1. Home
  2. Gesundheit
  3. Medizin & Krankheit
  4. Wie Grauer Star-Patienten abgezockt werden

KataraktWie Grauer Star-Patienten abgezockt werden

Fragwürdige Firmenkonstrukte, horrende Preisaufschläge, vollmundige Versprechen – viele Augenärzte sahnen dank Tricks kräftig ab.

Um wieder klar sehen zu können, legen sich jährlich über 100'000 Personen unters Messer. Nicht immer bringt die Katarakt-Operation den gewünschten Erfolg.
von aktualisiert am 22. November 2018

Robert Spiess staunte. Die Operation, mit der seine trüb gewordene Linse durch eine Kunstlinse ersetzt wurde, dauerte wenig länger als eine Viertelstunde. Grauer Star ist ein Routineeingriff in der Tagesklinik Bern. «Ich hätte nicht gedacht, dass das so schnell geht», sagt der pensionierte Autolackierer.

Als Spiess von der Krankenkasse Grauer Star Was zahlt die Krankenkasse? die Rechnungskopien erhielt, staunte er ein zweites Mal. Für den Eingriff verlangte die Tagesklinik von der Kasse 3500 Franken, davon 732 Franken für die Linse. Doch damit nicht genug: Spiess musste für die Linse weitere 360 Franken aus der eigenen Tasche bezahlen. Macht insgesamt 1092 Franken. Dafür habe er an den Rändern eine klarere Sicht, und ein Filter schütze die Netzhaut vor schädlichen UV-Strahlen, wurde ihm versprochen.

Als der Beobachter ihm die Ergebnisse seiner Recherchen mitteilte, staunte Spiess ein drittes Mal: Die Tagesklinik zahlt im Einkauf Grauer Star Wie sich Augenärzte durch die Operation bereichern für solche Linsen nur 260 Franken. Das belegen interne Dokumente. Jetzt wurde Spiess wütend: «Das finde ich wirklich unverschämt, wie hier auf Kosten der Patienten Kasse gemacht wird.»

Die Originalrechnungen zeigen, wie viel zu viel die Patienten bezahlen für eine neue Linse bei einer Katarakt-OP.
Die Originalrechnungen zeigen, wie viel zu viel die Patienten bezahlen für eine neue Linse bei einer Katarakt-Operation. (Zum Vergrössern bitte auf das Bild klicken)
Quelle: ZVG

Jahrelang konnten die Ärzte der Tagesklinik Bern ganz unbehelligt solche Rechnungen ausstellen und bei den Krankenkassen Geld scheffeln. Denn sie fühlten sich sicher. Zur Verschleierung der überrissenen Linsenpreise bedienten sie sich einer Zwischenfirma, der Promed mit Sitz in Worb BE. Eine Briefkastenfirma. Sie hat weder eigene Angestellte noch eigene Räumlichkeiten. Die braucht sie auch nicht: Ihr einziger Zweck ist das Ausstellen von Rechnungen.

Hart umkämpftes Geschäft für künstliche Linsen

Das Geschäft mit den Kunstlinsen ist hart. Viele Hersteller und Händler buhlen um die Gunst der Augenärzte. Um den Zuschlag zu bekommen, sind gute Bedingungen und gute Kundenbetreuung unabdingbar. Die Händler liefern zum Beispiel ab einer bestimmten Bestellmenge das sogenannte Phakogerät kostenlos mit. Es wird für das Zerkleinern und Absaugen der Linse verwendet und kostet im Einkauf rund 70'000 Franken.

Üblich ist, dass die Linsenhändler den Ärzten in den Praxen ein Lager einrichten. Als verkauft gilt eine Linse erst, wenn der Arzt sie eingesetzt hat. Für die Pflege des Lagers sind die Händler zuständig.

«Der Chef forderte ausdrücklich, dass die Verrechnung über die Promed läuft.»

Ein ehemaliger Linsenhändler

 

Sie ersetzen verbrauchte Linsen und sortieren solche mit abgelaufenem Datum aus. «Das war bei der Tagesklinik Bern komplett unsere Aufgabe. Dennoch forderte der dortige Chef ausdrücklich, dass die Verrechnung über die Promed läuft», sagt ein ehemaliger Linsenhändler.

Material wird doppelt so teuer weiterverkauft

Durch den Bezug über die Promed verteuerten sich die Linsen im Einkauf von 260 auf 640 Franken, ohne dass dafür irgendeine Leistung erbracht wurde, so der Händler. Auch beim Verbrauchsmaterial sei ordentlich draufgeschlagen worden. Etwa beim Medikament Healon, einer viskoelastischen Lösung. Sie wird vor der Operation ins Auge gespritzt, um für die Kunstlinse Platz zu schaffen und die Hornhaut zu schützen.

Für 50 Franken kaufte die Promed eine Einheit ein, für 120 Franken «verkaufte» sie sie weiter an die Tagesklinik. Ähnlich bei der Spüllösung Endosol. Einkaufspreis für die 500-Milliliter-Flasche: 18 Franken. «Weiterverkaufspreis»: 45 Franken.

Bruno Horisberger ärgert sich, dass er einen Teil der Kosten für die Graue Star-OP zahlen muss.
Bruno Horisberger: «Ich liess nach Empfehlung meines Arztes bessere Linsen implantieren, die meine Augen besser schützen. Dass die Krankenkasse nun diese Vorsorge nicht abdeckt, hat mich sehr verärgert.»
Quelle: Gerber Loesch

Handeln Augenärzte gesetzeswidrig?

Die Tagesklinik Bern ist nicht die einzige Augenpraxis, die über die Promed ihre Einkäufe abwickelte. Auch das Augenzentrum Thun und die Klinik Linde in Biel, die inzwischen zur Hirslanden-Gruppe gehört, waren involviert – zulasten der Patientinnen und Patienten.

Der Betrieb derartiger Firmen ist klar gesetzeswidrig. «Wenn Ärzte solche Firmen benutzen, um den Rechnungsbetrag künstlich zu erhöhen, verletzen sie das im Krankenversicherungsgesetz verankerte Prinzip der Wirtschaftlichkeit», sagt ein Sprecher des Bundesamts für Gesundheit. Die Ärzte müssten sich in ihren Leistungen auf das Mass beschränken, das im Interesse der Versicherten liege und für den Behandlungszweck erforderlich sei. Wenn dagegen verstossen werde, könnten die Krankenkassen Sanktionen ergreifen – von Bussen bis zum Entzug des Rechts, zulasten der obligatorischen Krankenversicherung abzurechnen.

«Die mutmasslich fehlbaren Ärzte müssen dem Kanton gemeldet werden.»

Matthias Müller, Mediensprecher Santésuisse

 

Die Machenschaften müssten auch die Berner Staatsanwaltschaft interessieren. In einem ganz ähnlich gelagerten Fall aus der Bodenseeregion hat die Thurgauer Staatsanwaltschaft Ende Oktober Anklage erhoben (siehe Infobox «Klinik-Chefs angeklagt» am Artikelende). «Die mutmasslich fehlbaren Ärzte müssen dem Kanton gemeldet werden», sagt Matthias Müller, Sprecher des Verbands der Krankenversicherer Santésuisse. «Aus Sicht der Prämienzahler ist ein solches Vorgehen absolut inakzeptabel.»

Warum der Kampf gegen die Scheinfirmen schwierig ist

Konstrukte wie die Promed gibt es schweizweit etwa zehn, heisst von Seiten von Krankenkassen. Oft werde gar nicht gross versucht, den Scheincharakter zu vertuschen. Die als Handels- oder Einkaufsgesellschaft deklarierten Firmen hätten die gleiche Adresse wie die damit verbundenen Arztpraxen. Mitunter sässen sogar dieselben Personen in den Steuergremien.

«Ohne Insiderinformationen ist es für uns allerdings praktisch unmöglich, gegen solche Machenschaften vorzugehen. Die Ärzte sitzen am längeren Hebel», sagt ein mit der Betrugsbekämpfung befasster Mitarbeiter einer Krankenkasse.

Klinik streitet sämtliche Vorwürfe ab

Als der Beobachter Winfried Hirschle, Verwaltungsratspräsident der Tagesklinik Bern, und Promed-Chef Daniel Bühlmann mit den Ergebnissen der Recherche konfrontiert, bestreiten beide sämtliche an sie gerichtete Vorwürfe.

Die Hirslanden-Klinik Linde stritt erst alles ab. Erst nach der Konfrontation mit detaillierteren Informationen teilte die Sprecherin mit: «Gerne bestätigen wir Ihnen, dass die Klinik Linde in den vergangenen Jahren Intraokularlinsen der Marke Tecnis von Promed bezogen hat und noch bezieht. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir grundsätzlich keine inhaltlichen Auskünfte zu Verträgen mit einzelnen Partnern machen.»

Das Augenzentrum Thun beantwortete die Frage nach der Zusammenarbeit mit der Promed sehr knapp, nämlich mit «teilweise». Die Frage zu den konkreten Preisbeispielen blieb unbeantwortet. «Wir sind mit den Antworten vorsichtig, weil wir befürchten, dass diese für das unterdessen gesellschaftlich akzeptierte Ärzte-Bashing benutzt werden», begründet Verwaltungsratspräsident Urs Jost. 
 

«Wir sind mit den Antworten vorsichtig, weil wir befürchten, dass diese für ein Ärzte-Bashing benutzt werden.»

Urs Jost, Verwaltungsratspräsident Augenzentrum Thun

So zocken Augenärzte ihre Patienten ab bei der Katarakt-Operation
Zur Ansicht der Grafik bitte Bild anklicken.
Quelle: Infografik: Anne Seeger, Andrea Klaiber

Wen betrifft der Graue Star?

Beim grauen Star, auch Katarakt genannt, trübt sich die natürliche Augenlinse ein. Betroffene sehen alles unscharf und wie durch einen Grauschleier. Der graue Star ist vor allem eine Alterserscheinung. Damit trifft er die Bevölkerungsgruppe mit dem geringsten verfügbaren Einkommen. 5060 Franken haben Haushalte in der Altersklasse von 65 bis 74 Jahren zur Verfügung, nur mehr 4300 sind es in der Altersklasse ab 75 Jahren. 

Das Alter trübt die Linse

Die Bezeichnung grauer Star rührt daher, dass die Pupille bei sehr fortgeschrittener Linsentrübung grau aussieht und Sehbehinderte oft einen starren Blick haben. Betroffene sehen zunehmend unscharf und verschwommen. Die Augenkrankheit ist meist eine Folge des Alterns.
Wie grauer Star entsteht.
Das Licht wird durch die trübe Linse gestreut und abgeblockt. So können keine scharfen Bilder entstehen.
Quelle: Infografik: Anne Seeger, Andrea Klaiber

Die Operation

Die Operation des grauen Stars ist schweizweit einer der häufigsten Eingriffe und wird über 100'000-mal pro Jahr durchgeführt. Bei der Standard-OP wird die trübe Linse grösstenteils entfernt, nur die hintere Kapselwand bleibt bestehen. Stattdessen wird eine künstliche Linse eingesetzt.
Bei der Katarakt-Operation wird eine künstliche Linse ins Auge eingepflanzt.
Quelle: Infografik: Anne Seeger, Andrea Klaiber

Wollen die Ärzte mit den Machenschaften ihre Löhne schützen?

Weicher gebettet als ihre Patienten sind die Augenärzte. Im Oktober veröffentlichte das Bundesamt für Gesundheit Zahlen zu ihren Einkommensverhältnissen. 43'300 Franken betrug demnach im Jahr 2014 das durchschnittliche AHV-pflichtige Monatseinkommen der selbständig erwerbenden Augenärzte, hochgerechnet auf Vollzeit.

Das macht sie zu Mitgliedern eines sehr exklusiven Clubs. Gemäss Bundesamt für Statistik gibt es in der Schweiz nur rund 5000 Personen mit einem Salär über einer halben Million.

Es hängt möglicherweise mit diesen Zahlen zusammen, dass manche Ärzte harmlose und legitime Nachfragen ihrer Patienten nicht beantworten wollten. Das musste etwa Daniela Garulli erfahren. Nach den Berichten zur Katarakt-Operation im Beobachter vom August wollte die Ostschweizerin von ihrem Augenarzt Pius B. wissen, welchen Linsentyp er ihr implantiert habe. Pius B. verweigerte ihr glatt die Auskunft. «Er meinte, das sei nur Beobachter-Polemik, das wolle er nicht unterstützen», so Garulli.

Beat Weber hat nicht nur gute Erfahrungen gemacht mit der Operation des Grauen Stars.
Beat Weber: «Als ich gesehen habe, dass die Klinik, die die Operation durchführte, die Linse sowohl mir als auch der Krankenkasse in Rechnung stellt, habe ich mich doch sehr gewundert.»
Quelle: Gerber Loesch

Arzt will keinen Einblick in Krankenakte geben

Ähnliche Erfahrungen machte Suzanne Lebon mit ihrem Augenarzt Bruno M.: «Erst nach viel Gezeter und Schimpfen auf den Beobachter erhielt ich die gewünschten Informationen.» Radikaler verfuhr Augenarzt Ken S. Er nahm den Brief seiner Patientin Annemarie Züst schon gar nicht an.

Dabei ist die Rechtslage klar: Zwischen Arzt und Patient besteht ein Auftragsverhältnis gemäss Obligationenrecht. Das Datenschutzgesetz schreibt vor, dass Patienten Anspruch auf die kostenlose Herausgabe einer Kopie ihrer Krankengeschichte haben.

Zahlreiche Leser haben Rechnung an Beobachter eingeschickt

Garulli, Lebon und Züst sind drei von mehr als 80 Leserinnen und Lesern, die ihre Rechnungen für die Katarakt-OP an die Redaktion eingesandt und so die Recherchen unterstützt haben. Zwei Dinge fallen auf: die vollmundigen Versprechungen der Ophthalmologen und die grossen Unterschiede bei den Kosten, die die Patienten selber bezahlen müssen.

Der Stapel mit den Patientenakten, die Leser an den Beobachter eingeschickt haben.
Ein beachtlicher Papierstapel, der zusammengekommen ist: Die Rechnungskopien von Katarakt-Operationen, die Leser dem Beobachter zur Einsicht zugeschickt haben.
Quelle: Beobachter

Bleibender Augenschaden nach Katarakt-OP

«Ich liess mich durch aggressive Werbung und ‹gutes Zureden› zu einem unnötigen Eingriff überreden. Jetzt habe ich einen bleibenden Augenschaden», sagt Urs Zimmerli. Der 59-jährige Tierarzt aus Langenthal BE hatte die «Trau dich und lebe ohne Brille»-Kampagne der Pallas-Kliniken entdeckt. Er entschied sich für die OP, obwohl seine natürliche Linse bloss erste Anzeichen einer Trübung aufwies.

Durchgeführt wurde der Eingriff in der Pallas-Klinik Bern. «Die multifokale Linse, die mir ‹garantiert keine Probleme verursachen werde›, musste drei Monate später in der Augenklinik des Inselspitals durch eine monofokale ersetzt werden. Seither sehe ich mit dem linken Auge nur noch doppelt statt dreifach», bilanziert der Tierarzt trocken. Nach seiner Erfahrung gehe es der Pallas-Klinik vor allem darum, den Gewinn zu maximieren.

«Vor jeder Implantation einer multifokalen Linse finden bei den Pallas-Kliniken standardisierte Arzt-Patienten-Gespräche statt, wo über die Art des Eingriffs, die Funktionen und die Risiken informiert wird. Der Patient unterschreibt die Patientenaufklärung vor dem Eingriff, in der immer auch auf die möglichen Risiken aufmerksam gemacht wird», sagt Ursula Keller von den Pallas-Kliniken.

Grosse Preisunterschiede bei den Kunstlinsen

In den Pallas-Kliniken bezahlen Kataraktpatienten für eine asphärische Linse mit Blaufilter 380 Franken (Modell Akreos MI60). Damit liegt die Kette des gleichnamigen griechischen Arztes etwa in der Mitte der eingesandten Rechnungen. Nur wenig günstiger sind die Praxen der zweiten grossen Gruppe, der Vista-Kliniken. Hier kostet das Modell Alcon SN60WF den Patienten 360 Franken. Den Krankenkassen werden dann noch einmal 500 Franken in Rechnung gestellt.

«Intraokularlinsen mit speziellen Funktionen werden nicht von der obligatorischen Krankenversicherung gedeckt. Der Patient wird stets vorab transparent über die zusätzlichen Kosten informiert, und es wird sein Einverständnis eingeholt», kommentiert Vista-Sprecherin Claudia Wasmer.

«Vor der Operation hatte ich nur eine Brille für die Ferne. Jetzt brauche ich zusätzlich eine zum Lesen.»

Susan Born, unzufriedene Grauer Star-Patientin

 

Tiefer in die Tasche greifen müssen die Patienten für das Alcon-Modell in der Augenklinik Seefeld der Ärzte Peter Trüb und Peter Schöneborn in Zürich. Das ist besonders stossend, wenn das Resultat unbefriedigend ausfällt wie bei Susanna Frei. «Seit der Operation habe ich sogenannte mouches volantes, fliegende Mücken – eine Glaskörpertrübung. Es handelt sich um im Gesichtsfeld herumfliegende, kleine schwarze Punkte. Das stört mich sehr», sagt die ehemalige Spitex-Angestellte.

Nicht zufrieden war auch Susan Born. Ihr wurden sogar 695 Franken pro Linse verrechnet (Modell Zeiss CT Lucia, asphärisch mit Blaulichtfilter). «Vor der Operation hatte ich nur eine Brille Bildschirmarbeit 7 Übungen gegen eckige Augen für die Ferne. Jetzt brauche ich zusätzlich eine zum Lesen. Und ich musste beide Brillen neu kaufen. Das alles obendrauf zu den 1390 Franken für die Speziallinsen. Das finde ich nicht akzeptabel», sagt Born.

Die beiden Augenärzte Peter Trüb und Peter Schöneborn haben auf die Bitte um Stellungnahme nicht reagiert. 

Hohe Marge? – Ein Fall fürs Arztgeheimnis

Noch teurer als die Zürcher Seefeld-Klinik ist die Augenarztpraxis Plus in Baden. Dort implantierte Augenarzt Armin Junghardt seinem Patienten Hansruedi Bugmann das Linsenmodell Hoya XY1 und verlangte dafür 750 Franken. Die Krankenkasse vergütete zusätzlich 400 Franken. Das macht insgesamt 1150 Franken für eine Linse, die im Einkauf für rund 450 Franken zu haben ist.

Zum Einzelfall möchte sich Junghardt mit Hinweis auf das Arztgeheimnis nicht äussern. «In unserer Augenarztpraxis Plus setzen wir das beste Implantat nach sehr guter Vorabklärung und Messung ein. Patienten haben in aller Regel sehr hohe Ansprüche, die wir nach bestem Wissen und Gewissen als Ärzte erfüllen», sagt Junghardt.

Susanne Frei stört sich daran, dass es einigen Augenärzten nur ums Geld geht.
Susanna Frei: «Ich finde es schade, dass das Geld bei manchen Ärzten eine so grosse Rolle zu spielen scheint.»
Quelle: Gerber Loesch

Ärztefachgesellschaft spricht von Einzelfällen

«Die überwältigende Mehrheit der Chirurgen und Kliniken erbringt in der Schweiz qualitativ hochstehende Leistungen und rechnet diese korrekt und fair ab», sagt Gian Luca Pedroli, Präsident der Schweizerischen Ophthalmologischen Gesellschaft. Eine sehr kleine Minderheit nehme es möglicherweise weniger genau und sorge für negative Schlagzeilen, auch weil diese Fälle selektiv gesucht würden. «Wir haben im September die neue Kommission für Qualität und Deontologie gegründet. Sie setzt sich dafür ein, dass für alle Beteiligten fair abgerechnet wird.»

Ein Augenmerk sollte die Kommission auf bestimmte Ärzte einer Zürcher Privatklinik richten. «Ich operiere Privatpatienten aus Prinzip nur stationär», bekam eine Privatversicherte von einem dieser Ärzte zu hören. Der Grund für dieses «Prinzip» ist leicht auszumachen. Eine stationäre Katarakt-Operation fakturieren die Ärzte mit rund 14'000 Franken. Für die ärztliche Leistung verlangen sie 6500 Franken. Für einen gut viertelstündigen Eingriff.

Korrigendum

Im oben stehenden Artikel über Augenlinsen-Operationen haben wir über die Augenarztpraxis Plus in Baden bedauerlicherweise eine falsche Angabe gemacht. Deren Inhaber Dr. Armin Junghardt verrechnet für die qualitativ höherwertige Linse Hoya XY1 dem Patienten tatsächlich direkt einen Betrag von 750 Franken, weil diese Linse von den Krankenkassen nicht voll bezahlt wird. Der Einstandspreis der Linse liegt aber höher als die von uns genannten 450 Franken. Die Linse ist für rund 500 Franken erhältlich. Abzüglich Einkaufspreis ist Dr. Junghardt entgegen der Angabe in unserem Artikel nicht teurer als die Seefeld-Klinik. Die Pauschale der Krankenkasse beläuft sich auf insgesamt 2011 Franken. Die Redaktion

Klinik-Chefs angeklagt

Die Staatsanwaltschaft des Kantons Thurgau wirft drei Geschäftsleitungsmitgliedern des Herz-Neuro-Zentrums Bodensee gewerbsmässigen Betrug vor. Im Zentrum des Verfahrens steht die Proventis Care Solutions in Ägeri ZG. Die Handelsfirma für Medizinalprodukte gründeten und führten die Klinikchefs der Herzklinik Bodensee. Über sie statt wie bis anhin über den Hersteller direkt bezog die Klinik Medizinalprodukte – gemäss Medienberichten beispielsweise Herzkatheter – für den drei- bis vierfachen Preis. Davon hätten die Geschäftsleitungsmitglieder profitiert, lautet der Vorwurf. Der Vorwurf entbehre jeder Grundlage, sagte Klinikdirektor Martin Costa. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Senden Sie uns Ihre Rechnungskopie

Unsere Berichterstattung zu den Geschäftspraktiken der Augenärzte stösst auf reges Interesse. Helfen Sie uns, weiter Licht in diese Angelegenheit zu bringen. Bitte senden Sie uns die Rechnungskopie des Arztes für Ihre Katarakt-Operation (Zusatzrechnung für Mehrkosten der Linse an Sie und die Rechnung, die an die Krankenkasse ausgestellt wurde; sofern vorhanden, legen Sie uns auch Unterlagen zu den Mehrkosten, die Ihnen der Arzt abgegeben hat, bei).

Unter beobachter.ch/grauerstar können Sie einen Musterbrief downloaden, um die Rechnungen bei Ihrem Augenarzt und Ihrer Krankenkasse einzufordern.

Bitte senden Sie uns Ihre Unterlagen
per Post: Redaktion Beobachter, Stichwort grauer Star, Flurstrasse 55, Postfach, 8021 Zürich
per E-Mail: grauerstar@beobachter.ch

«Wissen, was dem Körper gut tut.»

Chantal Hebeisen, Redaktorin

Wissen, was dem Körper gut tut.

Der Gesundheits-Newsletter

Bitte melden Sie sich an, um zu diesem Artikel zu kommen­tieren.

2 Kommentare

Sortieren nach:Neuste zuerst
anna_fierz
Grassierenden Schreckensmeldungen zum Trotz ist die Operation des grauen Stars - samt Implantation einer vernünftigen Kunstlinse - eine Pflichtleistung der Grundversicherung. Alles andere muss hellhörig machen. Und kommt zwar vor, aber nicht bei Ärzten, die ich kenne. Dass die sittenwidrigsten Einkommen nicht aus dem KVG generiert werden, versteht sich hoffentlich von selbst. Als alternde Gesellschaft haben wir jedes Interesse daran, eine anständige OP eines grauen Stars ohne den beschriebenen Chichi weiterhin anständig zu honorieren. Sprich die Arbeit der allermeisten hiesigen Augenchirurgen. Das ist seit den jüngsten Tarifkürzungen nicht mehr der Fall. Und geht vor lauter Empörung vergessen. Freundliche Grüsse, Anna Fierz, Augenärztin FMH - operiere selber nicht.

Bitte melden Sie sich an, um auf diesen Kommentar zu antworten.

georg stamm
Als um etwa 2000 der viel zu hohe Tarmed-Tarif für die schon damals ambulant durchgeführte Katarakt-OP bekannt wurde (der Tarif, den der Operateur offiziell verrechnen durfte), da brach bei verschiedenen Augenärzten geradezu Hektik aus: Jeder wollte sofort mit diesen OPs beginnen. Denn man erkannte, dass man so innert kürzester Zeit zum Millionär werden konnte. Die Augenfirmen (Linsenanbieter, Anbieter von Operationsmaterial) organisierten sofort OP-Kurse (sog. wet labs) mit Schweineaugen. Und so begann das grosse Verdienen auf Kosten der Kassen und der Prämienzahler. Die politische Verantwortung dafür lag beim Innendepartement unter BR R. Dreifuss. Dieses setzte Tarmed in Kraft. Allerdings wurden diese zu hohen Tarife erst kürzlich, also viel zu spät, von BR A. Berset nach unten korrigiert. Das hätte schon vor 10 Jahren geschehen müssen. Wenn man nun von über 100'000 OPs/a ausgeht, dann ahnt man was da für ein Sparpotential bestanden hätte: Mehrere Dutzend Millionen/a allein für diesen einen Eingriff ! Die Preisgestaltung der oben genannten Augentagesklinik in Bern für die Linsen kann man nur als Abzockerei bezeichnen.

Bitte melden Sie sich an, um auf diesen Kommentar zu antworten.