Wo kommen Stoffe vor, die ins menschliche Hormonsystem eingreifen können?

In verschiedenen alltäglichen Produkten wie in Kosmetika oder Plastik sowie über Pestizide in der Landwirtschaft. Auch Pflanzen, etwa Soja, können Substanzen enthalten, die wie Östrogene wirken (sogenannte Phytoöstrogene). Menschen sind also laufend Stoffen ausgesetzt, die ihr Hormonsystem beeinflussen – je nachdem auch negativ.

Wie gelangen die schädlichen Stoffe, die endokrinen Disruptoren, in den Körper?

Grundsätzlich über drei Wege:

Wie greifen sie ins Hormonsystem ein?

Endokrine Disruptoren können an den Hormonrezeptoren andocken und dort eine dem Hormon ähnliche Wirkung entfalten (siehe Box «Das machen die Stoffe mit uns»). Andere endokrine Disruptoren blockieren Rezeptoren und damit die Wirkung von natürlichen Hormonen.

Was sind die Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit?

Die Disruptoren begünstigen möglicherweise hormonabhängige Tumoren wie Brust-, Eierstock-, Prostata- oder Hodenkrebs. Auch Fortpflanzungsstörungen sind möglich, etwa eine verminderte Spermienproduktion. Endokrine Disruptoren werden zudem mit Diabetes, Übergewicht, Autismus oder Erkrankungen der Schilddrüse in Verbindung gebracht. Oft ist es jedoch schwierig, den Zusammenhang zu belegen. Auch Ernährung, Stress, Rauchen oder eine genetische Veranlagung können für eine Erkrankung verantwortlich sein.

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Gibt es auch negative Einflüsse auf Tiere?

Man fand zum Beispiel unterhalb von Kläranlagen männliche Fische, die auch weibliche Geschlechtsmerkmale aufweisen. Grund für die Verweiblichung waren vermutlich Stoffe in Waschmitteln, die östrogenähnlich auf die Fische wirkten. Zudem konnte man feststellen, dass die Population von Fischottern stark zurückging. Vermuteter Grund: polychlorierte Biphenyle (PCB; siehe unten «Diese Stoffe wirken sich negativ aus»), die bis in die Achtzigerjahre etwa als Weichmacher in Lacken verwendet wurden. Bei Vögeln konnte man beobachten, dass die Eierschalen dünner wurden.

Was wird gegen endokrine Disruptoren unternommen?

Die Schweiz arbeitet im internationalen Umfeld bei der Identifizierung mit. Sie hat 2003 ein Übereinkommen unterzeichnet, das einige schwer abbaubare endokrine Disruptoren verbietet. Um Trinkwasser und Tiere zu schützen, sollen etwa ausgewählte Kläranlagen mit einer zusätzlichen Reinigungsstufe ausgebaut werden.

Besteht Grund zur Besorgnis?

Gemäss dem Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen kommen in der Schweiz nur sichere Lebensmittel und Kosmetika Naturkosmetika Grüne Welle mit Fragezeichen auf den Markt. «Wenn die Hersteller die geltenden Grenzwerte einhalten, geht von den Produkten keine Gesundheitsgefährdung aus», heisst es dort.

Wie kann ich mich vor endokrinen Disruptoren schützen?

Gänzlich vermeiden lässt sich der Kontakt mit diesen Stoffen nicht. Doch man kann Produkte vergleichen und sich über Inhaltsstoffe informieren, etwa mit Hilfe der App Codecheck Ernährungsapps 8 praktische Apps für den Alltag . Wo möglich, sollte man auf Plastik verzichten. Eine vielfältige, möglichst naturbelassene Ernährung ist zu empfehlen. Vom Gebrauch beschichteter Pfannen wird abgeraten. Und weil Weichmacher nicht nur über die Nahrung, sondern vor allem von Kleinkindern auch über den Hausstaub aufgenommen werden, ist es zu empfehlen, die Wohnung regelmässig zu reinigen.

Diese Stoffe wirken sich negativ auf den Hormonhaushalt aus

Dioxine und polychlorierte Biphenyle (PCB)

Dioxine entstehen bei der Verbrennung von Haushalt- und Industrieabfällen. Sie verbreiten sich über die Luft und reichern sich so im Boden an. PCB wurden bis in die Achtzigerjahre etwa als Weichmacher in Anstrichen oder Kunststoffen verwendet. Noch heute können sie in alten Geräten oder Baumaterialien stecken. Über den Boden oder den Kontakt mit belasteten Materialien, beispielsweise in Ställen, können sie auf Nutztiere übergehen. Sie reichern sich im Fettgewebe an und gelangen etwa über den Fleischkonsum in den Menschen PCB Gift im Fleisch – und niemand tut etwas . Tierversuche zeigten, dass die Stoffe die Reproduktionsfunktion, das Immunsystem, das Nervensystem und den Hormonhaushalt stören. Einige Dioxine und PCB erhöhen das Krebsrisiko.

Welche Regeln gelten? Es wurden gewisse Höchstwerte für tierische Lebensmittel wie Fleisch, Butter, Eier und Fisch festgelegt.

UV-Filter

Einige chemische UV-Filter in Sonnencremes Umweltschutz Sonnencremes töten Korallen haben hormonähnliche Wirkungen. Gemäss Bundesamt für Gesundheit ist eine gesundheitliche Gefährdung unwahrscheinlich, und der Nutzen von UV-Filtern überwiegt allfällige Risiken.

Welche Regeln gelten? Es gibt festgelegte Höchstkonzentrationen für UV-Filter. Risikostoffe in Kosmetika sind teils gesetzlich geregelt oder werden regelmässig bewertet, damit die Gesetze wenn nötig aktualisiert werden können.

Perchlorat

Perchlorat kann in Feuerwerk, Munition und Dünger vorkommen und so das Trinkwasser belasten. Perchlorate sind gesundheitlich problematisch, weil sie die Aufnahme von Iod hemmen und so die Funktion der Schilddrüse stören.

Welche Regeln gelten? Zurzeit gibt es in der Schweiz nur gesetzliche Höchstwerte für das Trinkwasser.

Bisphenol A (BPA)

BPA wird in Verpackungen verwendet, zum Beispiel in Beschichtungen von Konservendosen. So kann es in den Körper gelangen und die Gesundheit gefährden. Auch in Spielzeug kann der Stoff enthalten sein.

Welche Regeln gelten? Für Materialien, die mit Essen in Kontakt kommen, gilt ein Grenzwert von 0,05 mg/kg. In Babyflaschen ist BPA in der Schweiz verboten Bisphenol A In der EU giftig – in der Schweiz nicht , für Spielzeuge gibt es Einschränkungen.

Phthalate

Sie werden hauptsächlich als Weichmacher für Plastik eingesetzt – in Bodenbelägen, Tapeten, Verpackungen von Lebensmitteln, Spielzeugen und Babyartikeln. Die Stoffe sind problematisch, weil sie die Fortpflanzung gefährden können.

Welche Regeln gelten? Die Verwendung wurde eingeschränkt, und es gibt Grenzwerte für bestimmte Phthalate Weihnachtsbeleuchtung Illegale Schadstoffe in Lichterketten . So dürfen die vier häufigsten etwa in Spielzeug nicht mehr als 0,1 Massenprozent ausmachen.

Bisphenol F (BPF)

BPF wird etwa für Harze verwendet, mit denen Lagertanks oder Konservendosen beschichtet werden. Der Stoff kommt auch in natürlicher Form in weissen Senfkörnern vor. Das gesundheitliche Risiko wird in diesem Fall als gering eingeschätzt.

Welche Regeln gelten? BPF ist seit 2005 in Konservendosen verboten.

Das machen die Stoffe mit uns

Hormonsystem

Das Hormonsystem, auch endokrines System genannt, reguliert und kontrolliert, welche Hormone produziert und wie sie ausgeschüttet werden. Hormone sind die chemischen Botenstoffe unseres Körpers. Sie steuern Entwicklung, Fortpflanzung, Abwehrkräfte sowie Wachstum, Verhalten und Stoffwechsel.

Das hormonelle System besteht aus verschiedenen Drüsen, etwa Schilddrüse, Eierstöcke, Hoden, Nebennieren und Bauchspeicheldrüse. Sie geben Hormone wie Östrogen, Testosteron, Thyroxin, Adrenalin und Insulin ins Blut ab.
 

Hormonaktive Stoffe

Gewisse Lebensmittel oder Produkte enthalten Stoffe, die ins hormonelle System eingreifen; man spricht von endokrin aktiven Stoffen.

Einige dieser Substanzen wirken sich schädlich auf Entwicklung, Wachstum oder Fortpflanzung aus. Sie werden endokrine Disruptoren genannt.

Nützliche Links zu endokrinen Disruptoren

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Quelle: Beobachter Bewegtbild