Fritz Hirsbrunner hat vor 13 Jahren ein zweites Leben geschenkt bekommen. In der Lehre fühlte sich der heute 31-Jährige plötzlich müde, schwindlig und abgespannt. Als auf seiner Haut unerklärbare blaue Flecken auftauchten, suchte er seinen Hausarzt auf. Dieser diagnostizierte eine schwere unkontrollierte Blutarmut, ähnlich wie Leukämie, die unbehandelt rasch zum Tod führt. «Im Spital sagten mir die Ärzte, dass mich nur eine Knochenmarktransplantation retten könnte. Das war ein riesiger Schock, denn ich hatte ja keine Ahnung, was auf mich zukommen würde.»

Der Metzgerlehrling hatte Glück: Die Gewebeverträglichkeitsprüfung ergab, dass ihm seine Schwester ihr gesundes Knochenmark spenden konnte. Wenige Wochen später erhielt der damals 18-Jährige im Kantonsspital Basel das Mark seiner Schwester per Infusion. Seine Lehre konnte er nach einem Jahr Unterbruch fortsetzen. Heute geht es Fritz Hirsbrunner «sehr gut», wie er sagt. Von seiner schweren Krankheit spürt er nichts mehr. Hirsbrunner geniesst sein «zweites Leben» in vollen Zügen, verbringt viel Zeit beim Sport in der Natur und mit Freunden. Nach der langen Zeit im Spital bereiste er die USA, lernte Sprachen und absolvierte ein Hochschulstudium.

Bei mehr als 100 Menschen pro Jahr wird in der Schweiz Leukämie oder eine andere schwere Knochenmarkerkrankung diagnostiziert. Bis vor wenigen Jahren verliefen diese Krankheiten oft tödlich. Heute können viele der Patienten durch eine Knochenmarktransplantation geheilt werden.

Chance von eins zu einer Million
Wie bei Fritz Hirsbrunner wird zunächst untersucht, ob nahe Angehörige des Patienten, etwa Geschwister, als Spender in Frage kommen. Bei rund drei Vierteln aller Fälle jedoch passen Angehörige und Patient genetisch nicht zusammen. Dann wird über das Knochenmarkregister weltweit nach einem so genannten Fremdspender gesucht. Die Chancen, dass die Gewebegruppen eines fremden Spenders zu einem Patienten passen, sind mit einer Wahrscheinlichkeit von 1 zu 10'000 bis zu 1 zu einer Million enorm klein. Zurzeit warten in der Schweiz 40 Personen auf einen passenden Fremdspender. Hierzulande sind im Spenderregister aber gerade einmal 20'000 Personen registriert.

Nur dank den Zugriffen auf weltweite Datenbanken verläuft die Suche in etwa der Hälfte aller Fälle dennoch erfolgreich. So wurde im vergangenen Jahr für 117 Schweizerinnen und Schweizer ein Spender gesucht, bei 43 von ihnen mit Erfolg.

Schweizer Spenderinnen und Spender sind aufgrund ihrer genetischen Vielfalt als Knochenmarkspender besonders «attraktiv» und werden deshalb vergleichsweise häufig angefragt.

Bis vor zwei Jahren musste das flüssige Knochenmark während einer Operation unter Vollnarkose aus dem Beckenknochen entnommen werden. Heute geht es auch einfacher: Spender müssen sich nur noch einer Art Blutwäsche unterziehen.

Zusammen mit anderen Transplantierten hat Fritz Hirsbrunner vor zehn Jahren einen Verein gegründet. Die «Schweizerische Vereinigung der Knochenmarktransplantierten» unterstützt und begleitet seither Patienten und ihre Angehörigen, organisiert Gesprächsgruppen und Freizeitangebote. Und natürlich will sie die breite Bevölkerung zum Spenden animieren. «Wer zögert und nicht sicher ist, ob er sich als Spender zur Verfügung stellen will, sollte einmal einen unserer Anlässe besuchen», rät Fritz Hirsbrunner. Und was sieht man dort? «Dutzende von Menschen, die sich unbeschreiblich darüber freuen, dass sie dank der Hilfe eines anderen noch am Leben sind.»

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So werden Sie Spender

Wer kann Knochenmark spenden?
Als Spender kommen gesunde Personen zwischen 18 und 45 Jahren in Frage. Nach einem Informationsgespräch beim regionalen Blutspendezentrum können sich Interessierte ins Spenderregister eintragen lassen.

Wie wird Knochenmark gespendet?
Seit zwei Jahren kann auf eine aufwändige Operation verzichtet werden; heute können die benötigten Stammzellen aus dem Blut des Spenders gewonnen werden. Das Prozedere ähnelt einer Blutwäsche und dauert drei bis sechs Stunden. Eine Narkose ist nicht nötig. Der Spender spürt keine Beeinträchtigung seines Wohlbefindens.

Wo können sich Knochenmarkspender melden?
Informationen gibt es bei jedem regionalen Blutspendedienst des Roten Kreuzes. Adressen sind erhältlich beim Blutspendedienst SRK, www.blutspende.ch.

Die Broschüre «Knochenmark spenden, Hoffnung schaffen, Leben retten» gibts gratis bei der Stiftung Schweizer Register für Knochenmarkspender: www.knochenmarkregister.ch