Markus Zürcher* hatte alles genau geplant. Er freute sich auf ein paar Tage Sonne in Malta. Seinen Rückflug buchte der selbständige Architekt für den frühen Morgen, denn er wollte noch nach Graubünden fahren, um am folgenden Tag einen wichtigen Geschäftstermin ausgeruht wahrnehmen zu können. Doch kurz nach der Buchung bekam er eine Mail von der Swiss: Der Flug sei von 9:10 Uhr auf 19:30 Uhr verschoben worden. Für Zürcher sehr unpraktisch. «Dürfen die das?», fragte er sich.

«Eigentlich nicht», sagt Doris Huber vom Beobachter-Beratungszentrum: «Vertrag ist Vertrag, den darf eine Partei nicht einfach so abändern.» Doch der Kunde habe keine grosse Wahl. «Er kann bloss den Flug annullieren und das Geld zurückfordern, wenn er die Verschiebung nicht will.» Anspruch auf eine Ausgleichszahlung Flugverspätung Wann habe ich Anspruch auf Entschädigung? bestehe in Zürchers Fall nicht. Die Fluggesellschaft habe ihn mehrere Monate vor dem Flug und damit rechtzeitig informiert.

Flugplanänderungen belasten die Reisebüros

Die Sache mit den verschobenen Flügen ist komplex. Eine ganze Reihe von Faktoren sind entscheidend. Sicher ist bloss: Die Anzahl der Flugplanänderungen nimmt zu. Um wie viel genau, ist schwierig zu sagen; eine Anfrage bei Swiss blieb bis Redaktionsschluss unbeantwortet.

Mühsam sind Flugplanänderungen aber nicht nur für Kundinnen und Kunden, die umplanen müssen, sondern auch für die Reisebüros. Sie müssen ihre Kunden über jede Änderung informieren. «Gerade in den letzten Tagen wurde ich vermehrt mit dieser Problematik konfrontiert», sagt Walter Kunz, Geschäftsführer des Schweizer Reiseverbands. «Unsere Mitglieder beklagen die Häufung der Flugplanänderungen und die Streichung von Flügen, ohne dass von den Airlines eine Alternative angeboten würde.»

Besonders ärgerlich für die Reisebüros: Sie werden für die Zusatzarbeit nicht entschädigt – und das, obwohl die meisten Airlines aus rein kommerziellen Gründen Flüge streichen oder verschieben. «Wir investieren immer mehr Zeit in eine Arbeit, die uns die Airlines aufhalsen, aber nicht vergüten. Leider haben wir keine Chance, etwas zu ändern», so Nick Gerber von Globetrotter.

Prozessrisiko beim Kunden

«Eine ungute Sache für Kunden und für Reisebüros. Beide sind den Fluggesellschaften ausgeliefert», sagt der auf Reiserecht spezialisierte Anwalt Rolf Metz. «Oft gibt es keine Alternativen: Der Kunde hat den Flug schon bezahlt. Er müsste die Fluggesellschaft einklagen Flugverspätungen Schweizer klagen mit Vorteil in der EU , wenn sie den Flugpreis nicht zurückzahlen will.» Allerdings trägt der Kunde dann auch das Prozessrisiko.

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Das ist nicht alles, sagt Maya Hagenbucher vom Reisebüro MTI: «Oft ist es so, dass eine Airline einen Langstreckenflug so verschiebt, dass die Anschlusszeiten nicht mehr passen.» Entweder verpasst der Kunde den Weiterflug oder muss plötzlich stundenlang an einem Flughafen warten. «Dann liegt es am Reisebüro Übers Reisebüro buchen Was sind die Vorteile? , Alternativen anzubieten, Weiterflüge zu ändern und sich mit den Fluggesellschaften um Rückerstattungen zu streiten.» Privatkunden wenden sich für eine Anschlusslösung direkt an die Airline.
 

* Name geändert

Merkblatt «Rechte von Flugpassagieren» bei Guider, dem digitalen Berater des Beobachters

Flug annulliert, überbucht oder verspätet: Mitglieder von Guider erfahren im Merkblatt «Ihre Rechte als Flugpassagier», was ihnen zusteht und welche Entschädigungssumme sie in den jeweiligen Situationen verlangen können.

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