Gelotologie hat nichts mit Gelee oder Gelati zu tun, eher mit Loriot, Emil und Mr. Bean. Spassvögel wie sie machen sich um das Wohlergehen des Volkes mindestens ebenso verdient wie das Bundesamt für Gesundheit. Wer kennt nicht das Gefühl von Leichtigkeit und Entspannung nach einer ordentlichen Lachsalve. Diese Stimmung muss einfach bekömmlich und gesund sein.

Lachforscher können das inzwischen sogar wissenschaftlich beweisen: Lee Berk und Stanley Tan von der Loma-Linda-Universität in Kalifornien veranstalteten vor einiger Zeit ungewöhnliche medizinische Experimente. Die beiden Doktoren liessen gesunde Testpersonen eine Stunde lang lustige Videos anschauen.

Vor und nach dem Test entnahmen die Ärzte ihren Probanden eine Blutprobe. Die Analysen zeigten erstaunliche Resultate: Stresshormone wie Kortisol und Dopamin hatten deutlich abgenommen. Dafür hatte das Gelächter eine Gruppe von weissen Blutkörperchen aufgerüttelt, die Lymphozyten. Diese Zellen erledigen im Körper den Abschirmdienst gegen unerwünschte Störenfriede wie Viren und Krebszellen.

Anzeige

Nach den Heiterkeitsausbrüchen hatten sich diese Blutpolizisten nicht nur vermehrt, sie produzierten auch reichlich immunologisch aktive Hormone und Antikörper gegen verschiedene Krankheitserreger. Diese Aktivierung des Immunsystems liess sich auch einen Tag nach dem Lachexperiment noch nachweisen.

Lachen aktiviert das Gehirn
Lustig ging es auch im Labor von Peter Derks im amerikanischen Williamsburg zu. Der Mediziner untersuchte die Gehirnströme von lachenden Testpersonen. Das Ergebnis: Fröhliches Gelächter aktiviert das gesamte Gehirn, von der rechten bis zur linken Hälfte, von der Stirn bis zum Hinterkopf. Da sowohl die Psyche wie auch verschiedenste Körperfunktionen vom Gehirn gesteuert werden, passen die beiden beschriebenen Studien gut zusammen. Lachen ist demnach gesund für die Seele und – auf dem Umweg über Hormone und das vegetative Nervensystem – auch gut für den Körper.

Anzeige

Therapie mit Comics und Witzen
Den Grundstein für die Gelotologie legte Ende der siebziger Jahre die aufsehenerregende Krankengeschichte eines amerikanischen Journalisten. Norman Cousins litt an Morbus Bechterew, einer schweren Knochen- und Gelenkerkrankung. Die Ärzte machten ihm wenig Hoffnung auf Genesung. Aber der junge Mann hatte bemerkt, dass sich seine Schmerzen nach einem kräftigen Lachanfall jeweils besserten. Optimistisch machte er aus dieser Beobachtung eine Therapie mit Slapstickkomödien, Comics und Witzen und lachte sich buchstäblich gesund.

Über seine Erfahrungen schrieb Norman Cousins nicht nur ein Buch, sondern er gründete an der Universität von Los Angeles auch eine Abteilung für therapeutische Humorforschung. Sie blieb in den USA nicht das einzige Institut dieser Art. Die Mitglieder der Amerikanischen Vereinigung für therapeutischen Humor beispielsweise, einer Organisation mit über 600 Ärzten und Psychologen, plädieren sogar dafür, Lachen auf Rezept zu verschreiben. Die Idee klingt verrückt. Ist es aber nicht. Schon im 14. Jahrhundert befand der französische Chirurgieprofessor Henri de Mondeville: «Der Chirurg sollte alles für die Freude und das Wohlbefinden seines Patienten tun und dafür sorgen, dass seine Verwandten und Freunde ihn aufheitern oder dass ihm jemand Witze erzählt.»

Anzeige

Nicht nur amerikanische Mediziner schwören auf Humor am Krankenbett. In vielen Schweizer Kinderspitälern finden regelmässig Visiten der ganz besonderen Art statt: Der «Spezialarzt» kommt mit Doktorschürze und zeigt Zaubertricks. Statt Pillen verteilt der Arzt Luftballons und führt ein in eine Traumwelt. Die Spritze verwandelt sich in eine Flöte, das Krankenzimmer in ein Zirkuszelt. Das junge Publikum ist begeistert und findet es im Spital für eine Weile richtig lustig.

Die Fondation Theodora aus Lonay VD organisiert diese wöchentlichen Besuche der Traumdoktoren. Nach Ansicht von Andre Poulie, dem Gründer der ungewöhnlichen Stiftung, ist es enorm wichtig, die Kinder durch Lachen von ihrem Leid abzulenken und ihnen die Angst vor dem Krankenhaus und den ganzen medizinischen Apparaten zu nehmen. Dieses Ziel verfolgen auch die Krankenschwestern des Kantonsspitals Uri in Altdorf. Sie erheitern Patienten mit Cartoons, Witzen und Scherzartikeln. Die Pflegerinnen stellten fest: Wenn im Spital gelacht wird, werden die Patienten schneller gesund. Ebenso bewähren sich lustige Filme als Stimmungsaufheller in Seniorenheimen.

Anzeige

Humorseminare für Manager
«Wenn du über etwas lachen kannst, kannst du es auch überleben.» Frei nach diesem Motto von Bing Crosby besinnen sich auch Manager auf ihre spassigen Seiten. Immer mehr Firmen und multinationale Konzerne schicken ihre Mitarbeiter zu Humorseminaren. In den Kursen sollen vor allem leitende Angestellte lernen, dem Stress des Berufsalltags mit heiterer Gelassenheit zu begegnen. Mit einem befreienden Lachen tut der Chef nicht nur sich selber etwas Gutes, eine positive Ausstrahlung motiviert auch die Mitarbeiter und kommt bei den Geschäftspartnern meist besser an als tierischer Ernst.

Nicht jeder ist eine Frohnatur, die strahlend durchs Leben schreitet. Aber Lachen kann man tatsächlich lernen und trainieren wie Velofahren oder Schwimmen. Schon ein Lächeln morgens vor dem Spiegel bedeutet einen grossen Schritt in die richtige Richtung und wirkt sich positiv auf den gesamten Körper aus. Ein Lachen aktiviert mehr als 20 Muskeln, eine todernste Miene weniger als zehn. Und als Medizin ist Lachen ohnehin unschlagbar: wirksam, preisgünstig und garantiert ohne schädliche Nebenwirkungen.

Anzeige
Dieses Bild kann nicht angezeigt werden.