Jede Minute bezahlen über 1000 Schweizer eine Rechnung bar am Postschalter – macht 189 Millionen Einzahlungen pro Jahr. Die Zahl geht zwar Jahr für Jahr zurück, doch die Barzahlung hält sich hartnäckig, obwohl Überweisungen einfacher und sicherer wären.

Und billiger. Denn die Post kassiert für jede Bareinzahlung Gebühren. Die Höhe hängt von der Art des Einzahlungsscheins (rot oder orange) ab und liegt je nach Betrag zwischen 90 Rappen und Fr. 3.55. Wie viel die Post kassiert, mag sie nicht verraten. Vorsichtig geschätzt, sind es 300 Millionen Franken im Jahr. Postfinance-Sprecher Alex Josty sagt, der Dienst sei «noch knapp kostendeckend».

Die Post belastet die Gebühr nicht dem Einzahler, sondern dem Empfänger. Das sind grösstenteils Firmen. Der Preisüberwacher empfiehlt seit Jahren, von dieser Praxis abzukommen, doch die Post will davon nichts wissen. Das System der Empfängertaxe existiere seit 1906 und sei «bei den Kunden bekannt und breit etabliert», sagt Josty. Ein Systemwechsel würde «für die Kunden einschneidende Veränderungen mit sich bringen».

Gebühr auf Kunden überwälzt

Eine Reihe grosser Firmen ist deshalb dazu übergegangen, diese Gebühr auf die Kunden zu überwälzen, etwa Kredit- und Kundenkartenanbieter –aber auch Vereine wie der Eislauf-Club Zürich. Wer seine Sunrise-Rechnung bar am Schalter bezahlt, findet auf der nächstfolgenden Faktura einen Aufschlag in der Höhe der Postschaltergebühr. Seit Sunrise dies vor knapp zwei Jahren eingeführt habe, sei die Zahl der Bareinzahlungen um rund zehn Prozent geschrumpft, sagt Sunrise-Sprecherin Frida Hirt.

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Anders bei Firmen, die die Postgebühr nicht weiterverrechnen. «Die Zahl der Kunden, die bar einzahlen, bleibt seit Jahren gleich hoch», sagt Roland Wahrenberger, Verlagsgeschäftsführer der Beobachter-Gruppe. «Wir wären sehr dankbar, wenn mehr unserer Mitglieder die Aborechnung bargeldlos überweisen statt bar bezahlen würden.» Das kostet Axel Springer Schweiz, die He­rausgeberin des Beobachters, jedes Jahr rund 120'000 Franken. Davon entfallen gut 80 Prozent auf Einzahlungen von Beobachter-Abos. «Könnte dieses Geld ins Produkt investiert werden, hätten alle Leserinnen und Leser mehr davon», sagt Wahrenberger.