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Grauer StarOperation kann ins Auge gehen

Oft sind Patienten mit dem Ergebnis ihrer Augenoperation nicht zufrieden. Sie werden zu wenig aufgeklärt, kritisieren Patientenschützer.

Grauer Star: Eine Operation soll die verschwommene Sicht wieder klar machen.
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aktualisiert am 11. April 2019

Susana Born freute sich auf die Zeit nach der Operation. Der graue Star hatte ihre Augen getrübt. Konturen sah sie bloss noch verschwommen, alle Farben schienen matt, abends blendeten die Lampen. Das alles würde besser werden. Und das Beste: Um in die Ferne zu sehen, werde sie keine Brille mehr brauchen.

Im Juni wurde Susana Born in einer Zürcher Augenklinik operiert Auge So blicken Sie durch . Jetzt braucht sie zwei Brillen: eine für die Ferne und eine Lesebrille. «Ich habe mich extra für eine teure Speziallinse entschieden, obwohl ich 1390 Franken aus dem eigenen Sack bezahlen musste. Die Linse werde die Fehlsichtigkeit korrigieren, versprach mir die Ärztin», sagt Born. Besonders stossend: Die Sehstärke beider Augen unterscheidet sich jetzt stark, mit einer günstigen Standard-Lesebrille lässt sich das nicht korrigieren.

Operation garantiert kein brillenfreies Leben

Bei der Schweizerischen Stiftung SPO Patientenschutz nehmen die Beschwerden von Patienten stark zu, die mit dem Ergebnis der Operation des grauen Stars Katarakt Fragwürdige Abrechnungen für «Grauer Star»-Patienten nicht zufrieden sind. «Viele Augenärzte wecken völlig falsche Hoffnungen. Sie erklären zu wenig, was es heisst, wenn der Zielwert nicht erreicht wird», sagt SPO-Expertin Christina Strässle.

Am meisten stört sie, wenn den Patienten ein brillenfreies Leben versprochen wird, um ihnen teure Speziallinsen Grauer Star Wie sich Augenärzte durch die Operation bereichern aufzuschwatzen: «Jeder Eingriff ist mit einem Risiko behaftet. Bei der Operation kann die Position der Linse nach dem Eingriff nur geschätzt werden. Eine Abweichung um einen Millimeter bedeutet eine Verschiebung um 1,5 Dioptrien», sagt Strässle. Eine solche Abweichung kann auch entstehen, wenn die Gewebestruktur im Auge zu schwach ist.

Teures Laserverfahren bringt keinen Vorteil

Viele Augenkliniken bieten neben der traditionellen Operationsmethode auch ein Laserverfahren an, bei dem die Linse mit dem Laser zerlegt und anschliessend abgesaugt wird. Pro Auge kostet die Methode rund 2000 Franken, die Grundversicherung beteiligt sich nicht. Bezahlen müssen das die Patienten selber. 

«Beim grauen Star bringt der Laser in 99 von 100 Fällen keinen Vorteil.»

Daniel Bruun, Leiter Augenlaser Centrum St. Gallen

 

Viele Augenärzte behaupten, die Lasermethode sei schonender, die Wunde heile deshalb schneller. «Das ist Quatsch», sagt Daniel Bruun, Leiter des Augenlaser Centrums St. Gallen. Das Zentrum ist spezialisiert auf die Behebung der klassischen Fehlsichtigkeit mittels Laser. «Beim grauen Star bringt der Laser in 99 von 100 Fällen keinen Vorteil.»

Eine aktuelle Vergleichsstudie der Cochrane-Stiftung gibt ihm recht. Die Forscher analysierten die Ergebnisse von 16 Studien und kamen zum Schluss, dass es momentan keinen Beweis für die Überlegenheit der Lasermethode gebe. Die Cochrane-Stiftung ist ein weltweites Netz von Wissenschaftlern und Ärzten. Ihre oberste Prämisse ist der Verzicht auf finanzielle Förderung durch die pharmazeutische oder die medizinische Industrie. Ihre Ergebnisse gelten als besonders glaubwürdig.

Das Alter trübt die Linse

Die Bezeichnung grauer Star rührt daher, dass die Pupille bei sehr fortgeschrittener Linsentrübung grau aussieht und Sehbehinderte oft einen starren Blick haben. Betroffene sehen zunehmend unscharf und verschwommen. Die Augenkrankheit ist meist eine Folge des Alterns.
Wie grauer Star entsteht.
Das Licht wird durch die trübe Linse gestreut und abgeblockt. So können keine scharfen Bilder entstehen.
Quelle: Infografik: Anne Seeger, Andrea Klaiber

Die Operation

Die Operation des grauen Stars Grauer Star Was zahlt die Krankenkasse? ist schweizweit einer der häufigsten Eingriffe und wird über 100'000-mal pro Jahr durchgeführt. Bei der Standard-OP wird die trübe Linse grösstenteils entfernt, nur die hintere Kapselwand bleibt bestehen. Stattdessen wird eine künstliche Linse eingesetzt.

Bei der Katarakt-Operation wird eine künstliche Linse ins Auge eingepflanzt.
Quelle: Infografik: Anne Seeger, Andrea Klaiber

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Chantal Hebeisen, Redaktorin

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