Shqiprim Olluri denkt nichts weiter, als er den Mann ­bemerkt, der sich der Rheinbrücke entgegentreiben lässt, die Diessenhofen TG mit dem ­deutschen ­Gailingen verbindet. Ein drückend heisser Vormittag im August 2011. Der 15-Jährige steht auf der Holzbrücke und würde auch gern in den Fluss springen, doch die Höhe lässt ihn zaudern: acht Meter. Der vorbeitreibende Mann verschwindet aus seinem Blickfeld, Olluri hält wieder Ausschau nach Ramon Amrhein (links) und ­Dines Dzaferi, seinen Freunden, die den Sprung in die Tiefe schon gewagt haben. Da hört er Hilfeschreie. Und sieht den Schwimmer unter der Brücke hervorkommen – bloss treibt er nun nicht mehr ­ruhig dahin, sondern schlägt wild um sich, von einem Krampf überrascht.

Der Sekschüler handelt schnell. «Ich sah meine Freunde auf die Brücke ­zurückkehren und brüllte: ‹Springt durch das Fenster hier, dort unten ertrinkt einer!›», erzählt er. «Dann rannte ich los, um die Zöllner zu alarmieren.»

Dines Dzaferi, 15, springt als Erster. «Der Mann war in völliger Panik», sagt er. «Er klammerte sich an mich und zog mich ­immer wieder unter Wasser.»

Wenige Sekunden später stösst Ramon Amrhein, 16, dazu. Gemeinsam schaffen es die Teenager, den 46-Jährigen rund 20 Meter flussaufwärts zu ziehen, wo Olluri wartet und hilft, den Geretteten an Land zu holen.

Der Schwimmer bedankt sich einige Tage darauf bei seinen Rettern. Die realisieren gleich nach ihrer Tat noch gar nicht, was sie geleistet haben. «Als die Ambulanz da war, gingen wir mal einen Döner essen», sagt Amrhein. «Erst dann wurde uns klar: Mann, wir haben einen Menschen gerettet. Das war ein gutes Gefühl.» 

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