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ResilienzEr lebt weiter – trotz schlimmem Verlust

Der Berner Ruedi Bühler, 49, verlor durch einen Brand seine hochschwangere Frau und zwei Kinder. Nur eine Tochter überlebte. Freunde, Familie und eine neue Partnerin halfen ihm, das Unglück besser zu verarbeiten. Teil 1 unserer Porträtserie «Die Stehaufmenschen».

«Ich brauchte Normalität. Sie hat mir geholfen, die Höllennacht zu verarbeiten.» – Ruedi Bühler, 49, Ingenieur.

Veröffentlicht am 06. Dezember 2018, aktualisiert am 06. Dezember 2018

«Ich war im Auto auf dem Heimweg von der Fachhochschule, als mein Telefon klingelte. Daheim in Kallnach sei etwas Schlimmes passiert, sagte ein guter Freund. Als ich im Dorf ankam, war alles abgesperrt. Überall Polizei und Feuerwehrleute. Zwei Helikopter standen vor unserem Haus. Ein Adventsgesteck mit Kerze hatte Feuer gefangen und einen Schwelbrand verursacht. Das war vor 13 Jahren, am 12. Dezember 2005.

Man drückte mir meinen kleinen Sohn Joshua in die Arme, und wir flogen mit dem Helikopter ins Berner Inselspital. Es ging ihm sehr schlecht. Ich stand unter Schock, wusste nicht, was mit meiner Frau Daniela und der sechsjährigen Larissa los war. Die vierjährige Leila lebte, es schien ihr relativ gut zu gehen.

Im Spital waren alle überfordert von der Situation. Vier Opfer mit Rauchvergiftung. Und das Baby im Bauch meiner Frau. Man sagte mir nichts. Erst Stunden später wurde ich zu Frau und Tochter gebracht; sie waren tot. Joshua starb in der Nacht. Es war wie ein böser Traum.

Leila musste zur Überwachung ein paar Tage im Spital bleiben. Sie fragte nach ihrem Mami und den Geschwistern. Ein Psychologe erklärte ihr, es ginge ihnen sehr schlecht, man wisse nicht. Da unterbrach sie ihn und sagte: ‹Das stimmt nicht, Mami, Joshua und Larissa sind tot.› ‹Ja›, sagte ich, ‹wir sehen sie nie wieder.› Leila entgegnete: ‹Stimmt nicht, Papi, wenn wir selber sterben, sehen wir uns alle wieder.› Das war sehr bewegend.

Meine Familie und meine Freunde sind mir damals alle beigestanden. Ohne sie hätten es Leila und ich nicht geschafft. Für ihre Unterstützung bin ich extrem dankbar. Obwohl ich kein gläubiger Kirchgänger bin, hat mir auch die Pfarrerin von Kallnach geholfen. Sie sagte, es gebe Menschen, die eine andere Aufgabe hätten, als hier auf der Erde zu sein. Dieser Gedanke tröstet mich.

Ich bin nach dem Brand rasch wieder arbeiten gegangen, habe mein Studium beendet und auch wieder Volleyball gespielt. Ich brauchte diese Normalität. Das hat mir geholfen, die Höllennacht zu verarbeiten und nicht zu hadern.

Ein paar Monate später habe ich meine neue Partnerin kennengelernt. Eine alleinerziehende Mutter mit zwei Töchtern. Nach zwei Jahren sind wir am Bielersee zusammengezogen. Seither sind wir eine Patchworkfamilie. Ich bin ihr unendlich dankbar für ihre Liebe.

Aber gerade jetzt zur Adventszeit kommt immer alles wieder hoch. Wenn es nach mir ginge, wären Kerzen verboten. Trotzdem würde ich mich heute als glücklich bezeichnen. Ich habe wieder Freude am Leben, auch wenn die rabenschwarze Nacht immer Teil meines Lebens bleibt.»

(aufgezeichnet von: Birthe Homann)

Wie ist es um ihre Resilienzfähigkeit bestellt? Machen Sie hier den Selbsttest.

Ruedi Bühler, Sarankan Mahendran und Dominique Gisin (von links nach rechts)

Ruedi Bühler, Sarankan Mahendran und Dominique Gisin (von links nach rechts)

Quelle: Kilian J. Kessler

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1 Kommentar

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lotusblume

Sg. Herr Bühler, ich habe auch eine Höllennacht hinter mir. Als ich im 7.Monat schwanger mit meiner Tochter war, ist mein jüngerer Bruder bei einer Hochofenexplosion innerhalb Sekunden verbrannt. Ich hatte damals ein Nahtoderlebnis, wäre fast verstorben aufgrund des Schocks, habe mein Baby noch ausgetragen und gesund zur Welt gebracht. Ich bin leider geschieden, habe keinen neuen Partner mehr gefunden und mein Vater ist jetzt auch noch tod. Wie schafft man es, das Alles loszulassen, vorallem die Schuldgefühle.
Herzlichst, Carmen Wieser

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