Ein Vertreter steht vor der Tür der 80-jährigen Gertrud F. Er hat Katzenfelldecken der Firma Santhera in Buchs SG mitgebracht. Laut Werbung helfen sie gegen «Rheuma – die Volkskrankheit Nummer 1». Behandlungserfolge gebe es zum Beispiel bei Gelenkrheumatismus, Bandscheibenleiden, Nervenschmerzen, Durchblutungs- oder Schlafstörungen. Gertrud F. lässt sich überzeugen und unterschreibt einen Kaufvertrag für zwei Decken. Preis: 3400 Franken.

«Jenseits von gut und böse» seien diese Preise, urteilt Gisela Dalvit, Geschäftsleiterin der Schweizerischen Rheumaliga. Zur Wirksamkeit meint sie: «Jede wärmende Decke, zum Beispiel aus Schafwolle, kann bei gewissen Rheumaschmerzen lindernd wirken. Da braucht es kein Katzenfell.»

Auch Markus Zobrist, Inspektor für Medizinprodukte beim Bundesamt für Gesundheit, kritisiert die Santhera-Werbung: «Bestimmte Anpreisungen wie Hilfe bei Bandscheibenleiden, Abnützungserscheinungen oder Schlafstörungen lassen sich wissenschaftlich nicht belegen.»

Gisela Dalvit findet Katzenfelldecken auch aus tierschützerischen Gründen verwerflich. Denn meist sei unklar, woher die Felle stammten. Bei Santhera heisst es dazu, die Felle kämen via Grosshändler aus Russland und Bulgarien.

Auf den Direktverkauf an der Tür angesprochen, versichert Josef Kranabetter, Geschäftsführer von Santhera: «Wenn jemand mit unseren Decken unzufrieden ist, kann er sie zurückgeben.» Schön und gut – nur: Wer zu Hause von einem Vertreterbesuch überrumpelt wird und dann einen Vertrag unterschreibt, kann diesen ohnehin innert sieben Tagen widerrufen.

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