Der Fairness-Preis, lanciert 2008 vom Direktversicherer Smile direct, soll Unternehmen auszeichnen, die fair handeln. Schon letztes Jahr gab es Misstöne: Unter den Finalisten war ausgerechnet die Inkassofirma Intrum Justitia – bekannt für ihr unzimperliches Vorgehen auch gegen Unbescholtene. Jurypräsident Kurt Aeschbacher gelobte Besserung.

Nun tritt die Jury erneut ins Fettnäpfchen. Sie schlägt unter anderen Victorinox für den Preis vor. Die Firma aus Ibach SZ ist bekannt für die in der Schweiz produzierten Taschenmesser, bietet aber auch Produkte an, die in Asien hergestellt werden: Koffer, Taschen, Freizeitkleider – alle versehen mit dem Victorinox-Emblem, dem Schweizer Kreuz auf einem Schild. Zu Unrecht, findet das Institut für Geistiges Eigentum (IGE) in Bern: Das Wappenschutz­gesetz verbietet, Waren in Umlauf zu bringen, die das Schweizer ­Wap­pen oder damit verwechselbare Zeichen tragen. Laut Markenschutzgesetz dürfen Kunden auch nicht über die wahre Her­kunft von Produkten getäuscht werden. Beides tut die Firma aber laut IGE:  Das Wappen gilt als geographische Herkunfts­angabe. «Victorinox handelt ­illegal», so Felix Addor, stellvertretender IGE-Direktor.

«Kein Schweizer Wappen»

Über die Nominierung ärgert sich ins­besondere Trybol-Chef Tho­mas Minder. Der Kämpfer gegen den Missbrauch der «Marke Schweiz» hatte 2008 ­gegen ­Victo­rinox Strafanzeige eingereicht. Doch die Schwyzer Behörden erachteten ihn als nicht klageberechtigt – obwohl es um ein Offizialdelikt geht. «Bei dieser Ware wird nicht ein Prozent der Wertschöpfung in der Schweiz erzielt», schimpft Minder. 

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«Victorinox konnte die ­Vorwürfe uns gegenüber widerlegen», sagt Daniel Briel, Projektleiter des Fairness-Preises. ­Zudem stehe beim diesjährigen Preis die Fairness gegenüber Mitarbeitenden im Zen­trum.  «Victorinox hat die Jury mit einer zukunftsweisenden Personalpolitik überzeugt.» Auch für den Victorinox-Geschäftsführer Carl Elsener ist der Fall klar: Das Firmenlogo sei kein Schwei­zer Wappen, sondern ein in über 130 Ländern geschütztes Zeichen. «Die in Asien hergestellten Produkte tragen eine Herkunftsbezeichnung.» Das Logo werde auch nicht mit dem Wappen verwechselt.  «Es unter­scheidet sich durch die Querverbindungen zwischen Schild und Kreuz.»

Präzisierung

(5.4.2011) Die Taschenmesser von Victorinox werden in der Schweiz produziert.

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