Haben Sie schon einmal gezählt, wie viele Geräte Sie zu Hause haben, mit denen sich Musik abspielen lässt? Da kommen mit Hi-Fi-Anlage, Computer, Radio und iPod schnell einige Multimedia-Geräte zusammen. Dumm nur, dass trotz diesem Arsenal das Musikerlebnis immer wieder getrübt wird: Warum bloss kann man das Lieblingsradio vom Internet nicht im Schlafzimmer geniessen? Weshalb tut man es sich an, die gespeicherten Mozart-Konzerte als Plastiksound auf kleinen Computerlautsprechern wiederzugeben?

Da helfen sogenannte Multiroom- oder Multizone-Systeme – eine kluge Vernetzung aller möglichen Audioquellen. Die besonders ausgereiften, aber auch teuren Varianten erlauben die separate Beschallung von vielen Räumen. Diese Systeme lassen sich sowohl zentral als auch in den einzelnen Zonen steuern und ermöglichen den Anschluss von praktisch allen Wiedergabegeräten und Speichermedien.

Vier Möglichkeiten zur Beschallung

Wer sich solchen Hörgenuss verschaffen will, muss zuerst entscheiden, wie die Musiksignale übertragen werden sollen.

Audiokabel: Im absoluten Topbereich führt der Weg über Kabel – was freilich voraussetzt, dass diese zuerst gezogen werden. Die Gesamtkosten für die Verkabelung mit den Geräten und Lautsprechern können sich rasch auf mehrere zehntausend Franken summieren. Adrian Etter, Projektleiter bei der Berner Firma Kilchenmann, gibt dazu aber zu bedenken: «Der Aufwand für die Installationen kann stark reduziert werden, wenn eine solche Verkabelung schon bei der Planung eines Neu- oder Umbaus berücksichtigt wird.»

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Computernetzwerke: Inzwischen sind unzählige Produkte erhältlich, die Musik als Daten über bestehende Computernetzwerke (Local Area Network, LAN) verteilen. Wenn bereits Leerrohre oder sogar schon verlegte Kabel vorhanden sind, gilt das als die beste Variante. Über LAN-Kabel lassen sich auch grössere Distanzen in Gebäuden absolut zuverlässig überwinden. Auch ist der Datendurchsatz höher, das heisst, in gleicher Zeit können mehr Datenpakete transportiert werden. Das ist entscheidend, wenn nicht nur Musik, sondern auch Videos übertragen werden sollen.

Stromnetz: Als Alternative kommt die sogenannte Powerline-Technologie in Frage: Man schickt die Signale über das bestehende Stromnetz durchs Haus. Das setzt den Erwerb von entsprechenden Adaptern voraus, meist ist auch eine Konfiguration über den Computer nötig.

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Funk: Als einfachste und preisgünstigste Lösung gelten die drahtlosen Netzwerke (Wireless LAN). In immer mehr Haushalten sind heute bereits WLANs vorhanden, die notwendigen Router zum drahtlosen Zugang zum Internet werden von manchen Providern sogar gratis zur Verfügung gestellt. Die Variante WLAN hat allerdings den Nachteil, dass die Übertragung je nach Situation zu wenig stabil und störanfällig ist (Mikrowellen, Handystrahlen, Hackerangriffe et cetera). Wie Powerline-Lösungen erzeugen im Übrigen auch Funknetzwerke elektromagnetische Felder beziehungsweise Elektrosmog.

Basis- oder Luxusvariante?

Ist die Übertragungsmethode einmal definiert, geht es an die Auswahl der Produkte. Das derzeit günstigste Multiroom-System bietet die Firma Logitech mit der Produktlinie Squeeze. Bereits ab 250 Franken gibt es ein Gerät mit eigenen Lautsprechern, das Tausende von Radiostationen vom Internet oder über WLAN auch die Musiksammlung vom Computer wiedergibt. «Diese Basisvariante klingt überraschend gut», sagt David Lutz, Produktmanager Audio beim Elektronikhändler Digitec. Adrian Etter von der Firma Kilchenmann empfiehlt teurere Produkte: «Geräte der Consumer-Kategorie, vor allem in geringen Ausmassen, können punkto Tonqualität mit grösseren Lautsprechern nicht mithalten.»

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Der Haken: Viele Multiroom-Geräte sind in jeder Hinsicht computergestützt. Der Anwender muss sie konfigurieren können. Bei den einfachsten Varianten kommt die Musik (vom Internetradio einmal abgesehen) vom PC oder Laptop, die entsprechend im Dauerbetrieb arbeiten. Der Trend geht allerdings in Richtung separate Speicher: Eine eigene Festplatte respektive ein Netzserver (Network-Attached Storage, NAS) wird ins System eingebunden und speichert Musik oder anderes zentral ab.

Die bekannteste Marke im gehobeneren Bereich heisst Sonos. Von der kalifornischen Firma gibt es verschiedene Varianten an Abspielgeräten – mit eigenen Lautsprechern oder zum Anschluss an die bestehende Stereoanlage. Die Steuerung erfolgt mit einem drahtlosen Controller oder auch mit dem iPhone. Von Vorteil sind die flexiblen Einsatzmöglichkeiten: Das System kann sowohl LAN- als auch WLAN-basiert arbeiten oder als Mix von beidem.

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Unabhängig vom einzelnen Hersteller gilt natürlich, dass jeder Raum, der ans System angeschlossen werden soll, mit Lautsprechern oder mit einer Stereoanlage ausgestattet sein muss. Sobald mehrere Räume einzubinden sind, gehen die Anschaffungen rasch ins Geld. So kostet ein Vier-Raum-Konzept mit Sonos-Hardware rund 3500 Franken, und auch mit den preiswerteren Logitech-Produkten sind dafür etwa 1800 Franken zu budgetieren – ohne Planung und Installation.

Multiroom-Systeme: So gehen Sie vor

Planung: Erstellen Sie vor dem Kauf eine Skizze der verschiedenen Zimmer im Haus oder in der Wohnung und überlegen Sie sich, wo Sie Musik hören wollen und wo nicht.

Bedürfnisse: Bloss nichts überstürzen! Klären Sie in Ruhe: Soll auch eine bestehende Stereoanlage eingebunden werden? Oder der iPod? Braucht es in der Küche nicht nur Internet-, sondern auch UKW-Radio oder Digitalradio (DAB+)? Und: Es ist kaum sinnvoll, für Tausende von Franken Kabel zu verlegen und am Ende die billigsten Lautsprecher anzuschliessen. Rechnen Sie je nach Ihren Bedürfnissen verschiedene Ausbau­varianten durch – vielleicht tut es auch ein guter drahtloser Kopfhörer.

Bedienung: Zentral bei Multiroom-Systemen ist die Bedienung. Erkundigen Sie sich vor dem Kauf unbedingt, wie sich die Geräte steuern lassen. Im dümmsten Fall muss der Haus-DJ vom einen zum anderen Zimmer laufen, um Musiktitel zu wählen.

Synchronwiedergabe: Klären Sie ab: Kann das System die gleiche Musik in zwei Zimmern gleichzeitig und ­synchron wiedergeben?

Flexibilität: Wichtig, um die Möglichkeiten des Systems auszuschöpfen: Gibt es ausreichend Schnittstellen für konventionelle Verstärker, iPods oder USB-Anschlüsse für externe Speicher, MP3-Player et cetera?

Support: Stellen Sie sicher, dass der Hersteller bei Installationsproblemen Unterstützung bietet und über eine leistungsfähige Hotline für technische Fragen verfügt.

Stromverbrauch: Der Stand-by-Betrieb ist ein Stromfresser sondergleichen – erst recht bei vernetzten Systemen.Erkundigen Sie sich nach dem Stromverbrauch und prüfen Sie, ob alle ­Geräte einen Netzschalter zum ­Ausschalten haben.

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