Der Hai hats gut. Bei ihm wachsen ständig neue Zähne nach, und zwar bis an sein Lebensende. Wir Menschen gehören jedoch zu den Lebewesen, die nur mit zwei Garnituren natürlicher Zähne ausgestattet wurden: den Milchzähnen und den Erwachsenenzähnen. Grund genug, mit dem Beisswerkzeug besonders sorgfältig umzugehen. Im Gegensatz zu Knochenbrüchen oder anderen Verletzungen, die verheilen können, ist ein kaputter Zahn oft endgültig verloren.

Doch zum Glück leben wir im 21. Jahrhundert: Noch nie war die Zahnhygiene in unseren Breitengraden so gut wie heute. Die Schweiz gehört zu den wenigen Ländern der Welt, in denen jedes Kind während der ganzen Schulzeit regelmässig zahnmedizinisch betreut wird. Die Besuche beim Schulzahnarzt, Zahnputzinstruktionen, Fluorzahnpasta und das seit den 1980er Jahren mit Fluor versetzte Speisesalz haben dafür gesorgt, dass Karies bei Kindern massiv zurückgegangen ist. Gemäss zahnmedizinischen Untersuchungen im Kanton Zürich hat der Kariesbefall bei Schulkindern in den letzten 45 Jahren um satte 90 Prozent abgenommen. Mittlerweile profitiert auch die Generation der 50- bis 60-Jährigen von den während der sechziger Jahre begonnenen flächendeckenden Zahnpräventionsprogrammen an den Schulen.

Wie die Publikumsumfrage der Schweizerischen Zahnärztegesellschaft (SSO) Ende 2010 ergab, putzt die Hälfte der Schweizer zweimal täglich die Zähne. Zwei Drittel der Befragten gehen regelmässig zur Zahnkontrolle. Mitte des 20. Jahrhunderts herrschten aus heutiger Sicht hingegen noch erschreckende Zustände. In den fünfziger Jahren hatten in der Schweiz viele junge Leute bereits derart schlechte Zähne, dass sie ein künstliches Gebiss benötigten. «Die Zahnärzte jener Zeit erinnern sich der nicht selten zur Konsultation erscheinenden jungen Damen, die sich zur bevorstehenden Hochzeit ‹schöne neue Zähne› in Form von Totalprothesen anfertigen lassen wollten», schrieb der Zürcher Zahnmediziner Christo Obreschkow in seinem 1984 erschienenen Buch «Zähne fürs Leben».

Ein künstliches Gebiss trug im Jahr 1999 im Kanton Zürich nur knapp ein Viertel der Erwachsenen zwischen 60 und 79 Jahren. Bei den 40- bis 59-Jährigen waren es lediglich zwei Prozent. Diese Zahlen finden sich in einer Untersuchung der Station für Orale Epidemiologie der Abteilung für Präventivzahnmedizin der Universität Zürich. Die Anzahl aller eigenen – und eigenen gesunden – noch im Mund befindlichen Zähne hat von 1992 bis 1999 zugenommen. Dieser Trend setzt sich fort.

Die Chancen, mit den eigenen Zähnen alt zu werden, waren also noch nie so gut wie heute. Grund genug, sich sorgfältig um die Zahnpflege zu kümmern und sich wieder einmal damit zu befassen, was den Zähnen schadet.

Wie Karies entsteht

Der grösste Feind des intakten Zahnschmelzes sind Säuren. Sie entstehen im Mund nach dem Essen, da Speisereste und Zucker durch die Mikroorganismen im Zahnbelag innert weniger Minuten zu Säuren vergärt werden. Zwar gilt der Zahnschmelz als das härteste Material unseres Körpers, dennoch ist er verletzlich: Wenn bakterieller Zahnbelag (Plaque) auf dem Zahnschmelz nicht entfernt wird, greift er den Schmelz an und entkalkt ihn. Der entmineralisierte Zahnschmelz verliert seine Härte, und es können Löcher (Karies) entstehen.

Dagegen kämpfen der Speichel und fluoridhaltige Zahnpasten an, indem sie den Zahnschmelz remineralisieren und damit reparieren. Wie stark Zuckerkonsum und Karies zusammenhängen, zeigen Zahlen aus dem Zweiten Weltkrieg. Als der Zuckerkonsum während des Kriegs in der Schweiz wegen der Lebensmittelrationierung zurückging, reduzierte sich auch die Zahnkaries deutlich. Beim Zucker kommt es jedoch weniger auf die Menge als vielmehr auf die Häufigkeit an. Am schädlichsten ist eine über den Tag verteilte, stetige Zufuhr von Zucker.

Die Zähne sollten möglichst nach jedem Essen mit einer fluoridhaltigen Zahnpasta geputzt werden. Für die Reinigung der Zahnzwischenräume gibt es keine andere Methode als die Verwendung von Zahnseide oder Interdentalbürsten, die aussehen wie Mini-Pfeifenputzer. Denn die Zahnbürste erreicht die Zahnzwischenräume nicht – ausgerechnet jene Stellen, wo sich besonders gern Bakterien vermehren.

Professionelle Zahnreinigungen durch die Dentalhygienikerin und regelmässige Kontrollen beim Zahnarzt helfen bei der Kariesvorsorge in jedem Lebensalter. Am besten tut man im Lauf der Zeit noch mehr für die Zähne. Denn in der zweiten Lebenshälfte gilt es, bei der Zahnpflege einige Besonderheiten zu beachten. Mit fortschreitendem Alter kann sich der Zahnfleischsaum zurückziehen und den Zahnhals freilegen. Ein Grossteil der erwachsenen Bevölkerung leidet an Zahnfleischschwund. Umso sorgfältiger sollte man die Zähne jetzt putzen. Freiliegende Zahnhälse können sehr schmerzempfindlich sein und stellen ein hohes Risiko für Zahnhalskaries (Wurzelkaries) dar.

Mit der Zeit geht zudem die Speichelproduktion im Mund zurück. Das ist problematisch, denn der mineralhaltige Speichel hilft, Speisereste wegzuspülen, winzig kleine Schäden zu reparieren und Säuren zu neutralisieren. Das Kauen von zuckerfreien Kaugummis regt den Speichelfluss an. Kaugummikauen nützt auch, wenn gerade keine Zahnbürste verfügbar ist. Viel trinken, am besten Wasser, hilft ebenfalls, den Speichelfluss zu fördern und die Zähne zu umspülen.

Es gibt noch einen Grund, weshalb man Gegensteuer geben und in der zweiten Lebenshälfte erst recht auf seine Zahngesundheit achten und zur Kontrolle gehen sollte. Die Lust auf Zahnarztbesuche scheint nämlich mit jedem Altersjahr abzunehmen. Gemäss der Schweizerischen Zahnärztegesellschaft konsultieren Männer und Frauen ab dem 60. Altersjahr den Zahnarzt immer seltener. Vergnügen bereitet ein Zahnarztbesuch wohl den wenigsten von uns. Aber wenn Zahnprobleme früh genug erkannt werden, ist oft eine schonende Behandlung möglich, die vor noch grösseren Eingriffen schützt und auch das Portemonnaie nicht übermässig belastet.

Bleaching, Veneers, Zahnspangen

In der heutigen Zeit wünschen sich immer mehr Menschen perfekt aussehende Zähne. Die kosmetischen Eingriffe sind aber nicht ungefährlich – und teuer: 

  • Weissmacher: Zahnärzte warnen, dass die Zähne bei der täglichen Verwendung von Weissmacher-Zahnpasten angegriffen werden können, speziell bei freigelegten Zahnhälsen.
  • Bleaching: Beim Bleaching (Bleichen) der Zähne wird die Farbe des Zahnschmelzes mit Hilfe von aufhellenden Stoffen gebleicht.
  • Überkronen: Beim Überkronen wird ein guter Teil des Zahnschmelzes abgeschliffen, was bedenkliche Folgen haben kann. Denn bei rund 20 Prozent der überkronten Zähne stirbt der Zahnnerv später ab, und der Zahn ist tot. Das macht eine Wurzelbehandlung notwendig.
  • Veneers: Viel ungefährlicher, aber auch sehr teuer (1500 Franken pro Zahn) ist das Aufkleben von dünnen Keramikschalen (Veneers) zur Verschönerung der Zähne, was bei Hollywoodstars sehr beliebt ist.
  • Zahnspangen: Für Zahnspangen ist es mit über 50 nicht zu spät. Aus biologischer Sicht gibt es für kieferorthopädische ­Behandlungen keine obere Altersgrenze. Trotzdem sind Zahnspangen in diesem Alter eher selten.

Pflege: So erhalten Sie Zähne fürs Leben

  • Zwei- oder besser dreimal täglich die Zähne mit fluoridhaltiger Zahnpasta putzen.
  • Eine weiche Zahnbürste verwenden und nur mit leichtem Druck putzen. Zu harte Bürsten können den Zahnschmelz verletzen und Zahnfleischschwund begünstigen.
  • Gründliches Zähneputzen dauert zwei bis drei Minuten.
  • Einmal täglich Zahnseide und/oder Inter­dentalbürstchen für Zahnzwischenräume benutzen.
  • Dreieckige Zahnhölzchen helfen, Speisereste aus den Zahnzwischenräumen zu entfernen.
  • Wer stark zu Karies neigt, kann die Zähne einmal wöchentlich mit Fluoridgelee putzen, um den Schutz zu erhöhen.
  • Nicht immer ist es sinnvoll, direkt nach dem Essen die Zähne zu putzen: Warten Sie nach dem Genuss von sauren Speisen, Frucht­säften oder Wein mit dem Zähne­putzen am besten rund eine Stunde. Denn die Säure greift den Zahnschmelz leicht an. Wer gleich danach putzt, riskiert, winzige Schichten des Schmelzes abzutragen.
  • Wer den ganzen Tag über immer wieder ­zucker- und säurehaltige Getränke (zum ­Beispiel Süssgetränke, Fruchtsaft, Cola) zu sich nimmt, schadet den Zähnen.
  • Essen Sie besser ein grosses Stück Schokolade auf einmal (und putzen Sie ­danach die Zähne) statt viele kleine Stücke über den Tag verteilt.
  • Wer häufig knackiges Gemüse und Früchte isst, tut seinen Zähnen einen guten Dienst.
  • Verzichten Sie auf Zigaretten: Rauchen ­erhöht die Gefahr von Zahnfleischentzündungen und führt zu dunkler verfärbten Zähnen.