Es dauerte bloss einen Tag, dann waren die 350'000 Franken bewilligt. Das erstaunte selbst die Frau aus Liechtenstein, die den Kredit auf der Internetseite der ­Direct Invest Europe ­beantragt hatte.

Nachhaken unerwünscht

Die Firma mit Adresse in Zürich lockt mit tieferen Zinsen als die Konkurrenz. Dass etwas faul an der Sache sein muss, erkannte die Frau beim Lesen der Zusage: «Die Bearbeitungsgebühr beträgt 5750 Franken und ist auf unser Konto zu überweisen.» Daraufhin erhalte sie umgehend die Vertragsdokumente. Nicht etwa von Direct Invest Europe, sondern von einer weiteren Firma, die im Schreiben als «durchführendes Institut» bezeichnet wird. «Als ich mich telefonisch über die ungewöhnliche Vorauszahlung beschwerte und auf das Angebot verzichten wollte, wurde ich übel beschimpft», sagt die Frau.

Direct Invest Europe ist Teil eines losen Netzwerks dubioser Kreditvermittler, die mehreres gemeinsam haben: Sie alle verlangen Vorauszahlungen, und ihre ­Firmensitze sind Brief­kästen in England. Ihre angeblichen Filialen in der Schweiz gibts nicht.

Eine Schweizer Nummer

Auch ihre Schweizer Telefonnummern sind nur Teil der Kulisse, die Se­riosität vorgaukeln soll. Möglich ist das, weil das Bundesamt für Kommunikation (Bakom) nationale Nummern auch an internationale Händler vermietet, zum Beispiel an die Voxbone in Bel­gien. Diese verhökert die Nummern weltweit an jeden, der sich mit Swissness schmücken will – auch an nervige Callcenter und an ­Finanzbetrüger. Daher steht die Firma europaweit in der Kritik.

Laut dem Bakom ist es heute gesetzlich nicht möglich, die Nutzung der Nummern einfach an strengere Auflagen zu knüpfen. Genau dies regt die Waadtländer ­SP-Ständerätin Géral­dine Savary in einer Interpellation an. Die Antwort des Bundesrats steht aus.