Willkommen im Ayurveda-Blog «Pillen unter Palmen» von Tanja Polli.

In diesem Blog hat die Autorin den Verlauf ihrer dreiwöchigen Ayurveda-Kur in Indien dokumentiert.

Episode 1: Öl gegen Stress
Episode 2: «Du bist, was du verdaust»
Episode 3: Tschüss Chili - grüezi Schoggistängeli
Episode 4: Fleisch oder nicht Fleisch, das ist hier die Frage
Episode 5: Morgenstund hat Gold im Mund
Episode 6: Mit Ayurveda gegen Krebs?
Episode 7: Der Tag der Tage: Cleaning Day
Episode 8: Das Ende vom Anfang

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Inzwischen bin ich so etwas ein Habitué. Ich weiss, welche Behandlungen auf dem Massagebett durchgeführt werden, bei welchen ich auf den Schemel muss und welche Massagen mit sehr viel Öl auf dem Kopf enden. Ich weiss inzwischen sogar, wie man dieses wieder rauskriegt (Seife statt Shampoo!). Und ja, ich bin ruhiger geworden, ich schreibe keine E-Mails mehr, während ich in der Meditation sitze. Und mein Blutdruck sinkt täglich.

So weit, so gut. Aber kann eine solche Kur, wenn sie länger durchgeführt wird, tatsächlich schwere Krankheiten wie Krebs heilen?

Hochhäuser, Kliniken und ein Kräutergarten

Ein Besuch im nahen Amala Ayurvedic Hospital and Research Center soll Klärung bringen. Schon auf dem Parkplatz wird klar: das hier ist kein Ferienresort. Auf dem Campus stehen mehrere Hochhäuser, Männer in Uniformen weisen den nicht enden wollenden Besucherstrom ein. Auf dem Gelände der Non-Profit-Institution stehen sowohl eine schulmedizinische, als auch eine ayurvedische sowie eine homöopathische Klinik. Im Kräutergarten wachsen Heilpflanzen, die in klinikeigenen Werkstätten und Labors zu Pillen und Likören verarbeitet werden.

Der Kontrast könnte grösser nicht sein: Während es in der schulmedizinischen Klinik fast aussieht wie in der Schweiz, wirken die Räume der Medikamentenherstellung wie Zauberküchen aus einer anderen Zeit. Riesige Metalltöpfe über offenen Feuerstellen, Rinden und Hölzer werden hier eingekocht oder in im Boden vergrabenen Steinfässern fermentiert. Mehrere hundert verschiedene Kräuter, Wurzeln und Rinden werden nach jahrhundertalten Rezepten zu Medikamenten verarbeitet, die dann in der Verpackung schon fast wieder aussehen wie unsere.

Die Zusammenarbeit zwischen den Disziplinen sei eng, sagt Schwester Austin, eine der leitenden Ärztinnen der Ayurveda-Klinik. Mehr als 30'000 Krebspatienten lassen sich pro Jahr in der Amala-Klinik behandeln. Viele nutzen beide Medizinsysteme. Sie lassen sich Tumore operieren, unterziehen sich allenfalls einer Chemotherapie und nutzen die ayurvedische Medizin für die Nachsorge. Bei Europäern wachse das Interesse an dieser Form der Behandlung, sagt Doktor Austin. Mitverantwortlich dafür ist wohl ein vielbeachteter Dokumentarfilm, den «Arte» letztes Jahr ausgestrahlt hat. Ein Filmteam begleitete den Pariser Onkologen Thomas Tursz in Ayurvedakliniken in Südindien.

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Das Beste aus beiden Medizinsystemen nutzen

Fragt man Ayurveda-Fachleute nach den Erfolgsraten bei Krebs, sind die meisten vorsichtig: «Die interdisziplinäre Forschung in diesem Gebiet ist jung», sagt zum Beispiel Professor Martin Mittwede, Leiter des Ayurveda-Masterstudiums in London. «Darum ist es schwer zu sagen, ob die Krebspatienten, die mit Ayurveda Erfolg hatten, glückliche Zufälle sind oder ob Ayurveda der Grund für die Heilung ist.» Für Simone Hunziker, Schweizer Schulmedizinerin und Ayurveda-Ärztin, ist klar: «Krebs und andere schwere Krankheiten im fortgeschrittenen Stadium müssen parallel mit der Schulmedizin behandelt werden.»

Doktor Hema K.P. aus dem Nattika Ayurveda Beach-Resort, die lange in indischen Spitälern tätig war und Krebskranke mit Ayurveda behandelt hat, spricht von rund einem Drittel, bei denen Stillstand oder Heilung erreicht werden kann. Aber auch sie rät, das Beste aus beiden Medizinsystemen zu nutzen. Dass aber auch dann nicht allen Patienten geholfen werden kann, erklärt Hema K.P. mit dem Karma. «Jeder Mensch bekommt eine Aufgabe für dieses Leben. Wenn es sein Schicksal ist, an dieser Krankheit zu sterben, dann hilft weder Schulmedizin noch Ayurveda», ist Hema K.P. überzeugt. «Es ist die Aufgabe des Menschen, sein Schicksal zu tragen.»


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Transparenz beim «Beobachter»: Tanja Polli's Reise nach Indien wurde ermöglicht durch Insight Reisen, Zürich. Die redaktionelle Unabhängigkeit war jederzeit gewährleistet.