Die kalte Dusche kommt aus Belgien – exakt zum Beginn der Badesaison. Eine neue Studie beweist: Häufiges Baden in chloriertem Wasser kann zu Veränderungen der Lungenproteine führen. Die Forscher der medizinischen Fakultät der Universität Louvain in Brüssel befürchten, dass Chlorgase die Lunge durchlässiger machen – was vor allem bei chronischen Krankheiten gefährlich werden kann. Auch beim Bundesamt für Gesundheit (BAG) in Bern reagiert man besorgt: «Wir müssen die Ergebnisse dieser Studie ernst nehmen und die Auswirkungen von Chlorbädern auf die Lunge genau untersuchen», sagt Roger Waeber, Spezialist für Innenraumbelastung beim BAG.

In Hallen- und Freibädern wird dem Wasser Chlor beigemischt. Es tötet gesundheitsgefährdende Keime ab. Bei diesem Prozess entstehen Chlorverbindungen – die so genannten Chloramine und Trihalogenmethane, zu denen auch das heimtückische Chloroform zählt. Chloroform entweicht über der Wasseroberfläche als Gas, ist direkt in der Lunge und im Blut von Badegästen nachweisbar – und es steht im Verdacht, Krebs zu erregen. So kamen Studien der US-Umweltbehörde zum Schluss, dass Chloroform das Blasenkrebs- und das Darmkrebsrisiko erhöht. In hohen Dosen eingeatmet, führt es zudem zu Unwohlsein, Schwindel, Hustenreiz und Atemnot.

Die Gasbelastung kann laut der Weltgesundheitsorganisation durch Baumassnahmen gesenkt werden. Entscheidend sei, dass die Oberflächen der Becken gut durchlüftet seien. Das ist in Freibädern ein kleineres Problem als in Hallenbädern. Zudem sollten Toiletten in der Nähe des Pools vorhanden sein – mit dazwischenliegender Dusche. Denn je mehr Schweiss, Haare und Urin im Wasser mit Chlor reagieren, desto mehr Chloroform entsteht.

Bedenklich ist das Verhalten vieler Badender. Das Deutsche Grüne Kreuz testete an einem gut besuchten Tag das Wasser in einem Heidelberger Schwimmbad: Die Urinkonzentration betrug 80 Milligramm pro Kopf: Jeder Gast hatte vier Schnapsgläser Urin ins Wasser rinnen lassen. Ein Badewassertest des Beobachters vor drei Jahren ergab ein ähnlich dramatisches Bild: In einigen Schweizer Freiluftschwimmbädern überschritt die Urinkonzentration die Grenzwerte um das Vierfache (Beobachter Nr. 15/98).

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Hoffnungen setzen die Behörden in die Umwandlung konventioneller Anlagen in Biofreibäder. Hier wirken Wasserpflanzen als Kläranlage; die chemische Keule bleibt den Schwimmern erspart. Erste Versuche fördern allerdings ernüchternde Resultate zutage, wie das Beispiel der Bibersteiner Biobadi zeigt: Hier tummeln sich zu viele Salmonellen und Fäkalbakterien im Biotop. Deshalb warnt der Aargauer Kantonschemiker Peter Grütter: «Das Gefahrenpotenzial in einem Chlorbad ist geringer als in einem Biobad.»