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RitalinFehldiagnose Zappelphilipp

Nur noch Spezialisten sollen Kindern Ritalin verschreiben dürfen, fordert CVP-Nationalrätin Ruth Humbel.

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Ritalin gegen das ADHS-Syndrom wird immer öfter verschrieben. Betroffene Kinder sind leicht erregbar, unkonzentriert, nerven Eltern und Lehrer. In der Schweiz darf jeder Arzt die Pille verordnen.

Nicht so in Deutschland. Seit kurzem dürfen dort nur noch Fachärzte für Verhaltensstörungen Ritalin abgeben – wegen schwerer Nebenwirkungen wie Schlaganfällen und Herzproblemen. ADHS ist nur mit diagnostischer Feinarbeit richtig zu erkennen. Die Ärzte müssen neu das Medikament auch mindestens einmal im Jahr absetzen.

Die Aargauer Gesundheitspolitikerin Ruth Humbel fordert nun den Bundesrat per Interpellation auf, das Verschreiben von Ritalin auch in der Schweiz einzuschränken. «Es besteht der Verdacht», so Humbel, «dass dieses Medikament auch an Kinder abgegeben wird, die gar nicht an ADHS leiden.»

Eine unheimliche Zunahme

Allein in den Jahren 2005 bis 2008 hat laut Zahlen der Krankenkasse Helsana die Abgabe von Ritalin an 7- bis 18-Jährige im Kanton Zürich um 75 Prozent zugenommen. Der Verkauf des in Ritalin enthaltenen Wirkstoffs Methylphenidat stieg in der Schweiz von 38 Kilo im Jahr 1999 auf 256 Kilo im Jahr 2009. «Die Vermutung liegt nahe», so Humbel, «dass Kinder mit einer grossen Vitalität schnell die Diagnose ADHS erhalten und medikamentös ruhiggestellt werden.» Es sei nicht gut, wenn Kinder so früh an Medikamente gewöhnt würden.

Auch eine neue Studie der Michigan State University nährt den Verdacht, dass es nicht selten zu ADHS-Fehldiagnosen kommt. So erhalten die jüngsten Schulkinder eines Jahrgangs fast doppelt so häufig Ritalin verschrieben wie ihre ältesten Klassenkameraden. Ärzte deuten ihre Unreife fälschlicherweise als Hirnschaden.

Veröffentlicht am 14. September 2010

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7 Kommentare

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Ch. Nellessen
Manchmal sollte sich die Menschheit, also auch die Eltern, fragen ob das denn so alles in Ordnung ist oder ob man es sich nicht zu einfach macht mit Giftstoffen (Paracelsius) seine Kinder zu füttern. Ohne Zwefel gibt es ADHS Fälle, die meisten Kinder sind aber nur so wie wir es auch einmal waren, neugirig, frech; also einfach agil. Ich sehe es positiv aufgeweckte Kinder zu haben; seit daher benötige ich keinen Personal Trainer mehr und das Fitnessstudio hat mich auch nicht mehr gesehen. Feld, Wald, Wiese, und See sind mir und meinen Kindern ein Begriff; ohne ein Grünes Image zu haben. Wenn man müde ist und genug gesehen hat braucht man kein Ritalin um Ruhig zu werden. Die Eltern müssten sich halt nur die Zeit für Ihre Kinder nehmen und sich selbst mal wieder einen Winx in`s Födl...

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Olivier Probst
Liebe Ritalinverschreiber, jedesmal wenn es um das Thema Ritalin und Hyperaktiv geht, stehen mir die Haare zu Berge. Das "Problem", was gar keines ist, wird immer als Schaden oder Krankheit abgestempelt. Ich, 40, habe mit 38 festgestellt, das ich Hochsensibel bin, dabei musste ich feststellen, dass zwischen mir und den Hyperaktiven Kindern kein Unterschied besteht. Es handelt sich eher um Hochsensible Kinder, die ihre Umgebung viel intensiver wahrnehmen. Die Lehrer sind dabei leider überfordert und schicken die Eltern zum Arzt um das Kind ruhig zu stellen, damit es im Unterricht nicht stört. Ich habe selbst 2 Kinder, die wie ich und meine Frau, sogenannt Hyperaktiv sind. Ja, es ist manchmal nervig, stressig und ermüdend, aber dennoch anders und viel intensiver. (siehe Google: hochsen...

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D. Meyer
ADHS? Die Entwicklungsbedürfnisse erkennen! ADHS ist zum Sammelbegriff für Kinder geworden, die etwas auffälliger sind, wie andere Kinder. Die Ritalin-Verschreibung verleitet die Eltern meist dazu, ihre Hände in den Schoss zu legen – und aufhören zu fragen: „Welche Fähigkeiten könnten unserem Kind helfen, besser mit seiner grossen Lebendigkeit umgehen zu können – sich besser auf das zu konzentrieren, was es jetzt tut? Und wie können wir es - Schritt für Schritt - unterstützen, diese Fähigkeiten zu entwickeln?“ – In diesem Sinn kann ich Mirjam (26.9.) verstehen, wenn sie sich gegen das Etikett „Hirnschaden“ wehrt. (Persönlichkeits-) Entwicklung braucht zwar Zeit, Kraft, Geduld - ist aber wesentlich ergiebiger und hoffnungsvoller wie Pillen!

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¨mirjam 11Jahre
Lieber Beobachter Ich bin ein "ADHS-Kind" und will klarstellen, dass ich keinen HIRNSCHADEN habe!!!!!!!! Als ich ihren Bericht las, musste ich fast weinen, denn ich bin ein normales Kind!!! stellen sie sich vor, sie seien ein ADHS-Kind und lesen gerade das sie einen HIRNSCHADEN haben! Grüsse Mirjam Lieber Herr Schilling Meine Tochter ist ein tolles, sehr soziales Kind, dass die Ansprüche der Schule ohne Ritalin nicht meistern könnte. Sie wurde übrigens vom Psychiatrischen Dienst abgeklärt! Wäre die Schule und die Lehrer bei uns offener, individueller und flexibler, wäre dies alles vermutlich kein Problem. Diese tollen Menschen finden wir übrigens in ganz speziellen Berufsgruppen -nicht mit einem Hirnschaden! Herzliche Grüesse eine stolze Mutter!

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