung auf die «HMS Beagle» gekommen. Als 22-jähriger Gesprächspartner und unbesoldeter Begleiter des gebildeten, 26-jährigen Kapitäns Robert Fitzroy durfte er auf lange Vermessungstour fahren.

Wedgwood II.: Dank der gütigen Hilfe des Porzellanonkels auf Weltreise
Wer noch das Vergnügen hat, aus einer Wedgwood-Tasse Tee zu trinken, darf das mit besonderem Wohlgefallen tun. Denn es war Onkel (und späterer Schwiegervater) Josiah Wedgwood II., der den Vater Darwins überzeugte, der Expedition zuzustimmen. Auf der Beagle-Fahrt nach Feuerland sammelte und beschrieb Darwin, was ihm vor die Augen kam, ritt Hunderte von Meilen durchs Land, schickte Kisten mit Fundstücken nach Hause. Der Vater zahlte zufrieden.

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Beträchtliche Summen. Doch ein langer Sonntag war die Reise nicht. Auf dem engen Schiff litt der forschende Passagier meist unter Seekrankheit. Schon vor dem Ablegen hatte ihn Herzrasen geplagt. Er verschwiegs, um nichts zu gefährden.

In Chile erkrankte er an schwerem Fieber. Umso triumphaler die Heimkehr, als das Acht-Kanonen-Boot nach mehr als fünf Jahren wieder in England anlegte. Darwin hatte sich bald als Naturforscher eta-bliert. Neben dem Ursprung der Arten beschäftigten ihn fortan die Entstehung von Korallenriffen, das Reich der Raufusskrebse, Blütenformen, domestizierte Pflanzen, die Abstammung des Menschen, die Emotionen von Mensch und Tier, insektenfressende Pflanzen und das wundersame Wirken des Regenwurms.

Rebellierender Körper: Was sich hinter dem Rauschebart verbarg
Doch unter welchen Bedingungen! Kaum hatte er sich mit seiner geliebten Cousine Emma verheiratet und war das erste Kind geboren, begann Darwins Körper zu rebellieren. Den Rest seines Lebens kämpfte der Naturverliebte mit langen Phasen von Schwindel, Herzrasen, Brechanfällen, Verdauungsstörungen und Blähungen. Ekzeme plagten ihn. Sie waren der Grund, warum er sich einen Vollbart hatte wachsen lassen. 20 Ärzte sollen sich an ihm versucht haben, nur Wasserkuren halfen etwas. Bis heute gibt es 21 medizinische und zehn psychosomatische Diagnosen, die erklären wollen, was hinter dem Leiden gesteckt haben könnte. Von Hypochondrie über psychische Folgen eines frühen Verlusts der Mutter (mit acht Jahren) bis zum Paniksyndrom, von der Chagas-Krankheit bis zur Milchzucker-Intoleranz. Wie auch immer, Darwin hat es dennoch geschafft, ein riesiges, sorgfältig recherchiertes Werk zu veröffentlichen, mit 2000 Briefpartnern zu korrespondieren und ein glückliches Familienleben zu führen. Gegen die Natur, wo die Fittesten gewinnen. Hut ab zum 200. Geburtstag, Mr. Darwin.

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Darwins Gesamtwerk ist digital abrufbar unter www.darwin-online.org.uk