In der Forschung wird zunehmend mit Probanden gearbeitet, das heisst mit gesunden Freiwilligen. Über Risiken und Nebenwirkungen machen sich diese oft keine Sorgen. Doch «Risiken sind vorhanden, es gibt keinen Versuch, der null Risiko hat», sagt Hans-Peter Schreiber von der Fachstelle Ethik der ETH. Eine Ethikkommission wacht daher darüber, dass die Probanden über die gesundheitlichen Gefahren und über ihre Rechte informiert werden und dass der Datenschutz gesichert ist. «Die Versuchspersonen haben das Recht, jederzeit aus dem Versuch auszusteigen», so der emeritierte Ethikprofessor.

Um genügend Probanden zu finden, lockt meist eine finanzielle Entschädigung. So zum Beispiel in der Abteilung Nuklearmedizin am Unispital Zürich, die jährlich über 100 Probanden sucht. Für einen Test von eineinhalb Stunden gibt es 150 Franken, für aufwändigere Versuche bis zu 300.

«Das genaue Risiko kennt niemand. Ob kleine Strahlendosen schädlich oder gar gesundheitsfördernd sind, kann nicht nachgewiesen werden», sagt Alfred Buck, Leitender Arzt der Abteilung Nuklearmedizin. «Wir arbeiten mit kleinen Strahlenmengen bis zu vier Millisievert, die vom Gesetzgeber als unbedenklich angesehen werden.» Ein Restrisiko will er jedoch nicht ausschliessen.

Renate Grathwohl, Doktorandin am Unispital, testet in der Positronen-Emissions-Tomografie(PET)-Kamera den Einfluss von Koffein auf die Herzdurchblutung. Als Probanden konnte sie ihren Bruder gewinnen. 150 Franken hat er für das dreistündige Experiment erhalten. «Wäre der Test schlimmer gewesen oder hätte er länger gedauert, müsste die Bezahlung schon stimmen», sagt Kaspar Grathwohl.

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Dass ihm radioaktives Wasser gespritzt wurde, dass er Koffeintabletten einnehmen und danach in der PET-Kamera mit wenig Sauerstoff Velo fahren musste, hat den Wirtschaftsstudenten nicht beunruhigt. «Man hat mir erklärt, dass mir höchstens schwindlig werden könne.»

Das Honorar als Motivation

Bei Versuchen mit Medikamenten winkt oft eine vierstellige Summe. So bezahlt die Swiss Pharma Contract, die im Auftrag von Pharmakonzernen neue Arzneien testet, ihren Probanden bis zu 2000 Franken. Michael Seiberling, klinischer Pharmakologe bei Swiss Pharma Contract, macht sich nichts vor: «Die Motivation zum Mitmachen ist bei uns ganz klar das Honorar.» Das kann auch Peter Kleist, Medizinischer Direktor der Novartis Pharma Schweiz AG, nicht ausschliessen. «Die Probanden werden vor dem Versuch jedoch eingehend über die Studie aufgeklärt und untersucht.

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Es muss klar sein, dass sie gesund sind», sagt Kleist. «Die Versuche mit Medikamenten sind nicht harmlos. Es geht um Arzneimittel, nicht um Bonbons.»

Es bleibt ein Restrisiko

Barbara Brüngger hat die Teilnahme an einem Versuch 3000 Franken gebracht. Gesundheitliche Bedenken hatte die angehende Assistenzärztin nach eingehender Information keine: «Für mich war das Geld klar die Hauptmotivation.»

Sie musste während sechs Wochen einen Tag pro Woche rund um die Uhr präsent sein. Ihr wurde eine Magensonde durch Nase, Rachen und Speiseröhre eingeführt. Nach der Medikamenteneinnahme entnahm man ihr regelmässig Blut. «Während dieser Zeit habe ich vor allem geschlafen», erzählt Brüngger. Denn gegen Ende der Versuchsperiode litt sie unter Blutarmut sie musste in ärztliche Nachkontrolle.

Dass sie nur wegen des Geldes mitmachen, geben die Studenten ungern zu. Dass sie ohne finanziellen Anreiz kaum zum Mitmachen zu motivieren sind, ebenso wenig.

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Urs Boutellier, Professor für Sport- und Humanphysiologie und Mitglied der ETH-Ethikkommission, weiss das: «Meine Leute jammern, weil ich die Probanden nicht bezahlen kann und will.» Trotz der Schwierigkeiten, Teilnehmer zu finden, lässt er sich nicht beirren. «Ich will die Leute nicht kaufen. Ich will nicht, dass Unfug getrieben wird.» So kontrolliert er, dass die Probanden weder Medikamente einnehmen noch rauchen. «Der Rest ist Vertrauen.»

Getestet werden beispielsweise die Auswirkungen von Dopingmitteln. Oder es geht um die körperliche Leistungsfähigkeit in grossen Höhen. Bleibt ein Restrisiko? «Einen Herzstillstand kann man theoretisch nicht ausschliessen», sagt Boutellier. Seit 25 Jahren führe er Tests durch, noch nie sei jedoch etwas Schlimmes passiert. Wenn jemand mal wegen einer Venenentzündung ärztliche Hilfe brauche, zahle eine Haftpflichtversicherung die Kosten.

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