«Das tat mir im Herzen weh!», erinnert sich Lydia Boetschi. Als sie das Grab von Maria Weiss auf dem Zürcher Friedhof Schwamendingen besuchte, sei das Beet nur mit Immergrün bepflanzt gewesen: «Es gab keinerlei Blumenschmuck.»

Die 69-Jährige war fast zwei Jahre lang Beistand von Maria Weiss und wusste, dass die hochbetagte Katholikin wie auch deren seit längerem verstorbener Ehemann Ernst einen Sterbe- und Grabvorsorgevertrag bei der Zürcher Firma Steiner & Co. abgeschlosssen hatten. Im Vertrag steht, dass das Grab der beiden bis 2019 zweimal jährlich bepflanzt werden und an Allerheiligen zusätzlich Winterschmuck erhalten soll.

Lydia Boetschi informierte eine Erbin von Maria Weiss, die in Deutschland wohnt. Diese beschwerte sich bei der Steiner AG. Die Firma antwortete: «Da die nächsten Verwandten im Ausland wohnen, wurde auf eine Frühlings- und Sommerbepflanzung verzichtet.»

«Unglaublich», sagt dazu Franz Schrag, Präsident des Schweizerischen Verbands der Bestattungsdienste. «Vertrag ist Vertrag. Es tut doch nichts zur Sache, wo die Angehörigen wohnen.» Der Verband achte sehr auf die Einhaltung der ethischen Richtlinien und der Verträge – allerdings seien nur ein Drittel der rund 650 Schweizer Bestattungsfirmen Mitglieder.

In der Schweiz sterben jährlich rund 62000 Menschen. Die Sterbebranche kommt mit allen Produkten und Dienstleistungen auf einen geschätzten Jahresumsatz von über einer Milliarde Franken. Davon profitiert auch die Steiner AG, die erst nach wiederholter Reklamation das Grab von Maria und Ernst Weiss vertragsgemäss herrichtete. Jetzt blühen endlich Blumen.

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