Zukunftsvorhersage, Partnerschaftsberatung, Suche nach vermissten Personen oder verlegten Gegenständen – das Pendel ist ein wahres Allroundmittel. Seine Fähigkeiten als Ratgeber in fast allen Bereichen machen es zu einem beliebten Instrument der Esoterikszene.

Doch Vorsicht: Mit dem Pendel wird viel Humbug getrieben. Umso skeptischer sollte man den diagnostischen Angeboten im Gesundheitsbereich begegnen.

Heilpraktiker sehen im Pendel ein «Instrument der Seele», das wie eine Anzeigenadel die Wahrnehmungen des Unbewussten sichtbar macht. Im Gegensatz zum Bewusstsein soll das Unbewusste in der Lage sein, gefährliche Erdstrahlungen, Magnetfelder sowie Schwingungen der Lebensenergie eines Menschen zu registrieren und in feinste Muskelbewegungen der Finger zu «übersetzen». Denn Krankheiten verursachen nach Ansicht der Pendler Störungen im Energiefeld des Körpers, und diese bringen das Pendel zum Ausschlagen.

Um der Ursache einer Krankheit auf die Spur zu kommen, pendelt der Therapeut den Körper des Klienten von Kopf bis Fuss ab. Schlägt das Pendel über einem Körperteil besonders stark aus, gilt dies als Hinweis auf eine Erkrankung.

Eine andere Methode ist das «Befragen» des Pendels über Körperteilen oder speziellen Pendeldiagrammen. Schwingt das Pendel senkrecht, lautet die Antwort auf die Frage Ja, eine waagrechte Schwingungsrichtung bedeutet Nein.

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Auch Ferndiagnosen sollen möglich sein: Anhand eines Fotos, eines Haars oder eines Bluttropfens stellt der Pendler eine «geistige Verbindung» zum Klienten her und lässt das Pendel über eine Liste möglicher Erkrankungen schwingen. Ist die Diagnose gestellt, kann auch die geeignete Behandlungsmethode oder das passende Medikament mit Hilfe des Pendels ermittelt werden.

Ärzte warnen vor Missbräuchen
Das Pendeln ist zwar ungefährlich, doch die Wahrscheinlichkeit von Fehldiagnosen ist hoch. Dadurch können tatsächlich vorhandene Krankheiten übersehen oder notwendige medizinische Behandlungen verzögert werden. Schulmediziner warnen deshalb vor dem Einsatz dieser und ähnlicher «magischer» Diagnosemethoden – und die Krankenkassen weigern sich, die Kosten für derartige Behandlungen zu übernehmen.

Wenig erfolgreich schnitt das Pendel auch bei einer Umfrage ab, die der deutsche Allergie- und Asthmabund kürzlich veröffentlichte: Nur knapp über zehn Prozent der befragten Allergiker berichteten über einen langfristigen Behandlungserfolg aufgrund einer Pendeldiagnose. Dieses Ergebnis entspricht in etwa der Selbstheilungsrate.

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Wenig geheimnisvoll und wissenschaftlich einfach zu erklären sind die Schwingungen des Pendels. Sie beruhen auf minimalen, unwillkürlichen Muskelbewegungen des Pendlers, die von seinen Vorstellungen und Wünschen ausgelöst werden. Bereits geringste Impulse genügen, um eine Pendelbewegung hervorzurufen. Der so genannte «Carpenter-Effekt» entsteht auch, wenn sich der Zuschauer bei einer Verfolgungsjagd im Film «in die Kurve legt» oder beim Betrachten eines Fussballspiels unbewusst «mitkickt».

Grundsätzlich gilt: Erdstrahlen oder Energieschwingungen, die mit der Wünschelrute oder dem Pendel angeblich erfasst werden, sind mit wissenschaftlichen Messmethoden nicht nachweisbar.

Doch existieren womöglich bisher noch unbekannte Strahlungsarten? Oder verfügt das menschliche Unbewusste über einen Sensor für unsichtbare Energiefelder?

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An diesen Fragen scheiden sich die Geister. Wie schon Shakespeare feststellte, gibt es bekanntlich mehr Dinge zwischen Himmel und Erde, als uns die Schulweisheit lehrt. Deshalb kann nicht ausgeschlossen werden, dass es vielleicht auch Pendler gibt, die tatsächlich über einen «siebten Sinn» verfügen.

Dennoch: Vorsicht ist auf jeden Fall angebracht. Denn für Interessierte ist es angesichts der Vielzahl von Angeboten auf dem Esoterikmarkt kaum möglich, die Spreu vom Weizen zu trennen. Und manche Anleitungen zum Erlernen des Pendelns tragen nicht gerade dazu bei, das Image der Pendlerszene zu verbessern. So versucht etwa ein Anbieter mit folgendem Verkaufsargument die Kunden zu ködern: «Vielleicht können Sie auch, besonders wenn Sie arbeitslos sind, den einen oder anderen Franken damit verdienen, denn das ganze Gebiet der Esoterik ist im Moment so interessant wie noch nie.» Finger weg von solch dubiosen Angeboten!

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