Zehn vor zwölf. Schon fast Mitternacht. Wecker an, 06.30 Uhr, Ton «Radar», Schlummern aktiv. Wissen Sie manchmal auch bereits, wenn Sie sich hinlegen, dass die Nacht nicht gut wird? Zu wenig müde, zu viele Gedanken. 00.15 Uhr. Sieben Stunden werden es wieder nicht sein, sechs sind zu wenig. Das wird sich rächen. 00.38 Uhr. Wie spät ist es? Akku fast leer. Wo ist das Ladegerät? Stube? Küche. 01.35 Uhr. Wachen Sie auch ständig auf? Der Schwarztee war keine gute Idee. Besser noch einmal aufs WC. 02.53 Uhr. Heiss hier, Fenster auf. 05.12 Uhr. Hellwach. Noch 78 Minuten.

In der Schweiz klagt jeder Vierte über Probleme beim Schlaf, zehn Prozent werden von chronischen Schlafstörungen geplagt. Kein Wunder: Wir bewegen uns zu wenig, sind kaum an der frischen Luft, aber gleichzeitig einer grossen kognitiven Belastung ausgesetzt. «Früher haben Menschen öfter körperlich gearbeitet – dadurch wurde das Gehirn weniger belastet», erklärt Johannes Mathis, Co-Direktor des Schlaf-Wach-Epilepsie-Zentrums am Inselspital Bern. «Die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit verschwimmen immer mehr.» Die Zahl der Diagnosen steigt aber auch deshalb, weil früher niemand auf die Idee gekommen wäre, schlechten Schlaf als medizinisches Problem zu sehen und einen Arzt aufzusuchen. Das geschärfte Bewusstsein für die verschiedenen Ursachen von Schlafstörungen hat zu wichtigen Erkenntnissen in der Schlafmedizin, zu präziseren Diagnosen und gezielterer Therapie geführt.