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WanderhandwerkerVerlockendes Angebot – teurer Pfusch

Frisch gestrichene Fensterläden
5000 Franken, um alle Fensterläden neu zu streichen – zu schön, um wahr zu sein. Bild: iStock Photo

Für einen unschlagbaren Preis wollten drei Handwerker die Fensterläden von Alois von Arx renovieren. Doch die Sache hatte einen Haken.

von Gian Signorellaktualisiert am 2017 M07 07

Die bulligen Herren von Carlos Multiservice waren nur bei der ersten Begegnung freundlich. «Ich war vor dem Haus, als sie in einem weissen Lieferwagen vorfuhren», erzählt Alois von Arx. Der 56-jährige Berner Hobbyhandwerker arbeitet seit über einem Jahr an der Gesamtrenovation seines Hauses.

Da kam das Angebot der drei Männer wie gerufen. «Für 5000 Franken wollten sie alle Fensterläden neu streichen. Ein hiesiger Fachbetrieb verlangte dafür fast dreimal so viel.» Von Arx schlug ein, und die Männer verfrachteten die Fensterläden in ihren Wagen.

Finstere Gesichter

Zwei Tage später waren sie wieder da, deponierten die Läden im Garten und meinten, die Montage sei im Preis nicht inbegriffen. Sofort wollten sie Bares sehen. Von Arx inspizierte die Arbeit – und war entsetzt. «Die Läden waren weder geschliffen noch gespachtelt. Die Farbe hatten sie mit der Spritzpistole statt mit Pinsel und Roller aufgebracht. Zudem waren viele Läden plötzlich beschädigt.»

Als sich von Arx weigerte zu zahlen, verfinsterte sich die Miene der drei Pfusch-Handwerker. Nun wollten sie nicht weniger, sondern mehr Geld. Das Streichen der Läden hätten sie nur so günstig angeboten, weil sie davon ausgegangen seien, dass sie auch den Auftrag über 30'000 Franken für die Fassade bekämen. «Mir wurde die Sache unheimlich, weil die drei jetzt unverhohlen aggressiv auftraten», so von Arx. Sie hätten sich dann mit 4800 Franken zufriedengegeben und seien weggefahren.

Warnung der Polizei

Von Arx meldete den Vorfall der Polizei. Dort ist die Masche bekannt. «In den letzten Wochen sind bei uns diverse Meldungen eingegangen, dass Personen Waren oder handwerkliche Arbeiten an der Haustür anbieten. Vorab in der grenznahen Region Seeland und im Berner Jura», sagt Jolanda Egger. Die Kantonspolizei Bern warnt ausdrücklich davor, solche Angebote anzunehmen.

Für Alois von Arx kommt die Warnung leider zu spät: «Ich hatte halt eine schwache Minute. Aber das wird mir nicht wieder passieren.» Seine Fensterläden sehen jetzt trotzdem wieder aus wie neu. Von Arx hat sie selber gestrichen.

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Matthias Pflume, Mitglied der Chefredaktion

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