Die Senioren sind längst im Netz. Die Hälfte der 70- bis 74-Jährigen nutzt das Internet gemäss Statistik gelegentlich. Das heisst aber auch: die andere Hälfte noch nicht. Sie bildet einen lukrativen Markt für allerlei Geschäftemacher. Ganz vorn dabei ist eine Firma namens ­Easy Learning Institute (ELI). Mit Telefonmarketing spricht sie gezielt ältere Menschen an, schickt Vertreter vorbei, über­redet sie zu überteuerten Computerkursen. Und: Konsumentenfeindliche Klauseln im Kleingedruckten sollen den Senioren den Ausstieg aus dem Vertrag vergällen.

So erging es Rosemarie Buri. «Der Vertreter schmeichelte, wo er nur konnte, zum Beispiel über meine heimelige Wohnung», erinnert sich die 79-Jährige aus Uster ZH. Er bearbeitete sie so lange, bis sie dann doch noch einen Vertrag unterschrieb. «Den Ausschlag gab, dass der Kurs ganz in meiner Nähe stattfinden sollte.» Weil sie die 400 Franken Anzahlung nicht im Haus hatte, chauffierte sie der ELI-Vertreter gar zum Geldautomaten und zurück.

Die Teilnehmer dürfen nur zuschauen

Insgesamt 2695 Franken kostet der Anfängerkurs mit bloss 16 Lektionen – ein Kurs, den Rosemarie Buri überhaupt nicht braucht: Sie mailt und surft routiniert, nutzt E-Banking und füllt auch die Steuererklärung online aus. «Es wäre schön, die Möglichkeiten der Bildbearbeitung besser kennenzulernen», formulierte sie ihr Kursziel. Bloss: Da­von ist in der Kursbeschreibung gar nicht die Rede. Dort steht stattdessen, dass sie ihren Computer auf Microsoft Vista und Word 2007 aufrüsten müsse – obwohl ohnehin nur der Kursleiter einen PC verwendet. Die Teilnehmer dürfen nämlich nur zuschauen.

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Als Buri all dies realisiert und aussteigen will, ist es schon zu spät. Die sieben­tägige Widerrufsfrist ist abgelaufen. Obwohl der Kurs noch gar nicht begonnen hatte, muss sie für die vorzeitige Vertragsauflösung 1500 Franken hinblättern.

Frappant: Die Anwerbemethoden und die Kursdidaktik hat ELI vom Ausbildungsinstitut Franchi (ebenfalls aus Lugano) abgekupfert, die Vertragsformulare im Copy-paste-Verfahren gar wortwörtlich übernommen. Die Franchi-Kurse sorgen seit 2000 immer wieder für negative Schlag­zeilen. Leere Versprechen der Vertreter, mangelhafte Kurse und kundenfeindliche Vertragsbedingungen, so lauteten die Vor­würfe an Franchi – die gleichen, wie sie jetzt an die Adresse von ELI gehen.

Die Ähnlichkeit ist kein Zufall. ELI-­Inhaber Valerio Corvi hatte fast ein Vierteljahrhundert als kaufmännischer Geschäftsführer der 2F-Gruppe gearbeitet, zu der auch die Franchi-Schule gehört, bevor er 2009 das Easy Learning Institute gründete. Als Franchi die Filialen in Bern und Zürich schloss, übernahm ELI die Mietverträge und das Personal.

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Den Vorwurf, die ELI-Kurse seien ver­glichen mit anderen Angeboten (siehe ­nachfolgende Box «Bessere Bildung für Senioren») viel zu teuer, weist Valerio Corvi ­zurück: «Ich glaube, dass die angebotenen Dienste in angemessenem Verhältnis zu den Kosten stehen.» Auch von leeren Versprechen seiner Vertreter will der ELI-Chef nichts wissen. «Unsere Aussendienstmitarbeiter sollen keine solchen Zusicherungen abgeben, und sie tun es auch nicht.»

Bessere Bildung für Senioren

Es gibt zahlreiche Anbieter von speziell für Senioren konzipierten Computer- und Internetkursen. Schweizweit vertreten sind insbesondere die Migros (www.klubschule.ch) und Pro Senectute (www.computerias.ch). Das Angebot variiert von Ort zu Ort. Die Migros-Klubschule Baden zum Beispiel hat einen Basiskurs mit 15 Lektionen für 480 Franken im Angebot – weniger als ein Fünftel des ELI-Preises. Noch günstiger sind die Pro-Senectute-Kurse. In Langnau am Albis ZH kosten acht Lektionen (mit höchstens vier Teilnehmenden) ­gerade mal 200 Franken.

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