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WohngifteKrankmacher im Wohnzimmer

Wohngifte: Krankmacher im Wohnzimmer
Verdacht auf ein Wohngiftproblem besteht vor allem, wenn nach einem Wohnungswechsel, nach dem Streichen der Wohnung, dem Verlegen eines neuen Bodenbelags oder dem Kauf neuer Möbel plötzlich unerklärliche Gesundheitsprobleme auftreten. Bild: Thinkstock Kollektion

Schadstoffe in der Wohnung gefährden die Gesundheit. Wie lassen sie sich erkennen und eliminieren?

von Norbert Winistörfer

Gift in der Wohnung? Allein die Vorstellung schnürt einem die Kehle zu. Doch Untersuchungen zeigen: Selbst in der guten Stube ist der Mensch zahlreichen chemischen Stoffen ausgesetzt, die beim Bauen oder bei der Herstellung von Einrichtungsgegenständen verwendet wurden oder bei Reinigungs- und Hobbyarbeiten freigesetzt werden.

Die dicht abgeschlossenen Gebäudehüllen neuer oder renovierter Bauten verhindern, dass Schadstoffe in der Wohnung schnell entweichen können. Die möglichen Folgen sind Kopfschmerzen, Übelkeit, Augen- und Schleimhautreizungen, Schlafstörungen, Atembeschwerden und Nervosität. Je nach Empfindlichkeit der Person sowie Art und Konzentration des giftigen Stoffes sind die gesundheitlichen Beschwerden unterschiedlich stark.

Die Krux bei Wohngiften: Selbst wenn bestimmte Beschwerden auftreten, ist es in den meisten Fällen nicht möglich, deren Ursache zu finden. Denn Wohngifte lassen sich nicht einfach mit einem speziellen Gerät messen. Jede Substanz, die zu einer gesundheitlichen Beschwerde führen könnte, muss deshalb gezielt untersucht werden. Doch selbst spezielle Abklärungen helfen oft nicht weiter.

Nur bedingt Hilfe bei Schadstoffproblemen können Beratungsstellen der Gemeinden, des Kantons oder private Beratungsbüros leisten. Wichtig ist es deshalb, als Mieter, Wohnungs- oder Hausbesitzer mögliche Gefahren zu kennen, um gefährliche Substanzen aus dem Wohnraum verbannen zu können.

Unter dem Begriff Wohngifte werden verschiedene Stoffe und Stoffgruppen zusammengefasst: Formaldehyd, Lösungsmittel in Farben, Lacken, Putz- und Reinigungsmitteln sowie Schädlingsbekämpfungsmittel und auch Tabakrauch. Je nach Definition gehören auch biologische Raumluftbelastungen wie Fasern, Staub und elektromagnetische Felder dazu. Beruhigend ist immerhin: Von den bis zu 40'000 verschiedenen Substanzen, die in modernen Wohnräumen festgestellt werden können, sind die wenigsten gesundheitsschädigend. Die meisten Stoffe kommen glücklicherweise selten in Konzentrationen vor, die für Menschen akut giftig sind. Oft ist auch nicht eine einzelne Substanz, sondern das Zusammenwirken verschiedener Einflüsse für das Entstehen von Beschwerden verantwortlich.

Verdacht auf ein Wohngiftproblem besteht vor allem, wenn nach einem Wohnungswechsel, nach dem Streichen der Wohnung, dem Verlegen eines neuen Bodenbelags oder dem Kauf neuer Möbel plötzlich unerklärliche Gesundheitsprobleme auftreten.

Wohngifte

Verbessert sich der Gesundheitszustand ausserhalb der Wohnung, könnte die Ursache bei folgenden Wohngiften liegen:

Lösungsmittel und Formaldehyd

Sie sind in Farben, Lacken, Klebstoffen, Kunststoffbodenbelägen, Isolationsstoffen sowie in Möbeln aus Sperrholz und Spanplatten enthalten. Beim Trocknen können diese sogenannten flüchtigen organischen Verbindungen zu unangenehmen Gerüchen beziehungsweise Unwohlsein führen und Atemwege und Augen reizen.

Passivrauchen

Tabakrauch ist eine der wichtigsten Quellen von Raumluftverunreinigungen. Das Einatmen von Tabakrauch kann zu Schleimhautreizungen und Atemwegerkrankungen führen und erhöht das Risiko von Lungenkrebs. Gefährdet sind vor allem Kinder. Lüften Sie überdurchschnittlich oft, setzen Sie allenfalls Luftreinigungsgeräte ein, rauchen Sie im Freien - oder besser gar nicht.

Schädlingsbekämpfungsmittel

Sie sind in Teppichen mit dem Wollsiegel sowie in Sprays zur Insektenbekämpfung enthalten. Verzichten Sie wenn immer möglich darauf und weichen Sie auf natürliche Schädlingsbekämpfungsmethoden aus: zum Beispiel auf Duftsäcklein gegen Motten, Zitronelleöl gegen Mücken oder Lavendelöl gegen Ameisen.

Biologische Verunreinigungen der Raumluft

Dazu zählen insbesondere die Hausstaubmilben. Sie finden sich vor allem in Matratzen, Bettzeug, Teppichen, Polstermöbeln und können Schnupfensymptome, Asthma oder Hautausschlag auslösen. Geringere Luftfeuchtigkeit und erhöhte Raumtemperatur vermindern das Problem. Neben den Hausstaubmilben gehören Schimmelpilze und Haustiere zu den häufigsten Allergieauslösern im Wohnraum. Beim Schimmelpilz liegt die Ursache meist in unzureichender Lüftung. Bei Allergien gegen Tiere (Schuppen, Haare, Speichel, Urin) gibt es nur eine Lösung: auf Haustiere verzichten.

Asbest

Dringen diese natürlichen Mineralfasern mit der Atemluft in die Lunge ein, erhöhen sie das Risiko von Lungenkrebs. Heute sind asbesthaltige Produkte verboten. Vorsicht ist bei beschädigten Novilonböden geboten, die vor 1979 hergestellt wurden. Hier ist fachliche Beratung durch eine Asbestsanierungsfirma dringend empfohlen.

Elektromagnetische Felder

Der sogenannte Elektrosmog - künstlich erzeugte elektrische und magnetische Felder - ist in jeder Wohnung allgegenwärtig. Welche gesundheitlichen Schäden Elektrosmog verursacht, ist nach wie vor unklar. Elektrische Felder sind im Gegensatz zu magnetischen leicht abschirmbar. Ein sparsamer Umgang mit Elektrizität und ein bewussterer Einsatz von Elektrogeräten kann sicher nicht schaden.

Veröffentlicht am 2000 M08 09