Eine Routinekontrolle beim Sozialdienst der Stadt Bern wurde dem städtischen Finanzinspektor Beat Büschi, 61, zum ­Verhängnis. Weil er pflichtbewusst der Verwaltung auf die Finger schaute, wurde er Opfer einer Intrige und musste mit ­seiner Gesundheit bezahlen.

Jedes dritte Berner Sozialhilfedossier, so zeigte Büschis Sonderprüfung, war mangelhaft. Die interne Kontrolle fehlte fast gänzlich, die Führung im Sozialdienst war desolat. Das war vor fünf Jahren, heute sind die Missstände behoben. Doch die schonungslose Kritik von Büschi ­passte der SP-dominierten Stadtregierung offensichtlich nicht.

Zuerst wurde sein Bericht monatelang ­unter Verschluss gehalten. Dann geriet der Gemeinderat in Zugzwang und ­verlangte von Büschi, sämtliche 4000 ­Sozialhilfedossiers zu durchleuchten. Doch nach 300 Dossiers untersagte man ihm plötzlich die weitere Kontrolle – allzu genau wollte man es doch nicht ­wissen. Das ebenfalls mehrheitlich linke Parlament war verstimmt und kürzte ­Büschi das Budget.

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Der politische Druck ging am Team nicht spurlos vorbei. Einige der Mitarbeiter ­beschwerten sich bei Stadtpräsident ­Alexander Tschäppät mit Bagatellen über den Finanzinspektor. Auf Tschäppäts Druck beantragte Büschi schliesslich ein Disziplinarverfahren gegen sich selbst.

Diese Untersuchung dauerte fast ein Jahr, erst dann war der Vorwurf des angeb­lichen disziplinarischen Fehlverhaltens vom Tisch.

Trotzdem wollte die Stadtregierung den unbequemen Inspektor intern versetzen – oder noch lieber in Pension schicken. Im Frühling 2011 über­stieg der Druck ­Büschis Kräfte, er erlitt einen psychischen Zusammenbruch und musste sich meh­rere Wochen stationär behandeln ­lassen. Er liess sich nicht unterkriegen, inzwischen ist er trotz allem auf seinen Posten zurückgekehrt.

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