Das Problem:
Renate F., 31, und ihr Ehemann wünschen sich seit zwei Jahren ein Kind. Doch sie ist bis heute nicht schwanger geworden. Jeweils kurz vor und während der Regelblutung verspürt sie starke Leibschmerzen, die in den vergangenen Jahren immer heftiger wurden. Nach einer gynäkologischen Untersuchung, die normale Befunde ergab, rät ihr Frauenarzt zu einer Bauchspiegelung. Renate F. ist aber nicht sicher, ob sie sich diesem Eingriff unterziehen will.

Der Rat des Medgate-Ärzteteams:
Etwa 15 Prozent aller Paare bleiben ungewollt kinderlos. Die Ursachen sind sehr vielfältig und liegen je zur Hälfte beim Mann und bei der Frau. In fünf Prozent der Fälle bleibt der Grund für die Kinderlosigkeit ungeklärt. Beim Ehemann wird in erster Linie die Funktionstüchtigkeit der Spermien abgeklärt.

Die Symptome, die Renate F. ihrem Gynäkologen schildert, lassen auf eine Endometriose schliessen. So bezeichnet man das Auftreten von Gebärmuttergewebe ausserhalb der Gebärmutter: im Bauchraum, im Darm, in der Harnblase, in seltenen Fällen sogar in der Lunge oder im Gehirn. Am häufigsten finden sich diese Gewebeabsiedelungen auf oder in den Eileitern oder irgendwo rund um die Gebärmutter.

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Das Hauptproblem besteht darin, dass die ortsfremde Gebärmutterschleimhaut den weiblichen Menstruationszyklus genauso mitmacht wie die Gebärmutter selber. Das heisst: Während des Zyklus baut sich sowohl die Gebärmutterschleimhaut wie auch die Endometrioseschleimhaut auf. Am Ende des Zyklus kommt es gleichzeitig mit der normalen Regelblutung zu einer Blutung im Bereich der Absiedelung.

Je nach Grösse und Lokalisation der falsch platzierten Schleimhaut können verschiedenartige Beschwerden und Schmerzen auftreten. Wuchert die abgesiedelte Schleimhaut im Bauchraum, nehmen vor allem zyklusabhängige Leibschmerzen stetig zu. In rund einem Drittel der Fälle verhindert die Endometriose eine Schwangerschaft. Wichtig: Endometriose hat nichts mit einer bösartigen Krebserkrankung zu tun.

Warum es zu diesen Absiedelungen kommt, ist bis heute nicht geklärt. Bei Verdacht auf eine Endometriose wird in der Regel eine Bauchspiegelung durchgeführt. Mit einer kleinen Kamera, die in die Bauchhöhle eingeführt wird, können die unerwünschten Wucherungen gefunden werden. Um die Diagnose zu bestätigen, wird eine Gewebeprobe entnommen und anschliessend mikroskopisch untersucht.

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Ist eine Endometriose im Bauchraum zweifelsfrei diagnostiziert, werden die Gewebeabsiedelungen operativ entfernt. Um zu vermeiden, dass sich neue Wucherungen bilden (was häufig geschieht), ist eine Schwangerschaft die beste Therapie: Da es während einer Schwangerschaft normalerweise nicht zu Blutungen in den Bauchraum kommt, wird so eine neue Endometriose verhindert.

Renate F. wird zum nächsten Besuch beim Gynäkologen ihren Ehemann mitnehmen, damit sie das weitere Vorgehen gemeinsam besprechen können. Die von Renate F. geschilderten Symptome lassen eine Bauchspiegelung als sinnvoll erscheinen.

Ihren persönlichen Kommentar zu Endometriose und Schwangerschaft können Sie mitteilen unter www.beobachter.ch/gesundheitsforum