«Wir sparen dir Zeit, Geld und Stress.» Über den Slogan des deutschen Kochbox-Anbieters HelloFresh kann Kalos Dzambazi nur lachen. Die Firma hat ihm viel Stress gebracht.

Vor drei Jahren liess sich der 52-Jährige überzeugen: Die App schlägt passend zum Geschmack des Kunden Menüs vor, Rezepte und alle Zutaten werden wöchentlich an die Haustür geliefert. Er muss sie dann nur noch kochen.

«Erst hatte ich Freude daran. Die Produkte waren frisch, es hat mir und den Kindern geschmeckt», so Dzambazi. Doch der alleinerziehende Vater kann sich die 89 Franken für drei Gerichte nicht oft leisten. Immer wieder pausiert er das Abo, wenn es sich monatlich selbst wieder aktiviert.

Betreibungsandrohung statt einer Antwort

Schliesslich will er das Abo kündigen. Ab Dezember 2020 nimmt er telefonisch und per Mail mehrere Anläufe – erfolglos. Im März 2021 sichert ihm der Kundendienst zu, das Abo sei nun beendet. Doch dann erhält der Aargauer erneut eine Box samt Rechnung. Er wehrt sich mit eingeschriebenem Brief. HelloFresh schickt ihm zur Antwort Anfang Juni eine Mahnung, Ende Juli erhält er eine Betreibungsandrohung eines Inkassobüros.

Dzambazi wendet sich ans Beobachter-Beratungszentrum. Dort sind ein halbes Dutzend ähnlicher Fälle bekannt. Man empfiehlt ihm, seine Rechtsschutz-Versicherung einzuschalten. Als die Berliner Firma stur bleibt, zahlt Dzambazi schliesslich die 130 Franken – 89 Franken plus Spesen –, gegen den Rat seiner Anwältin. «Das Ganze hat zu sehr an meinen Kräften gezehrt.» Nun endlich bestätigt ihm HelloFresh die Kündigung und bedauert, ihn als «treuen Kunden» verloren zu haben.

Ein einmaliges Versehen?

HelloFresh spricht von einem bedauerlichen Einzelfall: «Der Lieferstopp wurde versehentlich nicht im System hinterlegt, und die Rechnung versehentlich nicht storniert.» Nun will HelloFresh die 130 Franken zurückzahlen.

Eine Möglichkeit, dass Kunden ihr Konto in der App oder auf der Website selbst löschen können, gebe es nicht. Aber man könne dies jederzeit via Chat, Telefon oder Brief tun. Dzambazi bedauert, dass er vor Abo-Abschluss nicht gegoogelt hat. Im Internet warnen Dutzende ehemaliger Kunden vor der «Abofalle» HelloFresh. Die Firma nahm zu diesem Vorwurf nicht Stellung.

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