An Krebs habe sie nie gedacht, sagt Sabine Geiger aus Rapperswil-Jona SG. «Ich hatte immer wieder Hämorrhoiden. Deshalb war etwas Blut im Stuhl keine Seltenheit», erklärt sie. «Als ich jedoch beim Stuhlgang plötzlich ein anderes Gefühl als sonst hatte, entschied ich mich, einen Spezialisten aufzusuchen.» Eine Darmspiegelung brachte dann die schlimme Diagnose: Ein Tumor in fortgeschrittenem Stadium versperrte den Darmausgang.

Es folgte eine harte Zeit: Die 40-jährige Mutter von drei Kindern musste sich im Sommer 2006 einer zweiwöchigen Chemotherapie und anschliessend einer fünfwöchigen Bestrahlungstherapie unterziehen. Nach dieser Vorbehandlung erfolgten im Herbst 2006 zwei Operationen. Im Zürcher Triemlispital entfernten Chirurgen das befallene Stück Mastdarm mit dem Tumor. «Mein Mann, meine Mutter, aber auch die Familie und Freunde unterstützen mich, wo sie können. Die zweite Chemotherapie dauert noch bis Ende März.»

Rund 4'100 Neuerkrankungen pro Jahr

Metastasen hatten sich bei Sabine Geiger glücklicherweise nur an einzelnen Lymphdrüsen gebildet, die entfernt wurden. «Bei mehr als der Hälfte der Patienten sind bereits solche oder weitere Metastasen in der Leber oder Lunge vorhanden, wenn sie zu uns kommen», sagt Sabine Geigers behandelnder Arzt, Urs Metzger, Chefarzt der Chirurgischen Klinik des Zürcher Triemlispitals. «Diese Patienten hatten über Jahre Blut im Stuhl, ohne dies zu merken oder ernst zu nehmen», erklärt Metzger. Je früher man den meist langsam wachsenden Darmkrebs entdecke, desto besser seien die Heilungschancen.
Darmkrebs entsteht schleichend und ohne Schmerzen. Es dauert meist rund zehn Jahre, bis sich aus einer harmlosen Wucherung ein bösartiger Tumor entwickelt. Das Risiko, an Darmkrebs zu erkranken, nimmt ab 50 Jahren zu und ist erhöht, wenn man Eltern oder Geschwister mit Darmkrebs hat (siehe Nebenartikel «Das sollten Sie wissen»). Bei Sabine Geiger ist der Darmkrebs nicht vererbt. «Bei ihr hat eine Genmutation zum Krebs geführt. Das ist nur bei 10 bis 15 Prozent der Patienten der Fall», sagt Chefchirurg Urs Metzger.

Pro Jahr bekommen in der Schweiz rund 4'100 Menschen Darmkrebs, 1'600 sterben jährlich daran. Am häufigsten tritt der Krebs im Alter zwischen 70 und 80 Jahren auf - als 40-Jährige zählt Sabine Geiger zu den jungen Betroffenen.

Die Schweizerische Krebsliga setzt bei ihrer diesjährigen Kampagne «Darmkrebs nie?» auf «individuelle Empfehlungen, die sich am persönlichen Risiko orientieren», sagt Darmkrebs-Programmleiterin Ursula Zybach. Dazu habe man einen Fragebogen entwickelt. Er hilft Interessierten, ihr Risiko einzuschätzen. Lässt die Auswertung auf ein erhöhtes Risiko schliessen, sollte man den Hausarzt aufsuchen. Kommt dieser zum Schluss, dass Abklärungsuntersuchungen nötig sind, zahlt die Krankenkasse. Die Kosten für eine reine Darmkrebs-Vorsorgeuntersuchung hingegen übernimmt sie nur bei Risikopatienten.

Quelle: Christine Bärlocher
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