«Hätten wir das Inserat nur nie ge­sehen», sagen Martha und Roland Vogt aus Reinach AG. Dabei schien es die Lösung zu sein: Ein deutscher Zahnarzt namens Valentin Videa bot im grenznahen Küssaberg bei Waldshut zur Praxis­eröffnung ein neues Gebiss für nur 2500 Euro an. Eine Versuchung für Roland Vogt, der schon lange unter seinen schlechten Zähnen litt. «Wir haben nicht viel Geld, da kam uns das günstige Angebot gerade recht», sagt Martha Vogt. «Dass mein Mann zum Schluss ein regelrechtes Gelotter im Mund haben würde, damit haben wir nicht gerechnet.»

Was Vogts nicht wussten, als sie auf das Inserat reagierten: Valentin Videa praktiziert in Deutschland, weil er in der Schweiz seine Berufsausübungsbewilligung ver­loren hat, wie der «Kassensturz» 2012 berichtete. Aus dieser Zeit liegen nicht nur Beschwerden, sondern auch Betreibungsbegehren von Geschädigten gegen Videa in Höhe von über 140 000 Franken vor.

Videa war «hektisch» und verlangte Bares

Doch für Vogts schien alles seriös. Die ­Praxis logiert unter dem Namen Premiumdent in einem repräsentativen Bau an der Hauptstrasse in Küssaberg. Nach einem kurzen Blick in Vogts Mund empfahl Zahnarzt Videa eine Kronenversorgung von Ober- und Unterkiefer. Dafür erhielt Roland Vogt einen Kostenvoranschlag über 5800 Euro, Garantiearbeiten während zweier Jahre inklusive.

Anzeige

Vogts entschieden sich dafür. Doch bald zeigte sich: «Videa war hektisch, schien ständig unter Druck zu sein», erinnert sich Roland Vogt. «Und er verlangte, dass wir zu jeder Behandlung Bargeld mitbringen.» Mal wollte er 500, mal 100, mal 1300 Euro bar auf die Hand. Mittlerweile sind die Kosten auf 6798 Euro aufgelaufen, denn von Garantiearbeiten wollte Videa plötzlich nichts mehr wissen. «Dieser Zahnarzt hat ganz klar meine Situation ausgenützt. Man kann so eine Behandlung ja nicht einfach mittendrin aufhören», sagt Vogt. Doch das Schlimmste: «Mein ganzes Gebiss wackelt, und wegen der Entzündun­gen habe ich grauenhaften Mundgeruch. Von den Schmerzen ganz zu schweigen. Meine Lebensqualität ist auf dem absoluten Nullpunkt.»

Vor kurzem holten Vogts bei einem Schweizer Zahnarzt für das orale Desaster eine Zweitmeinung ein. Dieser hält in seinem Bericht fest: Auf den bestehenden Knochen hätte nie etwas aufgebaut werden dürfen. Statt der versprochenen Keramik­aufbauten wurden unten nur metallene eingesetzt. Und durch den Pfusch konnten sich überall Bakterien ablagern, die den Mundgeruch verursachen.

Anzeige

Vor und während seiner Tätigkeit in der Schweiz pfuschte sich Videa auch im grenznahen Österreich durch die Münder von Patienten. Auch hier verlor er die Bewilligung: «Nachdem Valentin Videa zur Zeit nicht in der Zahnärzteliste eingetragen ist, darf er den zahnärztlichen Beruf in Österreich nicht ausüben», sagt dazu Markus Thaler, Geschäftsführer der Vorarlberger Zahnärztekammer. Denn auch hier gab es Beschwerden, insbesondere aus Liechtenstein, wo Videa ebenfalls Kunden anwarb. In Deutschland hingegen darf er als Zahnarzt arbeiten, da er ausschliesslich Privatzahler behandelt und im Besitz eines gül­tigen deutschen Studienabschlusses ist.

Videa macht weiter. «Der Name ist bei uns sehr wohl bekannt», sagt Polizeisprecher Wissler vom Kriminalkommissariat Waldshut-Tiengen. «Es wurde auch schon Anzeige erstattet.» Auch Diane Hergarden, Geschäftsleitungsmitglied des Viersternehotels «Vier Jahreszeiten» am Schluchsee, ärgert sich über Videa: Der bietet auf seiner Website ein Kombipaket mit Zahnbehandlung und dreitägigem Wellnessaufenthalt im «Vier Jahreszeiten» an – ohne dass das Hotelmanagement davon gewusst hätte. «Wir kennen diesen Herrn nicht, und er hat auch nichts mit uns abgesprochen. Wir werden ihn umgehend kontaktieren und verlangen, dass er dieses Angebot von seiner Homepage nimmt.»

Anzeige

Videas Mailadresse funktioniert nicht

Anfragen des Beobachters liess Videa unbeantwortet. Schickt man eine E-Mail auf den Link seiner Homepage, erhält man ­eine Fehlermeldung.

Der Beobachter leistet Vogts Rechts­hilfe. Sie haben einen Anwalt beigezogen und bei Videa per Einschreiben eine Mängelrüge eingereicht. «Wir wollen vor allem verhindern, dass noch mehr Leute auf diesen Zahnarzt hereinfallen und sich grosse Schmerzen und Unkosten einhandeln.»