Leserfrage von Claudia P.: «Nach zehn Jahren in der gleichen Firma möchte ich eine Auszeit nehmen. Macht das Sinn? Und was sollte ich dabei bedenken?»

Auszeiten sind beliebt. Gewisse Formen davon sind sogar fest in unserer Kultur verankert. Die 19-jährige junge Frau, die nach dem Lehrabschluss und dem ersten Berufsjahr einen Australienaufenthalt plant, wird in ihrem Umfeld heute wohl kaum noch Erstaunen auslösen.

Sie wird dort ihre Englischkenntnisse ausbauen und vor allem ihren Horizont erweitern. Sie wird lernen, dass vieles, was sie als selbstverständlich erachtet, nur im heimischen Luzern selbstverständlich ist und dass es auch andere Lebensphilosophien gibt als jene, mit denen sie aufgewachsen ist.

Sabbatical muss nicht zwingend im Ausland sein

Auszeiten Sabbatical Zur rechten Zeit eine Auszeit sind kein neuer Trend. Es gibt katholische Familien, in denen sich die jungen Männer seit Generationen um die Mitgliedschaft in der Schweizergarde im Vatikan bewerben. Auszeiten müssen auch nicht weit entfernt stattfinden. Der Schrebergarten kann genauso ein Refugium sein wie das jährliche Trekking in der Wüste. 

Überhaupt ist eine Auszeit nicht an einen Ortswechsel gebunden. Nehmen wir etwa die Fastentradition Fasten 1x täglich essen vergessen . Eine Verhaltensänderung wie das Fasten lässt uns manches wieder bewusster erleben. Hunger zu verspüren, nach dem Fasten wieder in einen Apfel zu beissen – das sind Sinneswahrnehmungen, die in unserem Alltag selten geworden sind.

Neu ist, dass Auszeiten oder Sabbaticals fester Bestandteil von Arbeitsverträgen Sabbatical Ich bin dann mal weg sein können, vor allem bei Kadermitarbeitenden. Es gibt sie auch als Dienstaltersgeschenk.

Die Vorfreude aufs Sabbatical schafft schon Entspannung

Nehmen Sie sich genug Zeit für die Vorbereitung, sinnvoll ist ein Jahr. Warum so lange? Der einfachste Grund ist die Vorfreude. Sie werden eine relativ tiefe Entspannung bereits in dem Moment wahrnehmen, in dem Sie sich zu einem Sabbatical entscheiden. Immer wieder werden Sie in Gedanken bereits auf der Alp oder im südafrikanischen Nationalpark sein. Geniessen Sie das.

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In der Vorfreude stört Sie auch die fehlende Dusche nicht oder dass die Arbeit im Tierpark schon morgens um fünf beginnt, und dies sieben Tage die Woche. Zudem brauchen Sie Zeit, um Fragen zu klären: Welche Art von Auszeit passt? Ist es richtig, nach Brasilien zu reisen, trotz der fragilen Gesundheit der Mutter oder gerade deswegen? Möchten Sie anderen in Ihrer Auszeit helfen oder eben gerade nicht, weil Sie dies im Pflegeberuf schon machen?

Ausserhalb der Komfortzone profitiert man am meisten

Wählen Sie die passende Länge. Das Sabbatical sollte so lange dauern, dass Sie nicht nach der ersten Woche schon wieder an die Rückkehr denken. Gut vorbereitete sechs Wochen können aber genauso effektiv sein wie schlecht vorbereitete sechs Monate. Bei sehr kurzen Auszeiten – beispielsweise drei oder zehn Tage – empfiehlt es sich aber, dass man sich dies wiederholt «leistet».

Seien Sie ruhig mutig. Wählen Sie etwas, was ausserhalb Ihrer Komfortzone liegt. Arbeiten Sie am PC, lieben Sie Sushi und kennen Sie die Sonnenuntergänge auf Fidschi? Dann fragen Sie einen Schreiner im Glarnerland, ob Sie ihm zur Hand gehen könnten. Oder lernen Sie im Berner Oberland, wie man aus Heilkräutern Urtinkturen herstellt.

Handy während des Sabbaticals mal weglegen

Sie wollen doch nach dem Sabbatical etwas zu erzählen haben. Also gönnen Sie dem Handy eine Auszeit Digital Detox So reduzieren Sie Ihre Zeit am Smartphone – und Reiseblogs gibt es eigentlich auch schon genug.

Das Wichtigste an einem Sabbatical ist die Rückkehr. Planen Sie mindestens eine Woche ein zwischen der Rückkehr und dem ersten Arbeitstag. Und legen Sie diesen auf einen Donnerstag oder einen Freitag, so dass die erste Arbeitswoche kurz ist. Schaffen Sie ein wöchentliches Zeitfenster, in dem Sie etwas von der Auszeit beibehalten. Gelingt Ihnen dies schlecht, dann reservieren Sie sich alle drei Monate ein Miniauszeitwochenende.

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Kleine Auszeit-Inseln in den Alltag mitnehmen

Bereiten Sie sich vor allem innerlich auf die Rückkehr vor. Beim Weggehen wird ein Kulturschock erwartet, bei der Rückkehr eher weniger. Doch Ihre neuen Erfahrungen haben Sie in Ihrer Wahrnehmung verändert, vielleicht auch in Ihren Werten. Ein Teil Ihres Umfelds wird dies vielleicht nicht nur positiv aufnehmen, dafür werden Ihnen plötzlich andere Menschen näherstehen. Gerade wer länger als drei Monate weg war, wird einige Zeit brauchen, um im (beruflichen) Alltag wieder Fuss zu fassen.

Fragt man Menschen nach einer Auszeit, ob es sich gelohnt hat, lautet die Antwort meist: «Das hätte ich schon viel früher machen sollen.» Aber wie gesagt: Um den gewohnten Trott zu verlassen und einfach mal zur Seite zu treten, kann man auch einfach mal an einem Donnerstag freinehmen.

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Sabbatical planen: Woran zu denken ist

  • Vorbereitung: Planen Sie die Auszeit etwa ein Jahr im Voraus. Klären Sie insbesondere frühzeitig ab, ob Ihr Arbeitgeber spezielle Sabbatical-Modelle anbietet.
  • Pensionskasse: Ob Sie während der Auszeit bei der Pensionskasse weiter versichert bleiben können oder gar müssen, ergibt sich grundsätzlich aus dem PK-Reglement. Wenden Sie sich an die dafür zuständige Stelle in der Firma.
  • Unfallversicherung: Bei der Unfallversicherung bleiben Sie noch während 30 Kalendertagen weiterversichert. Darüber hinaus können Sie den Versicherungsschutz mit einer sogenannten Abredeversicherung um maximal weitere 180 Tage verlängern.
  • Krankheit: Wenn Ihr Arbeitgeber eine Kranken­taggeldversicherung abgeschlossen hat, sollten Sie direkt mit dieser Versicherung klären, ob und wie Sie während des Sabbaticals versichert sind.
  • Sozialabgaben: Wer in der Schweiz wohnt, muss trotz Auszeit unter Umständen Beiträge für AHV und IV entrichten. Detaillierte Informationen liefert die zuständige Ausgleichskasse.
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