1. Home
  2. Gesundheit
  3. So stoppen Sie das Zähneknirschen

ZähneWer Stress hat, knirscht

Etwa ein Drittel der Bevölkerung knirscht mit den Zähnen, oft auch im Schlaf. Das Malmen und Pressen kann gesundheitliche Folgen ­haben. Wann ist eine Therapie nötig?

Ein schmerzender, verspannter Kiefer kann eine Folge von Zähneknirschen sein.

Von aktualisiert am 20. Februar 2019

Seit Jahren beisst Ulrich S. tagsüber und nachts die Zähne zusammen, und das mit gravierenden Folgen: Durch das ständige Knirschen, Malmen und Pressen schleift der 67-jährige die Zähne ab und mahlte bereits einen Satz Teilprothesen kaputt. Darüber hinaus sind seine Gesichtsmuskeln verspannt, und das Kiefergelenk schmerzt. Hinzu kommt seit zwei Jahren Tinnitus, ein permanentes Rauschen in den Ohren Tinnitus Orkan im Ohr . «Es klingt wie in einem Dampfkochtopf», sagt der Zürcher.

Ulrich S. reibt mit den Fingern Stirn und Schläfen. «Es tut ­alles weh, manchmal ist es zum Verzweifeln.» An den letzten schmerzfreien Tag kann er sich kaum noch erinnern. Dass er je wieder ­einen erleben wird, glaubt er manchmal selbst nicht mehr. «Offenbar bin ich ein schwerer Fall. Und einer, der ständig nur Kosten verursacht.»

Ein wenig klingt das wie eine Entschuldigung dafür, dass er zum Dauerpatienten geworden ist und dass sich ­allein seine Zahnarztrechnungen Taxpunkte Das Buebetrickli des Zahnarztes auf rund 3000 Franken pro Jahr belaufen. Dabei ist Zähneknirschen oder Bruxismus in den Augen von Fachleuten keine Krankheit, sondern eine normale, unbewusste Aktivität der Kaumuskulatur, die bei psychischer Belastung verstärkt auftreten kann.

Was versteht man unter Zähneknirschen oder Bruxismus?

Beim Zähneknirschen, medizinisch Bruxismus genannt, pressen oder reiben die Betroffenen ihre Zähne unbewusst aneinander, sodass Schäden an der Zahnsubstanz entstehen können. Zähneknirschen kann in jeder Altersstufe auftreten und ist häufig ein Zeichen starker psychischer Anspannung. Die meisten Menschen knirschen typischerweise nachts mit den Zähnen.

Innere Anspannung führte zu Zähneknirschen

Wer Sorgen hat oder Stress Stress und Körpersymptome Körper im Alarmzustand , presst oft tagsüber die Zähne zusammen – oder kaut im Schlaf den gehäuften Kummer durch, im wahrsten Sinn des Wortes. Auf Zähnen und Kiefergelenk lastet dann nicht selten ein Druck, der einem Gewicht von bis zu 100 Kilogramm entspricht. Das ist das Zehnfache dessen, was bei normalem Kauen entsteht.

Bei Ulrich S. fanden die Ärzte innere Anspannung Stress Wenn man ständig auf der Überholspur lebt als einen Grund für sein Zähneknirschen. Vielleicht sei das ein Teil der Erklärung, meint der 67-Jährige. Beruflichen Stress habe er zwar keinen mehr, aber seit er in Rente ist, fühle er sich manchmal ­allein, zumal er keine Familie hat. «Vor ­allem die Wintermonate sind hart, wenn in unserem Segelklub wenig läuft.»

Die Zahnprotesen könnten mit ein Grund sein fürs Knirschen

Am Zentrum für Zahnmedizin der Universität Zürich lernte er in einer speziellen Schmerzsprechstunde, sich zu entkrampfen. Unter anderem mit Atemübungen und progressiver Muskel­entspannung. «Gutgetan hat es schon, aber ich verbeisse mich nach wie vor», sagt S.

Die innere Anspannung sei es bei ihm nicht allein, vermutet er. Unbewusst wehre er sich wohl gegen die Teilprothesen, die vor zehn Jahren auf seinen noch vorhandenen Zähnen aufgebaut wurden. Er habe immer Mühe gehabt, diese Fremdkörper zu akzeptieren. Aus diesem Grund habe er sich auch nicht an die Schutzschiene gewöhnen können, mit der er nachts schlimmere Abschleifspuren am Gebiss vermeiden könnte. «Mit der Schiene habe ich noch mehr störendes Material im Mund.»

Vielleicht wäre eine Vollprothese hilfreich

Im Moment ist S. ratlos. Er will mit seinem Zahnarzt einen Termin vereinbaren. Vielleicht seien für ihn Vollprothesen das Richtige. Die hätten wenigstens den Vorteil, aus einem Guss zu sein, nicht mehr ein Flickwerk. Bis dahin will S. beherzigen, was ihm der Schmerzpsychologe empfohlen hat: sich immer wieder sagen, dass man das Zubeissen nicht mehr will. «Zumindest tagsüber sollte das funk­tionieren», sagt S.

Als er aber kürzlich beim Tramfahren Leute und Landschaft betrachtet habe, sei ihm plötzlich aufgefallen, wie in seinem Mund wieder alles verkeilt war und weh tat. Wenn er sich das Knirschen in solchen und ähnlichen Situationen abgewöhnen könnte, würde er wenigstens ein Stück ­Lebensqualität zurückbekommen.

Etwa jede(r) Dritte knirscht mit den Zähnen

Zähneknirschen (Bruxismus) ist weit ver­breitet. «Schätzungsweise 30 Prozent der Bevölkerung tun es, oft im Schlaf», sagt ­Dominik Ettlin, Leiter des Bereichs Kaufunktionstörung am Zentrum für Zahnmedizin der Uni Zürich. Anlass zur Panik sei das aber nicht: Die meisten Knirscher haben keine ­Beschwerden. Und auch wenn der Zahnarzt oder die Zahnärztin die typischen Schleifspuren an den Zähnen entdeckt, sei das nicht in jedem Fall behandlungsbedürftig.

Dass vom Knirschen die Zähne ernsthaft Schaden nehmen, sei selten. Ettlin: «Zähne schleifen sich ab mit den Jahren, das ist ein normaler Prozess ohne Krankheitswert.» Wen es – aus ästhetischen Gründen – störe, der könne sich eine Schutzschiene anfertigen lassen.

Nur ­jeder 20. Zähneknirscher hat Beschwerden und Funktionseinbussen wie migräne­artiges Kopfweh Migräne Eine hämmernde Katastrophe im Kopf , ein blockiertes oder entzündetes Kiefergelenk, Muskelverspannungen oder Ohrenweh. Ist das der Fall, sollte man sich behandeln lassen.

Mit Biofeedback dem Zähneknirschen auf der Spur

Sinnvoll ist es, nicht nur die Symptome zu bekämpfen, sondern auch den Grund fürs ­Zähneknirschen zu suchen und die Körperwahrnehmung zu schulen. Etwa mit Biofeedback: Dazu wird die Spannung des Kaumuskels gemessen und am Computerbildschirm abgebildet. Patienten sehen so, wo sie sich verkrampfen – und lernen, ­welche Muskeln sie auf welche Weise ­entspannen können Entspannung Entspannen Sie richtig? .

Die Methode hilft nur, wenn man tagsüber die Zähne zusammenbeisst. Das nächtliche Knirschen lässt sich dagegen kaum beeinflussen. Wer Stressbewältigung beherrscht Leistungssteigerung Was bringt Mentaltraining? , sorgt aber für erholsameren Schlaf – und knirscht möglicher­weise ­weniger stark.

«Wissen, was dem Körper gut tut.»

Chantal Hebeisen, Redaktorin

Wissen, was dem Körper gut tut.

Der Gesundheits-Newsletter