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GrippevirusGeduld ist die beste Medizin

Geduld ist die beste Medizin
Das triefende Elend: Auch eine starke Erkältung kann einen flach legen. Bild: Getty Images

Im Winter haben sie immer wieder Konjunktur Grippe und Erkältungen. Was man über sie wissen sollte.

von Vera Sohmeraktualisiert am 2017 M10 11

Was tun, wenn man die Grippe hat?

Zeigen Sie soziale Verantwortung! Sprich: Bleiben Sie zu Hause, bis sich die Beschwerden gebessert haben. Das gilt für Erwachsene wie für Kinder und verhindert weitere Übertragungen. Die Ansteckungs­gefahr geht parallel mit den Symptomen zurück. Mittel gegen Symptome machen die Krankheit erträglicher. Aber: Fiebersenkende Medikamente nur zurückhaltend einsetzen. Das Fieber hilft bei der Genesung: Der Körper erhöht die Temperatur, um Abwehrprozesse des Immunsystems zu aktivieren. Also das Bett hüten, für Wärme sorgen, sich Ruhe gönnen.

Bei einer unkomplizierten Grippe kann die Heilung bis zu zwei Wochen dauern. Ärzt­licher Rat ist angezeigt, wenn Krankheiten an Herz oder Lunge vorliegen, Diabetes oder massives Übergewicht. Dann kann die Grippe einen schweren Verlauf nehmen.

Antivirale Medikamente wie Tamiflu oder Relenza können die Grippe im besten Fall um einen Tag verkürzen – aber nur, wenn sie bis zwölf Stunden nach der Ansteckung eingenommen werden.

Lässt sich eine Erkältung verhindern?

Gegen Erkältungen gibt es – anders als bei der Grippe – keine Impfung und auch sonst keine zuverlässigen Schutzmassnahmen. Aber man kann immerhin das Ansteckungsrisiko verringern: Man sollte häufig die Hände waschen – und zwar mit Wasser und Seife –, das verringert die Übertragungswahrscheinlichkeit von Erkältungs- wie auch Grippeviren.

Auch ist es kein Fehler, wenn man sich ausgewogen ernährt und sich mit Sport fit hält. Einen gewissen Schutz bieten bei Erwachsenen möglicherweise Zinktabletten. Diese verursachen allerdings häufig Nebenwirkungen wie Übelkeit oder gestörtes Geschmacksempfinden. Vitamin C hat gemäss diversen wissenschaftlichen Vergleichsstudien keinen Nutzen.

Warum erkälten sich viele Menschen bevorzugt in der kalten Jahreszeit?

So genau weiss man das nicht. Sicher ist nur: Erkältungen – auch «Pfnüsel», Schnupfen, Katarrh oder grippaler Infekt genannt – sind Infektionskrankheiten, die durch Viren verursacht werden. Kälte scheint dabei die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung zu begünstigen. Die Schleimhäute der Atemwege sind im Winter trockener und somit anfälliger für Infektionen. Zudem ist das Infektionsrisiko im Winter wohl höher, weil man sich häufiger zusammen mit anderen in geschlossenen Räumen aufhalte.

Wie hilft man sich selbst?

Viel trinken, viel schlafen, sich Ruhe und Entspannung gönnen. Wer kein Fieber hat, gut gekleidet ist und sich warm fühlt, kann auch nach draussen an die frische Luft. Bei schwereren Erkältungen verzichtet man aber besser auf zu viel Indoor- wie Outdoor-Aktivität.

Ist eine Erkältung harmlos?

Sie ist zwar lästig, zumal sie bei Erwachsenen bis zu dreimal pro Jahr auftaucht. Aber: Erkältungen heilen in der Regel folgenlos und ohne spezifische Therapie ab. Problematischer sind Zweitinfektionen durch Bakterien, etwa Nasennebenhöhlenentzündungen. Hier ist ein Arztbesuch ratsam, wenn Fieber und grippeähnliche Symptome länger als sieben Tage anhalten.

Empfehlen sich Kombipräparate?

Mit einem einzigen Mittel alle Erkältungsbeschwerden quasi über Nacht bekämpfen – das versprechen Kombipräparate. Markus Fritz von der Schweizerischen Medikamenten-Informationsstelle rät aber ab: Sie enthalten in der Regel Wirkstoffe gegen Schnupfen, Husten, Schmerzen und Fieber. Doch diese Symptome treten meist nicht gleichzeitig auf. «Bei einem Kombipräparat schluckt man also Substanzen, die man gar nicht braucht», so Fritz. Sinnvoller sei, die einzelnen Symptome gezielt zu lindern. Der Berner Infektiologe Stefan Zimmerli rät bei Fieber und Schmerzen zu einem Paracetamol-Präparat. Abschwellende Nasensprays sollten nie länger als ein paar Tage angewendet werden. 

Wann muss man mit einer Erkältung zum Arzt?

Wenn sie länger als eine Woche anhält, der Verlauf ungewöhnlich oder besonders schwer ist, empfiehlt sich ein Arztbesuch. Falls Fieber und Gliederschmerzen auftreten, kommt es darauf an, wie gesund Betroffene sonst sind. Bei chronischer Lungenerkrankung etwa sollte man sich untersuchen lassen.

Was unterscheidet eine Erkältung von einer Grippe?

«Die Krankheitsbilder überlappen», sagt der Zürcher Infektiologe Markus Flepp. Eine exakte Unterscheidung sei nur durch den Nachweis von Viren aus dem Nasen-Rachen-Raum möglich. Auf folgende Anzeichen kann man aber achten: Bei einer Erkältung hat man leichte Halsschmerzen und Schluckbeschwerden. Hinzu kommen entzündete Nasenschleimhäute: Es brennt und kitzelt in der Nase, sie läuft, man muss häufig niesen. Weitere Hinweise sind erhöhte Temperatur, Druckgefühl auf den Augen und leichte Gliederschmerzen.

Bei einer saisonalen Grippe (Infektion mit Influenzaviren) handelt es sich dagegen um ein schweres Krankheitsbild. Man ist in der Regel bettlägerig, und die Krankheit ereilt einen schlagartig: Innert weniger Stunden kommt es unter anderem zu Husten, hohem Fieber, Muskelschmerzen, Müdigkeit und Appetitverlust.

Aufschluss gibt laut Flepp auch die epidemiologische Situation: Wenn Influenzaviren zirkulieren, haben vier von fünf Menschen, die über Fieber und Husten klagen, eine Grippe. Dann könne man auf den – teuren – Virusnachweis verzichten.

Wer soll sich gegen Grippe impfen lassen?

Die Impfung gilt als effektive Art der Vorbeugung, bietet aber keinen Totalschutz und wirkt bei älteren Menschen weniger. Immerhin sorgt sie oft für einen milderen Krankheitsverlauf. Empfohlen wird sie Leuten ab 65, Bewohnern von Alters- oder Pflegeheimen, Frauen ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel, Personen mit chronischen Herz- oder Lungenleiden, Diabetes oder geschwächtem Immunsystem. Zudem Ärzten oder Pflegepersonal. Influenzaviren ändern ständig ihre Struktur, daher sollte man sich jährlich aufs Neue impfen lassen.

Welche Medikamente können die Erkältung verkürzen?

Eine Erkältung ohne Behandlung dauert sieben Tage, mit Behandlung eine Woche. Virenhemmende Substanzen sind bei einer Erkältung laut Infektionsmediziner Markus Flepp ebenso unnütz wie Antibiotika. «Eine Erkältung muss man einfach durchstehen», sagt auch Infektiologe Pietro Vernazza vom Kantonsspital St. Gallen. Diverse Medikamente können immerhin Symptome lindern.