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TollwutgefahrHände weg von Fledermäusen

Ein Schweizer Touristenpaar hat in den USA eine Fledermaus aufgehoben und könnte sich mit Tollwut angesteckt haben. Das BAG sucht sie nun mittels eines öffentlichen Aufrufs.

Auch wenn sie vielleicht Hilfe benötigen: Fledermäuse sollte man niemals mit blossen Händen anfassen.
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aktualisiert am 26. Januar 2018

Es ist eine Traumdestination: Die weissen Sandstrände, das tiefblaue Meer und nahe gelegene Naturreservate wie der Everglades National Park lassen jährlich tausende Touristen eine unvergessliche Zeit in der Küstenstadt Naples in Florida erleben. Doch für ein Schweizer Touristenpaar folgt auf die Ferien eine öffentliche Warnung des Bundesamts für Gesundheit (BAG), die es in sich hat. Sie haben sich möglicherweise mit Tollwut angesteckt.

Touristenpaar soll umgehend in ärztliche Behandlung

Zum Verhängnis wurde ihnen ihre Tierliebe. Denn die beiden hoben am 10. Januar 2018 eine am Boden liegende Fledermaus auf und brachten sie in eine Tierklinik. Wenige Tage später zeigte ein Test, dass die Fledermaus Tollwut hat. Es sei ein spezieller Fall, betont Daniel Koch, Leiter der Abteilung Übertragbare Krankheiten beim BAG. «Die amerikanischen Gesundheitsbehörden haben uns informiert, dass sie über das etwa 50- bis 60-jährige Paar nichts weiter wissen, als dass der Mann für ein Schädlingsbekämpfungsunternehmen arbeitet», sagt er.  Doch es sei wichtig, dass sich die beiden umgehend in ärztliche Behandlung begeben, damit sie gegen das Virus geimpft werden können.

Ob sich der Mann und die Frau tatsächlich mit Tollwut angesteckt haben, sei schwer abzuschätzen, sagt Koch. Die Krankheit kann vom Tier auf den Menschen etwa über einen Biss übertragen werden oder wenn eine offene Hautstelle mit dem Speichel des Tieres in Berührung kommt. Ob dies bei den beiden Schweizern passiert ist, ist nicht bekannt.

Krankheit kann noch Monate nach Infektion ausbrechen

Für das Umfeld der beiden Touristen kann Koch aber Entwarnung geben: «Solange die beiden keine Krankheitssymptome zeigen, können sie die Krankheit nicht an Mensch oder Tier weiter übertragen.» Das Gefährliche an Tollwut sei aber, dass sie mitunter eine sehr lange Inkubationszeit haben kann. «Je nachdem, an welcher Körperstelle die Infektion stattgefunden hat, kann die Krankheit nach einigen Tagen oder Wochen, aber eventuell auch erst nach einem halben Jahr ausbrechen», so der Mediziner Koch.

Bricht die Krankheit einmal aus, können die Ärzte dem Patienten nicht mehr helfen. «Weltweit sind nur etwa einer oder zwei Fälle einer Tollwuterkrankung bekannt, die nicht tödlich verlaufen sind», sagt Koch. Die Tollwut greift die Hirnzellen an und es sei ein sehr qualvolles, schmerzhaftes Leiden. Reagiere man aber rechtzeitig, solange das Virus noch nicht ins Hirn vorgedrungen ist und die Patienten noch keine Symptome verspüren, kann man das Virus mit einer einfachen Impfung bekämpfen.

Auch in der Schweiz besteht Ansteckungsgefahr

Dass sich Menschen beim Kontakt mit einer Fledermaus mit Tollwut anstecken, kommt dabei gar nicht so selten vor: Erst Mitte Januar berichteten verschiedene Medien von einem sechsjährigen Jungen aus Florida, der von einer Fledermaus gekratzt wurde und wenige Tage danach an Tollwut starb. Doch wie Daniel Koch vom BAG sagt, besteht zwischen den beiden Fällen kein Zusammenhang. «Dass es jetzt gerade Fledermäuse in Florida betrifft liegt wohl daran, dass diese in den Wintermonaten im kälteren Norden der USA wohl seltener anzutreffen sind.» Eine generelle Gesundheitswarnung für Florida bestehe deswegen aber nicht.

Koch  warnt aber eindringlich davor, Fledermäuse zu berühren – auch in Europa. Denn obwohl in der Schweiz Tollwut seit 1998 offiziell als ausgerottet gilt, kann die Krankheit bei Fledermäusen nach wie vor vorkommen. «Fledermäuse sind die einzigen Tiere, die selbst gesund sein, aber das Tollwut-Virus in sich tragen können.» Bei allen anderen infizierten Tieren erkenne man anhand des Verhaltens oder des Zustandes, dass das Tier krank ist. Wer eine Fledermaus findet, sollte einen Spezialisten informieren, denn diese sind gegen das Virus geimpft.

Aktualisierung vom 26. Januar 2018

Das Schweizer Ehepaar wurde inzwischen aufgespürt, ärztlich behandelt und geimpft. Es hatte sich auf den Aufruf des BAG telefonisch gemeldet. 

 

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Chantal Hebeisen, Redaktorin

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