Mit dem Sonnenbaden ist es wie mit dem Rauchen: Alle wissen, dass es schädlich ist, aber viele tun es trotzdem – bis hin zum Krebstod. Jedes Jahr erkranken in der Schweiz rund 1500 Personen am schwarzen Hautkrebs; jede sechste Erkrankung endet tödlich.

Ähnlich klar ist, wie sich das Erkrankungsrisiko senken lässt: Beim Rauchen heisst das Rezept «Aufhören». Beim Sonnenbad ist es die «3-H-Regel»: Hut, Hose, Hemd. Doch die grosse Mehrheit eifert dem gängigen Schönheitsideal gebräunter Haut nach und behilft sich mit Sonnenschutzmitteln. Nur ist auch hier Vorsicht geboten, denn Jahr für Jahr zeigen Tests von unabhängigen Organisationen: Die wenigsten Mittel sind empfehlenswert.

In die Schlagzeilen kommen vor allem problematische Inhaltsstoffe wie chemische UV-Filter. Margret Schlumpf, Fachfrau für Umweltchemikalien an der Uni Zürich, untersuchte mit ihrem Team solche Substanzen. Was sie entdeckte, alarmierte Industrie und Verbraucher gleichermassen: Sieben von neun getestete UV-Filter sind hormonaktiv, das heisst, sie wirken ähnlich wie das weibliche Geschlechtshormon Östrogen.

Die Risiken sind zu wenig erforscht
Weibliche Laborratten zeigten schon bei geringen Dosen der besonders aktiven Filtersubstanz 4-MBC eine Vergrösserung der Gebärmutter. Andere Tests wiesen chemische UV-Filter in der Muttermilch nach.

Etliche Sonnencremen enthalten 4-MBC zwar nur in geringen Mengen, doch wo viel eingerieben wird, erhöht sich die Dosis. Welche Risiken von diesem und andern UV-Filtern ausgehen, ist noch unklar. «Eine Risikoeinschätzung für den Menschen benötigt weitere Untersuchungen, und die kosten viel Geld», sagt Margret Schlumpf – Geld, das für unabhängige Wissenschaftler nur schwer aufzutreiben ist. Einen Lichtblick gibt es immerhin: In Europa werden jetzt hormonaktive Chemikalien umfassend erforscht und geprüft.

Bis genügend gesicherte Daten vorliegen, können aber Jahre vergehen. Immerhin gibt es schon heute Alternativen, zum Beispiel physikalische Filter, auch mineralische Filter genannt, wie Zinkoxid oder Titandioxid. Sie sind gut verträglich und dringen nicht in die Haut ein, sondern reflektieren das Sonnenlicht an der Hautoberfläche. Vor allem Kindern, Schwangeren, ehemaligen Brustkrebspatientinnen sowie Menschen mit Hauterkrankungen rät Margret Schlumpf von Sonnenschutzmitteln mit chemischen Filtern ab. Deshalb empfiehlt es sich, beim Kauf nach dem Filter zu fragen oder die Packungsangaben genau zu lesen.

Einziger Nachteil der mineralischen Filter: Sie bilden einen weisslichen Film auf der Haut.

Eine zweite Alternative sind so genannte biologische Filter, wie sie bei Naturkosmetika angewandt werden: Vitamin C und E, Selen, Betakarotin oder Bio-Melanin in Kombination mit Grüntee sollen die Haut auf natürliche und allergiefreie Weise schützen, indem sie die hauteigenen Schutzmechanismen unterstützen. Solche Biofilter sind sogar in Tablettenform erhältlich. Vitamine allein schützen allerdings nicht vor Sonnenbrand, mahnen die Fachleute.

Hautschädigungen und Krebsgefahr
Sonnenschutzmittel stehen aber nicht nur wegen der chemischen UV-Filter in der Kritik. Ebenso umstritten sind die künstlichen Moschus-Duftstoffe: Sie lagern sich im Körper ab und belasten ihn zusätzlich.

Ein weiterer kritischer Inhaltsstoff ist Diethylphthalat, das den Schutzmechanismus der Haut beeinträchtigen kann. Zudem gibt es Produkte, die die Haut mit Gerbstoffen auf die Sonne vorbereiten sollen. Doch diese Stoffe reizen die Haut, sie wird dicker, lichtdurchlässiger und kann älter aussehen.

Geeignete Inhaltsstoffe sind das eine, die richtige Anwendung von Sonnenschutzmitteln das andere. Dazu gehört vor allem der Lichtschutzfaktor (LSF): Er gibt an, wie viel länger man sich im Vergleich zur ungeschützten Bestrahlung bräunen lassen kann, wenn man ein Sonnenschutzmittel verwendet.

Ausgangspunkt ist der so genannte Eigenschutz, das heisst die Zeitdauer, während der die Haut ohne spezielle Massnahmen vor einem Sonnenbrand geschützt ist. Bei Leuten mit sehr heller und empfindlicher Haut beträgt dieser Schutz lediglich fünf bis zehn Minuten (siehe Artikel zum Thema «Hauttypen: Sonnenschutz wie auf den Leib geschrieben»).

Da die Intensität der Sonneneinstrahlung im Tagesverlauf stark variiert, ist der Lichtschutzfaktor kein verlässlicher Anhaltspunkt. Zwischen 11 und 15 Uhr, wenn die UV-Strahlung am stärksten ist, sollte man sich wenn immer möglich im Schatten aufhalten.

Lichtschutzfaktor ist trügerisch
Dermatologen raten zudem, nur etwa zwei Drittel der vermeintlichen Schutzzeit zu nutzen. Und der Schluss, ein doppelt so hoher Lichtschutzfaktor lasse demnach ein doppelt so langes Sonnenbad zu, ist trügerisch: Eine Creme mit Schutzfaktor 15 filtert rund 90 Prozent der gefährlichen UVB-Strahlen heraus, der Faktor 30 nur wenige Prozent mehr. Ein Lichtschutzfaktor von mehr als 35 deutet im Übrigen auf die australische Norm hin. Bei solchen Produkten gilt es immer, den angegebenen Wert zu halbieren.

Eine andere wichtige Regel besagt: Den Sonnenschutz eine halbe Stunde vor dem Sonnenbad auf die gut gereinigte Haut auftragen. Fürs Gesicht genügt ein gestrichener Teelöffel, für den ganzen Körper darf es ein Drittel Deziliter sein. Und nach jedem Baden oder Duschen sollte man aufs Neue die Creme oder den Spray zücken, denn wirklich wasserfest ist keines der Mittel.

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