Gerhard Schmutz, Exdirektor und Aktionär der konkursiten ITE AG aus Emmenbrücke, reagiert unwirsch: «Ich nehme dazu keine Stellung. Was mir vorgeworfen wird, ist absoluter Schwachsinn.» Fragen an Gerhard Schmutz hat nicht nur der Beobachter. Die Luzerner Behörden ermitteln unter anderem wegen des Verdachts auf betrügerischen Konkurs. Beim Konkursamt sind Forderungen von insgesamt 4,4 Millionen Franken eingegangen. Die Kantonspolizei hat Geschäftsunterlagen der Versicherungsmaklerfirma beschlagnahmt.

Die happigsten Vorwürfe gegen Schmutz stammen von Manfred Vogt, Mitbegründer der ITE und nach eigenen Aussagen bis 2003 für das Controlling verantwortlich. Laut Vogt, der mit den Behörden kooperiert, diente die ITE als Selbstbedienungsladen für den aufwändigen Lebensstil von Schmutz. Insgesamt 1,7 Millionen Franken soll dieser seit 1996 aus der Firmenkasse abgezweigt haben. Dieser Betrag sei unter anderem über Scheinverträge für nicht erbrachte EDV-Dienstleistungen und Schulungen abgezweigt worden. Schmutz habe das Geld für mehrere Nobelkarossen, exklusive Ferien, Charterjachten, Privatfeste und Barentnahmen gebraucht.

Steuerbehörde und Sozialversicherungen sichten zurzeit die Unterlagen. Offiziell bezog Schmutz ein eher bescheidenes Gehalt. Schmutz seinerseits bezichtigt inzwischen seinen Expartner, zwei Millionen Franken unterschlagen zu haben. «Ein Ablenkungsmanöver», sagt Vogt.

Wenig Hoffnung auf Verwertbares macht sich Mark Eicher, Vorsteher des Konkursamts Hochdorf: «Eine Verfolgung allfälliger zivilrechtlicher Ansprüche erscheint ziemlich aussichtslos.»

Die Kunden wurden langsam nervös
Dabei war die ITE lange eine Goldgrube. In der Blütezeit vermittelten bis zu 400 Agenten vor allem fondsgebundene Lebensversicherungen und Sparverträge der Anbieter Skandia und Aspecta. «Die ITE hat in guten Jahren Abschlüsse für rund 300 Millionen Franken geliefert», erklärt Controller Vogt. Der Boom spülte Millionen an Provisionen in die ITE-Kassen.

Wie funktionierte das Schmutz-Modell? In teuren Schnellbleichen wurde Hinz und Kunz als Vermittler von Geldanlagen mit extrem langen Laufzeiten geschult. Wer Umsatz bolzte und weitere Verkäufer anwarb, stieg in der ITE-Hierarchie nach oben und konnte sich ein grösseres Stück vom Provisionskuchen abschneiden. Das ging so lange gut, wie neue Verträge in grosser Zahl abgeschlossen wurden. Kein Wunder, dass es seitens der Kunden immer wieder zu Klagen wegen unrealistischer Gewinnversprechen kam (siehe Beobachter Nr. 20/1996 und Nr. 23/1997, die nicht im Online-Archiv enthalten sind, sowie Artikel zum Thema «Strukturvertrieb: Versicherungsagenten im Visier»).

Dass die Maklerfirma schliesslich wie ein Kartenhaus zusammenkrachte, hat mehrere Gründe. Die Fünfjahresfeier der ITE im mondänen Monte Carlo soll laut Vogt beispielsweise 450000 Franken gekostet haben. Solche Exzesse höhlten die Firma aus. Ausserdem gefiel sich Schmutz zunehmend in der Rolle des Geldgebers für Rennpferde und Golfklubs. Bald fehlten Reserven für schlechtere Zeiten. Die brachen spätestens mit dem allgemeinen Börsenniedergang an: Von ITE vermittelte Kunden fürchteten um ihre Sparbatzen und stornierten in den Jahren 2002 und 2003 zu Tausenden ihre Verträge. Die Lebensversicherer forderten deshalb mehrere hunderttausend Franken ausbezahlte Provisionen von der Maklerfirma zurück. Die ITE flüchtete in den Konkurs.

Stehaufmännchen Schmutz ist der Versicherungsbranche treu geblieben. Er arbeitet als Verkaufstrainer für eine Firma namens BZ Berater Zentrum AG mit Hauptsitz in Zürich. Das Unternehmen empfiehlt sich als «Partner, der die finanziellen Mittel optimal einteilt».

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